Olten
Die Baslerstrasse wurde zum «Broadway» des Beachvolleyballs

Im Schatten des Beachvolleyball Center Courts mutiert die innere Baslerstrasse zur Seele der Beachvolleyball-Tour. An den Beach-Plauschturnieren vergnügten sich viele Volleyball-Begeisterte aus der Region.

Urs Huber
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Wer «beacht»? Wer isst? Wer kontrolliert? Wer schlendert? Wer wartet? All diese Fragen und mehr beantwortete die innere Baslerstrasse am Samstagabend. Bruno Kissling

Wer «beacht»? Wer isst? Wer kontrolliert? Wer schlendert? Wer wartet? All diese Fragen und mehr beantwortete die innere Baslerstrasse am Samstagabend. Bruno Kissling

BRUNO KISSLING

Schauplatz innere Baslerstrasse: Vier Schönheiten im Beachvolleyballlook verdrücken je ein Schnitzelbrot mit Pommes, irgendwo versucht sich ein Bub im Memoryspiel, am Grill schwitzen Männer und Frauen für Fackelspiess und Co., gelegentlich dröhnen vom Center Court der Beachvolleyball-Tour Heissmacherrhythmen auf die Strasse, irgendwo tut sich ein Kind an der Glace gütlich, spielen die «no names» gegen die «Undercover Beachers» auf dem Nebenplatz beim Plauschturnier. Dazwischen flanieren Besucher – sportliche und unsportliche – , Plauschvolleyballer beiderlei Geschlechts. Sie alle verwandeln im Rahmen der Coop Beachtour für ein paar Tage die innere Baslerstrasse in den «Broadway» des Beachvolleyballs, lassen das 50 Meter lange Strassenstück zum Schmelztiegel der Beachvolleyball-Kultur werden. Wer den Center Court als Herz der Veranstaltung preist, wir unumwunden zugeben müssen: Die innere Baslerstrasse ist dessen Seele.

Deutschland, Österreich, England

Cheer Leaders gehören auf den Platz; aber Cheer Leaders haben auch mal Hunger; so wie Julia Geiger (A), Elena Auerbach (D), Simone Puchinger (D) und Helen Coveney (GB). Die international besetzte Truppe, alle mit tänzerischer Ausbildung, kennt sich kaum: «Wir sind zum ersten Mal in dieser Besetzung zusammen», sagt Simone Puchinger. Und auch nur darum, weil Cheer Leaders derzeit Hochkonjunktur haben und sich deren Agenturen vor Engagements kaum erwehren können. Dann blickt Puchinger auf die Uhr: «In fünf Minuten, Mädels, gehts für uns weiter.» So macht sich das Quartett zu einer neuen Stimmungsrunde auf. Mit ihren geschminkten Gesichtern wirken die vier «Mädels» wie Solitäre in einer auf Pritschen Baggern und Schlagen programmierten Welt.

Fischknusperli und Co.

Zum Essen gehören – Köche; richtig. Der Pontoniersportverein Olten offeriert an seinem Stand Fischknusperli Pommes, Fackelspiesse. Man ist zufrieden mit dem Geschäftsgang. Was läuft derzeit am besten? Peter Strub, Vizepräsident der städtischen Pontoniere und Chefgrilleur, zögert keine Sekunde. «Am besten gehen derzeit Fischknusperli mit Pommes frites über die Theke», meint er. Um sogleich die lecker wirkenden Fackelspiesse zu empfehlen: «Die machen sich eigentlich auch ganz gut», so Strub.

Wer gegessen hat und sich die Seele des Turniers ein bisschen um die Ohren geschlagen haben möchte, der wendet sich den Amüsierständen zu. So wie Nicolas Rusnac aus Muhen, der sich schon mal beim Memoryspiel versucht, derweil sich Mutter Elisabett auf einer Bank niederlässt. «Ich finde die Ambiance sehr gut hier», sagt sie, die früher mal in Neuendorf gewohnt und gewirtet hat und jetzt rein zufällig mit der Familie in Olten weilt. «Wir sind das erste Mal hier», betont sie. «Ein bisschen Volleyball schauen ist doch gerade das richtige an einen Sommerabend wie diesem.» Sport hat bei Familie Rusnac überhaupt einen grossen Stellenwert. Der eine Sohn, Steven, fährt die ersten Lorbeeren als Turmspringer ein. Sprunghöhen bis zu 5 Metern. Und Nicolas, der sich gerade bei Memory Spiel versucht? «Der ist gut in der Schule», sagt Mutter Elisabett nicht ohne Stolz. Sport ist eben doch nicht alles.

Spass als Hauptsache

Ah ja, da sind noch die Beach-Plauschturniere. Kurz nach 19 Uhr messen sich gerade die «no names» aus dem Niederamt mit den «Undercover Beachers», einem Team aus lauter Volleyballaktivistinnen des TV Schönenwerd. Zu ihnen gehört Julia Bühler. «Im Vordergrund steht der Spass», sagt sie. Ganz in Übereinstimmung mit dem Turnierreglement, das da verheisst: «Netzfehler sind Fehler! ...und die Grundregel: Spiel und Fun, dann Punkt und Sieg.» Die Frage, obs im Sport überhaupt Spass gebe, quittiert sie mit einem Lächeln. Die Antwort: «Sicher doch.» Dann wendet sie sich wieder der Dreifaltigkeit des Volleyballs zu: Pritschen, Baggern, Schlagen – und in der Ohrmuschel das vermeintliche Wellenrauschen von der Wasserkante.

Und sonst? Ja klar, Einheimische sind auch mit von der Partie. Die Rede ist von Oltnern. Reto Derungs jedenfalls ist auch dabei. «Meine Frau spielt mit beim TVO», sagt er heiter, um scherzhaft hinterher zu schieben: «Alles verloren bis jetzt.»

Von Weitem dröhnt wieder mal der Applaus aus dem Center Court in den Broadway, untermalt von mantrahaften Happynessrhythmen. An der Beachers Bar will sich währenddessen einer zwei Rivella holen. «Haben wir leider nicht», sagt die Stimme jenseits der Theke. «Wie wärs mit Flauder?» «Ach Gott, dann nehm ich halt Flauder», säuselt der Käufer in der Gewissheit, dass zur grossen Glückseligkeit lediglich Rivella fehlt.

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