Soll man es disziplinierte Leidenschaft nennen? Oder gar Traditionsbewusstsein? Alte Liebe zur Region? Oder ists womöglich das Triptychon dieser Attribute? Die Rede ist von jenen Eigenschaften, welche den Machern der Oltner Neujahrsblätter eigen sein muss. Denn die neuste Ausgabe ist bereits die Sechsundsiebzigste. Am Montagabend wurde das Werk, welches Heimweholtner wie Nichtoltner beim Lesen zu wahrhaftigen Oltnern werden lässt, unter der Ägide Peter André Blochs vorgestellt. In diesen Tagen folgt auch der Versand.

Ein geringes Defizit

Wie immer finden bei der Präsentation auch ein paar Zahlen aus der vergangenen Saison Eingang. Fazit: Die Zeichen stehen grundsätzlich gut; lediglich knapp 1000 Franken betrug das Defizit aus dem letzten Jahr: «Ohne die Kosten der Digitalisierung aller zurückliegenden Ausgaben wären wir sogar im Plus», so ein tröstender Bloch. Wenns rhetorischen Trost gibt, dann muss der Mann darum wissen.

Denn wer mit einem Budget von rund 85'000 Franken fährt und haarscharf an einer ausgeglichenen Rechnung vorbeischrammt, braucht keinen Trost. Der weiss: Das Projekt Neujahrsblätter ist gut aufgehoben und in arrivierten Kreisen verankert. Rund 700 auswärtige Abonnenten sprechen eine deutliche Sprache, die Liste der Gönnerinnen und Gönnern ist lang. Wer 100 Franken und mehr zahlt, ist darin aufgeführt.

Gut Holz! – Viel Holz!

Es gibt unter den aktuell knapp 50 Beiträgen des Jahrgangs 2018 solche, die aus einem nicht allzu ferngelegenen Alltag Geschichte erzählen. Geschichte, die zumindest im Bewusstsein jener hängen blieb, die frühestens in ihrem zweiten Lebensdrittel vom Bowling erfahren haben. Genau: Es geht ums Kegeln, einer mittlerweile etwas aus der Mode gekommenen Freizeitbeschäftigung.

Max Affolter als neues Redaktionsmitglied hat sich dieser Geschichte unter der Prämisse «Viel Holz!» angenommen. Denn auch Olten blieb im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vom Kegelboom nicht verschont. Selbst die Kapuziner gaben sich dem Spielchen hin. «Zu Füssen der Linde, entlang der Aare, massen die Patres hin und wieder ein Stündchen lang ihre Kräfte.

Nicht selten geschah es, dass sich auch Herren und Bürger von Olten am Vergnügen beteiligten», schreibt Affolter und verweist dann auf die letzte deutsche Kegelbahn (Laufbahn aus Asphalt oder Kunststoff), die sich auf Stadtgebiet findet: jene im Restaurant zur Alten Mühle nämlich.

100 Jahre Generalstreik

Logisch, dass auch der 100 Jahre zurückliegende Generalstreik beziehungsweise das Ende des Ersten Weltkriegs in der neuen Ausgabe Niederschlag finden: Mit Christoph Rast (Olten im November 1918), Marc Hofer/Verena Schmid Bagdasarjanz (Casimir von Arx im Generalstreik 1918), Peter Heim (Wir sind keine Revolutionäre, aber...; Die Motorwagenfabrik Berna und der grosse Krieg) publizieren gleich vier Autoren zu besagtem Zeitabschnitt. Dass der Jodlerclub Olten ebenfalls vor 100 Jahren gegründet wurde, mag Zufall sein, aber verdeutlicht einmal mehr: Bei allem gesellschaftlichen Unbill; irgendwo geht immer ein Lichtlein auf, und wenns in der Nähe ist.

Firmen- und Künstlerporträts, die zurückliegenden Kunst- und Kulturpreise der Stadt, Sport und Spiel, Wetterphänomene, die christkatholische Kirche und die Entstehung der Oltner Kirchgemeinden: Diese und andere Themen kommen ebenfalls vor. Olten rückt damit in vertrauter Manier wieder näher.