Olten

Die Ära Salsi in der «Felsenburg» geht zu Ende

Patrick Lüthy

Patrick Lüthy

Adriano Salsi hat das Restaurant Felsenburg in Olten verkauft – Ende Februar wird zum letzten Mal aufgetischt.

Salsi: Ein Name, der für viele Oltner keiner Erklärung bedarf – ist er in ihren Köpfen doch untrennbar mit der «Felsenburg» verbunden. Jenem Restaurant, von dem es heisst, es sei das Beste der Stadt. Und wo, glaubt man den Eingeweihten, «diese unglaubliche Sauce» serviert wird, von der man ausserdem gehört hat, dass es noch keinem gelungen ist, sie nachzukochen.

Nun steht der Abschied bevor. Adriano Salsi, der das Lokal 1973 übernahm, hat die «Felsenburg» verkauft. Ende Februar geht dort die Ära Salsi zu Ende. Der bald 84-Jährige, der die Geschicke des Restaurants mit gehobener italienisch-französischer Küche schon 1998 in die Hände seines Sohnes Sergio legte, tut sich schwer damit: «Die Felsenburg ist mein Leben», sagt er mit Tränen in den Augen. Seit er vor kurzem aus der Wohnung über der «Felsenburg» ausgezogen ist, wohnt er im Haus gleich gegenüber. Er möchte nicht dabei sein, wenn sein Lebenswerk Ende Monat den Besitzer wechselt. Er fahre dann ein paar Tage weg, sagt er.

Das legendäre Entrecôte Scheck

Wer die «Felsenburg» übernehmen wird und wo Sohn Sergio seine beruflichen Zelte aufschlagen wird, möchte er nicht preisgeben. Lieber teilt er Erinnerungen. «Ich bin stolz, dass ich in den 60ern Schweizer geworden bin», sagt Salsi gleich vorweg, und schiebt nach: «Und ich bin gerne Oltner.» Als er 1973 die «Felsenburg» kaufte, habe er von der Bank ein Darlehen über 1,2 Millionen Franken erhalten. Und das, obschon er selbst nur 20 000 Franken einschiessen konnte. Olten habe ihm alles gegeben, erklärt er, und erneut muss er die Tränen zurückhalten.

Adriano Salsi wirkt etwas angeschlagen. Seine Frau Aurora ist vor drei Wochen verstorben. «In 65 Ehejahren hatten wir nie Streit», sagt er wehmütig. Er lernte seine Frau in Basel kennen, wohin es ihn 1952 als Einwanderer aus der italienischen Provinz Reggio Emilia verschlug. Im Stadtcasino putzte der diplomierte Elektromechaniker Toiletten; später organisierte er die Bankette. Nach vier Jahren in Basel zog er am 15. April 1956 weiter nach Olten.

Hier heirateten er und seine Frau in Zivil. «Meine Frau war sehr religiös», erzählt er. Zum fünfzigsten Hochzeitstag wollte er ihr eigentlich einen Diamantring schenken – sie jedoch bat ihn, sie stattdessen kirchlich zu heiraten. Obschon er von sich sagt, er glaube nicht an Gott, tat er ihr den Gefallen gerne.

Bevor Salsi die damalige Spelunke «Felsenburg» übernahm, fungierte er als Portier, Geschäftsführer und Wirt im Hotel Terminus. Sein Entrecôte Scheck, dessen legendäre Sauce sogar patentiert ist, benannte er nach Walter Scheck, dem ehemaligen Terminus-Inhaber. «Von ihm habe ich sehr viel über Gastronomie gelernt», sagt Salsi. Als sein Küchenchef nach 10 Jahren in der «Felsenburg» aufhörte, wechselte Salsi selbst in die Küche. Seine Frau, «eine begnadete Hausfrau», stand ihm mit praktischen Tipps zur Seite.

Auf den letzten Platz ausgebucht

«Ich bin der Meinung, dass ein Mensch alles machen kann – er muss nur wollen», sagt der ungelernte Koch, der alle seine Rezepte selbst entwickelte. So kam es, dass er jährlich 5000 seiner viel besungenen Entrecôtes Scheck verkaufte. Das Geheimnis seiner Pasta: die vier Sorten Mehl, aus denen sie hergestellt wird. Und die Zubereitung seines pochierten Lachses sei lediglich angewandte Physik ...

«Das war die schönste Zeit meines Lebens», meint er rückblickend. 18 Stunden habe er täglich in der «Felsenburg» gestanden, habe morgens um vier Uhr noch Lasagne und Cannelloni zubereitet. Wenn ihm im vollen Restaurant die Leute applaudierten, dann habe ihn das stark gemacht, sagt Salsi, der auch für seinen Weinkeller bekannt war. In den besten Jahren habe er bis zu 1,8 Millionen Franken Umsatz gemacht.

Im Geschäft ist Adriano Salsi zwar schon seit Jahren nicht mehr tätig. Von seinem Sohn weiss er aber, dass bis zur Schliessung Ende Februar jeder einzelne Platz ausgebucht sei. Und auch die Speisekarten sind alle reserviert. Stammgäste möchten sie als Andenken behalten.

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