Die jungen Berufsleute verlassen nun die Ausbildungsstätte in Schule und Betrieb mit einem gut gepackten Rucksack voller Wissen und Fähigkeiten hinsichtlich ihrer künftigen Arbeit. Doch der Berufs(bildungs)weg beginnt erst und ist noch lange nicht abgeschlossen. Das (Berufs-)Leben besteht aus permanentem Weiterlernen und sich Weiterentwickeln.

Dank unserem weiterführenden und durchlässigen Bildungssystem stehen den jungen Berufsleuten Tür und Tor offen für eine aufbauende Laufbahn. Denn eine Berufsausbildung ist ein solides Fundament, auf dem sich viel aufbauen lässt. Unsere Wirtschaft ist auf qualifizierte Fachleute angewiesen, mehr denn je. Die Technik ist rasend schnell und neue Technologien kommen fast täglich frisch auf den Markt. Was gestern noch galt, ist heute schon passé. Die Veränderung ist die einzige Konstante.

Mobilität und Technologisierung fordern uns in allen Lebens- und Berufsbereichen heraus. Um alle diese grossen Herausforderungen meistern zu können, braucht es gute Berufsleute, die innovativ, zukunftsgerichtet und motiviert voranschreiten und nach neuen Lösungen suchen. Leute, die das Maximum am Arbeitsplatz herausholen – von den Pflegeabteilungen der Spitäler über die Dienstleistungs- und Konsumgüterunternehmen bis zu den Werkplätzen in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft.

Gewisse Branchen der Wirtschaft klagen seit einiger Zeit darüber, dass sie ihre Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte nicht besetzen können. Es fehlt mancherorts an Fachkräften. Vor allem im Gesundheitswesen (Ärzte sowie Pflegepersonal) sowie im Ingenieur- und Technikwesen, aber auch in Informatik, Biotechnologie und Pharmazie mangelt es an qualifiziertem Personal. In einigen Branchen gibt es bereits ein Überangebot an Lehrstellen. Deshalb bemühen sich die Berufsverbände wie noch nie um Lehrlinge.

 Dass hierzulande etwa sieben von zehn Schulabgängerinnen und Schulabgängern den Berufsbildungsweg wählen, hat seine Gründe. Er eröffnet ihnen viele Möglichkeiten und Perspektiven, von der Berufslehre über die Berufsmaturitätsschule bis zu den Fachhochschulen und Universitäten. Mit der Schaffung von mehr Durchlässigkeit wurde in den letzten Jahren auf der Schulseite dafür gesorgt, dass Jugendliche ihren Fähigkeiten und ihrer Leistungsbereitschaft entsprechend gefördert werden können. Aber auch Berufsverbände und Lehrbetriebe tragen dazu bei.

 Einen Beruf erlernen und sich gleichzeitig mit einer Maturität für einen Studienweg befähigen – was will ein leistungswilliger, kluger Jugendlicher mehr. Schade nur, dass die in die Lehre integrierte Berufsmaturität gar nicht mehr so gefragt ist und heute gegen zwei Drittel der Berufsmaturanden den einjährigen Lehrgang nach Abschluss der beruflichen Grundausbildung wählen. Leider hat dieser Trend massgeblich auch mit der mangelnden Ausbildungsbereitschaft von Lehrbetrieben zu tun. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Sonst laufen die Lehrbetriebe Gefahr, dass sich leistungsbereite, tüchtige Jugendliche mit einem gut gefüllten Schulsack anders orientieren. Das darf nicht geschehen, denn die Schweiz soll ein Berufsbildungsland, das als Erfolgsmodell über Europa hinaus Vorbildcharakter hat, bleiben.

 Blick in die Zukunft: Im Zusammenhang mit der Industrie 4.0 und der Digitalisierung in der Wirtschaft stehen das Berufsbildungswesen und die Berufsfachschulen vor grossen Herausforderungen. Der Veränderungsdruck ist enorm. Wenn der amerikanische Technologie-Prophet Ray Kurzweil recht behält, werden wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts so viel technischen Fortschritt erreichen wie in den gesamten 20 000 Jahren Menschheitsgeschichte zuvor.

Der Veränderungsdruck, der sich durch die Digitalisierung laufend erhöht, muss auch in der Berufsbildung aufgefangen werden. Bund, Kantone und Organisationen der Berufswelt arbeiten an den gestellten Herausforderungen. Unter anderem lancierten sie Ende 2018 den Förderschwerpunkt «Digitaler Wandel in der Berufsbildung – digitalinform.swiss», der Teil der Umsetzungsmassnahmen im Strategieprozess «Berufsbildung 2030» ist. Damit schafft der Bund Rahmenbedingungen, die einen aktiven Know-how-Transfer zwischen Projekten im Bereich der Digitalisierung ermöglichen. Ziel ist es, die Akteure besser zu vernetzen.

Gefordert ist in der Berufsbildung mehr Flexibilität durch eine Modularisierung der Grundausbildung. Es geht um ein Angebot von Qualifikationsbausteinen, die beliebig zusammengesetzt werden können, um irgendwelchen Arbeitsanforderungen zu genügen. Für den Aufbau der Module muss die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, die immer mehr Flexibilität erfordert, massgeblich sein. Bei der Modularisierung geht es grundsätzlich darum, die Effektivität der dualen Bildung für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes auch in Zukunft sicherzustellen. Denn Swiss-Skills sollen auch künftig überzeugen!