Olten

Die Big Band feiert ihren 30. Geburtstag

17 Köpfe, aber alle im selben Geist vereint: Die Big Band Olten sorgte an ihrem Jubiläumskonzert für Hochstimmung in der Schützi.

17 Köpfe, aber alle im selben Geist vereint: Die Big Band Olten sorgte an ihrem Jubiläumskonzert für Hochstimmung in der Schützi.

Das Schwungrad der Swing-Ära feierte ausgiebig in der Schützi. Die Big Band beging ihren 30. Geburtstag mit Count Basie, Fabienne Hoerni und «Frank Sinatra».

«Wenn du 20 Minuten vor Konzertbeginn nicht kribblig bist, dann stimmt was nicht.» Der Satz stammt von Trompeter Reto Spiegel, der 25 Minuten vor Konzertbeginn noch munter durch die Gästereihe in der Schützi schritt.

Und die war proppenvoll. So viel hatte Stephan Fröhlicher, Leiter der Big Band Olten, im Vorfeld des Jubiläumskonzerts schon prophezeit. Dazu Gäste: Saxofonistin Fabienne Hoerni und Regi Sager als Moderatorin.

Regi Sager.

Regi Sager.

Dazu ein Bandleader, der mit spartanisch-lockerer Geste — mal kreisten lediglich die Zeigefinger, mal blieb die Hand als Mahnmal eines Leitenden in die Höhe gereckt — die Fäden spann.

Dazu eine Überraschung: Ein Revival von «Frank Sinatra», dessen Geburtstag sich am Samstag zum 100. Mal jährte. Also, warum den Mann nicht auferstehen lassen? Die Rolle Sinatras übernahm Drummer Ernesto Gloor, der sich als köstlicher Parodist entpuppte.

Dabei: Kenner der Szene hätte auffallen können, dass Gloor bereits beim Konzertauftakt die Rhythmusfolgen mit noch unhörbaren «Baa, baaa, baba ba ba, bam» untermalte.

Beigaben einer Wohlfühlmixtur

Das also waren die Ingredienzien eines superlativen unterhaltsamen «Swingfunkblues-Abends», der knappe zwei Stunden währte und — gespickt mit Soloeinlagen — die Zuhörerschaft von einem Höhepunkt zum andern jagte.

Samtene Klänge, gellende Trompeten, brummende Saxofone, kantige Beats, Applaus auf offener Szene für Soli, Zwischenrufe aus dem Auditorium. Na also: Big-Band-Herz, was willst du mehr?

Selbst mittlerweile eher in die Jahre geratene Paare erlagen dem Groove in entzückender Art und Weise: Mehr als einmal legten Damen denn auch ihren Kopf behutsam auf die Schulter ihres Begleiters.

«I’ve Got You Under My Skin», sang «Sinatra» Ernesto Gloor dazu. Wer geglaubt hätte, dieser Sinatra, dem übrigens schön früh Beziehungen zur Unterwelt nachgesagt wurden, sei passé, der wurde an diesem Abend doch eines Besseren belehrt.

Die Frage «Welches ist denn dein Lieblingsstück Sinatras?» geriet vor solch einem Hintergrund fast gar zu reinster Rhetorik.

Doch zurück zur Eröffnung. Ohne Brimborium begangen, wohltuend schnörkellos: einmarschiert, losgelegt und dem Groove Tür und Tor geöffnet. Teil eins der konzertanten Trilogie sollte ganz im Zeichen Count Basies stehen; lediglich der «Tin Roof Blues» tanzte aus der Reihe, ein Werk aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts und Teil der inoffiziellen «List of jazz standards».

Aber bitte sehr: Wer hätte sich an diesem Abend um solche «Standards» gekümmert? Der Abend der Sinne war eröffnet. Er mutierte zum eigentlichen Schwungrad der Swing Ära.

Eins werden

Der Mittelteil gehörte dann Gastsaxofonistin Fabienne Hoerni. Faszinierend ihr Auftritt, «Reduced to the Max» liesse sich sagen. Eine Frau, ein Saxofon. Und irgendwann ist beides nicht mehr ganz vom andern zu trennen.

Fabienne Hoerni.

Fabienne Hoerni.

Verschwimmen Konturen, während die helle Botschaft Musik bleibt. «Stolen Moments» berauschend sanft und unprätentiös gegeben, melancholisch unterminiert, ergreifend gut.

Es gab trotz anhaltendem Applaus keine Zugabe zum Schluss; eine sympathische Nuance, wider die Praxis, vom besten nie genug bekommen zu haben. Eben: Reduced to the Max.

Ein Megastar ist zurück

Und dann— wie erwähnt — das Revival eines Megastars: Ernesto Gloor gab Sinatra. Mit «I Get a Kick Out of You» – sang der Mann mit scheinbarer Gelassenheit und Leichtigkeit einen von Cole Porter stammenden und dutzendfach gecoverten Titel.

Der individuelle Sinatra-Groove nahm Raum ein. Sein Auftritt sei nur weniger Insidern bekannt gewesen, erklärte Gloor nach grossem Applaus auf die entsprechende Nachfrage der Moderatorin, die auch vom Jazzfieber gepackt zum Mikrofon griff.

Dass der Groove nicht bloss «Jazz Natives» erfasste, davon zeugten die beiden Konzertbesucher Jason Huser und Nando Peier, beide aus Lostorf, beide mit Jahrgang 1996.

«Wir wollten etwas für uns eher Neues entdecken, Musik «handmade» erleben, die durch ihre Ehrlichkeit überzeugt», sagen sie und empfinden das Gezeigte als Kulturgut. «Toll, dass es so was überhaupt gibt», konstatiert Huser.

Peier nickt. Und sie stellen in einer Nebenbemerkung doch leicht überrascht und ebenso amüsiert fest: «Wir senken das Durchschnittsalter hier extrem.»

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