Das Berufsbildungszentrum (BBZ) Olten ist nicht nur für Junge da. Auch Erwachsene können sich hier auf einen Berufsabschluss vorbereiten, und zwar in der Nachholbildung, die unter dem Dach des Erwachsenenbildungszentrums (EBZ) Olten als Säule des BBZ steht. «Wir verfügen landesweit über die grösste Nachholbildungsorganisation», erklärt Georg Berger, Direktor des BBZ Olten, mit einem gewissen Stolz.

Das widerspiegle sich auch in den Zahlen des EBZ: «Von den 761 Personen, die im laufenden Jahr unser Erwachsenenbildungszentrum besuchten, nahmen 401 Personen, also mehr als die Hälfte, an Kursen der Nachholbildung teil.» Entsprechend sei auch der Anteil der Nachholbildung am Jahresumsatz des EBZ, der gesamthaft bei rund 2 Mio. Franken liege, stellt Berger fest.

550'000 ohne Berufsabschluss

Für BBZ-Direktor Berger ist die Nachholbildung von grosser Bedeutung. Schätzungen gingen davon aus, dass in der Schweiz rund 550'000 Erwachsene zwischen 25 und 64 keinen Abschluss auf der Sekundarstufe II besässen und über 100'000 dieser Personen noch
30 und mehr Berufsjahre vor sich hätten. Der Kanton Solothurn liege mit rund 25'000 Erwachsenen ohne anerkannte Berufsausbildung über dem Landesdurchschnitt, was auch mit der überdurchschnittlichen Migrationsquote zu tun habe.

Diese Zahlen seien beunruhigend, denn die Statistik zeige deutlich, dass Personen ohne nachobligatorische Ausbildung im Vergleich zu höher qualifizierten Personen signifikant häufiger von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen seien. Deshalb sei es wichtig, Erwachsenen, die eine Berufsausbildung nachholen wollten, dies zu ermöglichen. «Die Schweiz ist auf jede Arbeitskraft angewiesen, wir dürfen deshalb kein Potenzial brach liegen lassen», unterstreicht Berger gegenüber dieser Zeitung. Mit dem Ausbildungsstand stiegen Qualität und Effizienz einer Arbeitskraft. Und der heutige Arbeitsmarkt stelle immer höhere Anforderungen an die Beschäftigten.

(Un)geregelte Ausbildung

Die Berufslehre könne in jedem Alter absolviert werden, betont Berger weiter. Die Vorstellung, sie richte sich nur an Menschen zwischen 15 und 20, allenfalls zwischen 18 und 25, im Übergang von der obligatorischen Schule zu einer ersten Tätigkeit im Erwerbsleben, sei überholt. Ältere Menschen müssten auch noch eine Berufsausbildung absolvieren können. Deshalb gebe es neben der geregelten Grundausbildung für Schulabgänger der Sekundarstufe I auch die ungeregelte Grundausbildung für ältere Menschen, die Nachholbildung.

Diese biete auch den über 25- bis 50-Jährigen Gelegenheit, sich berufsbegleitend auf einen Berufsabschluss mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) vorzubereiten. Anders als bei der geregelten Grundbildung müssten in der Nachholbildung in Olten Absolventen aus anderen Kantonen ein Schulgeld von jährlich 7500 Franken bezahlen. 2016 betraf das 193 der 401 Absolventen in Olten, also fast die Hälfte. Auf politischer Ebene liefen in vielen Kantonen Bestrebungen, dass die Nachholbildung gänzlich aus dem Topf der Berufsbildung finanziert werden sollte, damit Absolventen keine Schulgelder mehr zu entrichten hätten, was Berger begrüssen würde.

Lebenslanges Lernen

In der Nachholbildung am BBZ Olten werden folgende Berufe angeboten: Anlagenführer, Detailhandelsfachmann, Gesundheitsberufe (FaBe, Fachfrau Gesundheit), Gebäudereiniger, Logistiker und Tierpfleger. Neben der Nachholbildung gibt es am EBZ Olten noch weitere Bildungsangebote: Sprachkurse, Lehrgänge Sachbearbeitung für Personalassistenten und Sachbearbeiter Rechnungswesen/Logistik, Kurse für Lernende (zum Beispiel Vorbereitungskurse Berufsmittelschule, diverse andere Vorbereitungs- und Fachkurse, Informatik-Anwendung), höhere Berufsbildung (Logistikbranche, Coiffeurgewerbe) sowie Kurse für Neubürger und Berufsbildner. BBZ-Direktor Georg Berger ist überzeugt, dass die Erwachsenenbildung immer wichtiger werde, denn der Arbeitsmarkt sei in ständigem Wandel: «Lebenslanges Lernen ist gefragt.»