So viel vorweg: Gelobt hat er mich nicht, der Chauffeur des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu. Ich bin ihm nämlich noch knapp vor der Nase «durchgeflitzt», wie man so schön sagt. Und darob selbst erschrocken. Seinem Ärger, oder wars bloss Schrecken, hat er sich deutlich sichtbar Luft verschafft, auch wenn durch mein Seitenfenster und die Windschutzscheibe des Linienbusses davon nicht allzu viel zu hören war. Offen gesagt: Gar nichts. Gottlob. Aber Lippenbewegungen gepaart mit weit geöffneten Augen und verärgerter Miene: Da reicht der visuelle Eindruck für eine Beurteilung meist völlig aus.
Als der fragliche Chauffeur mich wenig später auf der rechten Fahrspur Richtung Bahnhofplatz passiert, stoppt er kurz auf meiner Höhe, presst durch die Lippen noch ein paar ungehörige Schimpfworte in meine Richtung und verwirft die Hände. Dann beschleunigt er seinen Gelenkbus wieder. Ich atme auf.

Rotlicht übersehen

Klar liegt der Fehler bei mir, denn Unachtsamkeit entschuldigt (fast) nichts. Auch nicht die Tatsache, dass ich ein Rotlicht überfahren habe an der Gösgerstrasse. Genau jenes Rotlicht, welches den Verkehr Richtung Bahnhofplatz stoppt, wenn ein Linienbus sich vom Busbahnhof am Bahnhof Richtung Innenstadt aufmacht. Zu meiner persönlichen Entlastung will ich sagen: Ich hab das Rotlicht erst im letzten Moment wahrgenommen. Weniger aus Schlendrian; darauf muss ich bestehen.

Vielleicht zwei Meter vor der Ampel nämlich war ein Reisecar parkiert, natürlich absolut korrekt und innerhalb der markierten Fläche. Aber der nahm mir bei meiner Anfahrt auf die neuralgische Stelle die Sicht auf die Ampel. Wäre ich ein gewiefter Zeitgenosse, ich hätte ihm, dem Chauffeur des parkierten Reisecars – im Falle eines Crashs – die Schuld geben. Aber bin ich ein gewiefter Zeitgenosse?

Kein Einzelfall

Ich rufe beim Busbetrieb an. Will wissen, ob deren Chauffeure von weiteren Erfahrungen berichten können, die von meinesgleichen verursacht werden. Was mich tröstet: Sie können. Aber sagen gleichzeitig, es komme doch eher selten vor, dass ein parkierter Reisecar die Ampel verdecke. «Der fragliche Parkplatz für Reisecars wird unseres Wissens vor allem von den Fernbussen genutzt. Und die sind nicht so häufig.»
Der Trost ist dahin. Ich telefoniere mit Solothurn, dem Amt für Verkehr und Tiefbau. Ich werde an die Abteilung Verkehrstechnik verwiesen.

Ich schildere dem Mann dort meine Geschichte. Das Problem sei bekannt, sagt er mir. Und schliesslich: «Der langen Rede kurzer Sinn: Es gibt im Zusammenhang mit der Einrichtung der Bushaltestelle nahe der Bahnhofkreuzung noch zwei, drei Ungereimtheiten zu beseitigen.» Und eine davon sei effektiv die Ampel, die durch parkierte Reisecars verdeckt werde. Im Übrigen sei man immer froh, wenn Rückmeldungen aus der Bevölkerung kämen, meint er noch überzeugend. Das beruhigt mich. Fazit: Noch einmal Glück gehabt.