Olten

Die Börsenbetreiberin SIX will am Standort Olten 45 Angestellte entlassen

Am Standort Olten plant die SIX-Gruppe die Entlassung von 45 Mitarbeitenden.

Am Standort Olten plant die SIX-Gruppe die Entlassung von 45 Mitarbeitenden.

Hiobsbotschaft für die Angestellten der Oltner SIS AG, eine Tochter der Börsenbetreiberin SIX: Sie will im Nachhandels-Bereich 65 Entlassungen aussprechen. Am stärksten betroffen ist der Standort Olten, wo jeder sechste Arbeitsplatz gestrichen wird.

Kurz vor Ostern müssen die Angestellten der SIX-Tochter SIS AG eine schlechte Nachricht verdauen. Die SIX-Gruppe, sie betreibt die Infrastruktur für den Schweizer Finanzplatz und insbesondere für die Schweizer Börse, will im Bereich Securities Services sparen. Insgesamt sollen 65 Kündigungen ausgesprochen werden. Davon am stärksten betroffen ist die Gesellschaft SIX SIS AG, die insgesamt 307 Mitarbeitende beschäftigt. Am Standort Olten mit 260 Beschäftigten sind 45 Kündigungen und am Standort Zürich mit 47 Angestellten 5 Kündigungen geplant. Das heisst, in Olten verschwindet jeder sechste SIS-Arbeitsplatz. Dies geht aus einem Schreiben an die Mitarbeitenden hervor, die am vergangenen Dienstag in Olten über «die Kostensenkungsmassnahmen» orientiert wurden.

SIX will 17 Millionen Franken sparen

SIX-Sprecher Alain Bichsel bestätigt auf Anfrage den geplanten Stellenabbau in der Division Securities Services. Das wirtschaftliche Umfeld und die regulatorischen Rahmenbedingungen hätten sich im Post-Trade-Geschäft, also im Nachhandels-Geschäft, «dramatisch verändert». Auf die dem Börsenhandel nachgelagerten Prozesse hätten sich seit dem zweiten Halbjahr 2012 die stark rückläufigen Handelsvolumen sowie die sinkenden Margen negativ ausgewirkt, heisst es im Mitarbeiter-Schreiben. Das operative Ergebnis in der Division habe sich verschlechtert, die Erträge seien gesunken. Dies zwinge SIX dazu, diesen Geschäftsbereich neu auszurichten, ergänzt Bichsel. Bis 2015 soll die Division Securities Services die Kosten um 17 Millionen Franken senken. «SIX will an dieser Division festhalten», versichert Bichsel. Die SIS AG ist auf alle dem Börsenhandel nachgelagerten Aktivitäten wie Clearing, Abwicklung und Verwahrung der Wertpapiere spezialisiert.

Abbau trotz hohem Gewinn

Für die Betroffenen stösst der Abbau auf grosses Unverständnis, wie es bei der Belegschaft heisst. Insbesondere die Tatsache, dass die SIX-Gruppe an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz für 2012 «ein gutes operatives Resultat» vermeldete. Der Konzerngewinn stieg demnach um 46,5 Prozent auf 320 Millionen Franken. Selbst bereinigt um Sondereffekte und dem Verkauf der Eurex-Beteiligung resultierte mit 195 Millionen Franken ein um 21 Prozent höheres Betriebsergebnis. Ziel sei, dass alle vier Divisionen ihre Rentabilität steigerten, erklärt Bichsel. Zwar habe auch der Bereich Securities Services 2012 in den schwarzen Zahlen operiert. Aber das betriebliche Ergebnis sei aus den erwähnten Gründen um 25,6 Prozent auf 21 Millionen Franken eingebrochen. Andererseits schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung trotz geplanter Entlassungen eine von 5 auf 5.95 Franken pro Aktie erhöhte Dividende sowie aus dem Verkaufserfolg der Eurex-Beteiligung eine Sonderdividende von 9.41 Franken pro Aktie vor.

Konsultationsfrist bis 12. April

Noch sind die Kündigungen nicht ausgesprochen. Da der Personalabbau in Olten voraussichtlich zu einer Massenentlassung führen wird, hat SIX ein Konsultationsverfahren bei allen Mitarbeitenden der Division Securities Services eingeleitet. Demnach haben nun die Mitarbeitenden Gelegenheit, Vorschläge zur Vermeidung der Kündigungen oder zumindest zur Reduktion des Stellenabbaus einzureichen. Das Konsultationsverfahren läuft noch bis am 12. April.

SIX gehört den Banken

SIX entstand 2008 aus dem Zusammenschluss der Schweizer Börse SWX, des Finanzdienstleisters Telekurs und des Abwicklungsunternehmens SIS. Per Ende 2012 beschäftigte SIX – auf Vollzeritstellen umgerechnet – 3554 Angestellte in der Schweiz und im Ausland, was einem Rückgang um 8,1 Prozent entspricht. Das Unternehmen befindet sich im Besitz von rund 150 Banken.

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