Gunzgen
Die Allmend will ans Busnetz

Bevölkerung im Weiler fühlt sich isoliert – Budget passiert ohne Gegenstimme.

Urs Huber
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«Wer mit dem Bus reisen will, muss erst zu Fuss nach Boningen marschieren oder aber den Weg ins Dorf Gunzgen zurücklegen» (Archivbild)

«Wer mit dem Bus reisen will, muss erst zu Fuss nach Boningen marschieren oder aber den Weg ins Dorf Gunzgen zurücklegen» (Archivbild)

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Nach einer knappen Dreiviertelstunde waren Gunzgens Budget 2017 und Kreditanträge von 40 anwesenden Stimmberechtigten wortlos verabschiedet, Reglementsänderungen genehmigt und die Feststellung, wonach Gunzgen finanziell gut positioniert sei, durch Zahlen und Fakten zementiert.

Seit 2004 weist die Gemeinde ununterbrochen ein Pro-Kopf-Vermögen aus, welches derzeit auf einer Höhe von gut 2000 Franken verharrt. Gemeindeverwalter Marco von Arx brachte es in seiner ersten Budgetgemeindeversammlung zusammen mit Gemeindepräsident Hansruedi Krähenbühl auf den Punkt: Die Gemeinde stehe finanziell auf einem soliden Fundament.

Zwar sind keine Luftsprünge möglich, aber die Gemeinde steht so gefestigt da, dass sie zwar mit Beiträgen aus dem Finanzausgleich rechnet, aber doch mit geringeren als noch fürs laufende Jahr budgetiert wurden. Marco von Arx jedenfalls erhielt für seine Budgetpräsentation am Schluss Applaus, so als wähnte man sich unter den Anwesenden in einem Kleintheater.

Gut positioniert ist die Gemeinde auch bei den Spezialfinanzierungen. Sowohl Abwasser (Kapital: 822 000 Franken) wie Gemeinschaftsantenne (580 000 Franken und Abfallbeseitigung (89 000 Franken). Den kleinen Aufwandüberschuss (44 000 Franken) bei gleichbleibender Steuerbelastung (108 Prozent) nimmt man in Gunzgen in Kauf.

Ein Bus für Allmendbewohner

Unter «Verschiedenes», dem meistens attraktivsten Traktandum, meldete sich Anton Aerni von der Gunzger Allmend zu Wort. Er forderte eine Anbindung des Weilers ans öffentliche Busnetz. Ein scheinbar lang gehegter Wunsch wurde so offenbar. «Wer mit dem Bus reisen will, muss erst zu Fuss nach Boningen marschieren oder aber den Weg ins Dorf Gunzgen zurücklegen», so Aerni.

Hansruedi Krähenbühl versprach, das Anliegen im Rat zu besprechen. «Es ist natürlich immer die Frage: Wer zahlt?», so der Gemeindepräsident. Derzeit stünden die Zeichen bei den zuständigen Stellen im Kanton eher auf Sparen. Der Weg zu einer Anbindung der Allmend ans Busnetz dürfte nach allgemeinem Kenntnisstand also ein eher langer werden.

Tote Kaninchen

Mehr ans Herz ging der Umstand, dass in den letzten Wochen vermehrt Abfallsäcke auf Gemeindegebiet deponiert würden. «Darin befindet sich kein Abfall, sondern tote Kaninchen», gab Krähenbühl bekannt. Er riet den Anwesenden zu vermehrter Aufmerksamkeit, denn solches Gebaren sei verabscheuungswürdig.

Entsprechende Meldungen würde der Rat entgegennehmen und von einer Anzeige gegen die Täterschaft nicht zurückschrecken. Die geäusserte Idee, einfach die fragliche Strasse zu sperren, wurde nicht als taugliches Mittel zur Verhütung solcher Taten anerkannt. «Mir wäre lieber, solches würde sich gar nicht zutragen», so Krähenbühl.

Das wars dann an Gruseligem. Mit dem Aufruf, den einheimischen Roland Fürst bei den kommenden Regierungsratswahlen im März zu unterstützen, prosteten sich Gunzgerinnen und Gunzger so quasi auf das alte Jahr zu. Auf die Zukunft anstossen will man dann beim Neujahrsapéro am 2. Januar.