Olten

Die Arbeit hat sich gelohnt: Es ist Erntezeit im Schrebergarten

Das schöne Wetter zum Sommerende kommt den Hobbygärtnern und ihren Zucchetti, Bohnen und Rüebli entgegen. Fleissig wird geerntet im Schrebergarten Gheid.

Der Schrebergarten ist ein grünes Refugium für alle, die sich nach getaner Arbeit mit Gartenarbeit entspannen. Hier ist die Welt noch in Ordnung: Auf strikt eingeteilten Parzellen säen und ernten verschiedene Nationalitäten Seite an Seite.

Werner Aeschlimann hat seinen Platz auf dem Schrebergarten Gheid schon seit fast 40 Jahren, zwischen Holzhäuschen und Bohnenstauden hat er hier auf zwei Aren sein persönliches Eden erschaffen. Der 83-Jährige ist jeden Tag im Schrebergarten. «Ich kann es einfach nicht sein lassen», sagt er.

Das Thermometer zeigt 27 Grad, die Windräder sind still, doch der Sommer schleicht sich langsam davon. Erntezeit im Schrebergarten. «Die Kartoffeln sind schon weg», sagt er und zeigt auf ein braunes Stück Erde. Sein Blick schweift über die restlichen Beete, die Kartoffeln waren erst der Anfang.

«Es gibt noch Rosenkohl, Bohnen, Tomaten.» Und vieles mehr, nur das Unkraut wütet im Garten leidenschaftlicher als Aeschlimann. «Ich produziere mehr Gemüse, als ich und meine Frau essen können», sagt er. Sehr zur Freude von seinen Kindern und Freunden.

Pot-au-feu zum Erntedankfest

Ein Freund schaut eben gerade im Schrebergarten vorbei, um sich die versprochenen Tomaten abzuholen. Jean-Robert Décaillet und Werner Aeschlimann kennen sich von der Arbeit und sind gute Freunde geworden.

«Ich mache jeden Herbst ein Erntedankfest», erzählt Aeschlimann. Bald ist es wieder so weit. Dann lädt der ehemalige Heizungsmonteur über 15 Männer ein für ein Pot-au-feu. Das Gemüse stammt selbstverständlich aus dem Schrebergarten. «Sellerie, Rüebli, Lauch, Wirz, Maggikraut, also Liebfrauenstöckel», zählt Aeschlimann auf.

Dazu 9 Kilogramm Siedfleisch. Aeschlimann packt die Pelatitomaten für seinen Freund in eine Plastiktüte. Doch dieser ist nicht nur des Gemüses wegen gekommen. Aeschlimann nimmt auf seinem roten Bänkli mit Blick auf den Garten Platz, Décaillet nebenan. Genüsslich ziehen sie an ihren Zigaretten und stossen mit einem Bier an. «Was hat der FC Olten gestern gemacht?», fragt Aeschlimann.

Am Montagmorgen ist nicht viel los im Gheid. Die Gärten warten perfekt aufgeräumt auf die Rückkehr ihrer gschaffigen Besitzer. Ein dicker orangefarbener Kürbis kündigt die neue Jahreszeit an. Francesco Gagliardi macht sich mit einer Schere an den Reben zu schaffen. Er ist nicht recht zufrieden mit diesem Sommer.

«Es war zu kalt», sagt er und zeigt auf die noch grünen Tomaten. Gagliardi mag es heiss. Der Schrebergarten gehört seinem Schwager, doch die ganze Familie hilft mit. Oder trifft sich abends zum Grillieren am Cheminée. Im Häuschen liegen Kartoffeln auf dem Boden. Auch diese Ernte hätte besser sein können.

«Das nasse Wetter im Frühling war nicht gut für die Kartoffeln», sagt er. Doch die Arbeit im Schrebergarten macht dem Pensionär Spass. «Am Morgen gehe ich auf einen Kaffee in die Stadt und dann komme ich hierher», sagt er zufrieden.

Ein paar Plätze weiter liest Margrit Villiger Bohnen von den Stauden. Es ist das letzte Mal. «Ich gebe den Schrebergarten auf, es ist mir zu viel Arbeit», sagt die 88-Jährige. Ihrer Stimme ist anzuhören, dass sie diesen Entscheid bedauert. Die Parzelle ist ihr dritter Schrebergarten, die zwei vorherigen hat sie mit ihrem verstorbenen Mann bepflanzt.

Auf zwei Aren wachsen hier verschiedenste Sorten Gemüse und Blumen. Die Herbstanemonen blühen prächtig. Margrit Villiger wird die Bohnen zu Hause rüsten und einfrieren. So hat sie auch in einer anderen Jahreszeit noch etwas aus ihrem Schrebergarten.

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