Kappel
Deutsche zeigen Eritreer die Schweiz – Projekt der Caritas hilft Flüchtlinge beim integrieren

Lisa und Patrick Steffen aus Kappel helfen Fitsum Semere bei der Integration in seiner neuen Heimat. Die beiden wirken als Co-Piloten beim Projekt von der Caritas mit.

Sarah Kunz
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In Lisa und Patrick Steffen hat der Eritreer Fitsum Semere nicht nur zwei Ansprechpersonen in Integrationsfragen, sondern auch neue Freunde gefunden.

In Lisa und Patrick Steffen hat der Eritreer Fitsum Semere nicht nur zwei Ansprechpersonen in Integrationsfragen, sondern auch neue Freunde gefunden.

Sarah Kunz

«Es ist ja schon irgendwie ironisch, dass wir selbst erst seit vier Jahren in der Schweiz wohnen und jetzt Fitsum bei seiner Integration hier helfen», meint Lisa Steffen lachend. «Aber die Schweizer und die deutsche Kultur sind sich ja sehr ähnlich.» Lisa und Patrick Steffen sind nämlich Deutsche und wirken als sogenannte Co-Piloten bei dem Projekt von Caritas mit (siehe Box). Sie unterstützen den Eritreer Fitsum Semere, der seit drei Jahren in der Schweiz wohnt und sich hier integrieren möchte.

Co-Piloten-Projekt

Aufgrund der grossen Flüchtlingswelle meldeten sich viele Freiwilligen beim Kanton, weil sie sich für die Flüchtlinge engagieren wollten. Der Kanton beauftragte daraufhin Caritas Solothurn, ein Freiwilligenprojekt zu entwickeln. So entstanden die sogenannten Co-Piloten. Engagierte Freiwillige begleiten Menschen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich bei ihrer Integration. Denn hier ist für sie vieles anders: die Sprache, die Umgangsformen, das Schulsystem, die Freizeitmöglichkeiten.

Für Menschen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich ist es eine grosse Herausforderung, sich in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden. Deshalb unterstützen Co-Piloten «ihren» Piloten hinsichtlich der Alltagsbewältigung und ermöglichen ihm Kontakte zur lokalen Bevölkerung.

Ziel des Projekts ist, dass Flüchtlinge den Mut gewinnen, ihre Ressourcen im Alltag einzusetzen und befähigt sind, ihren eigenen Beitrag zu leisten. Mögliche Themenbereiche liegen beispielsweise bei der Familie, bei der Arbeits- und Wohnungssuche oder bei der Festigung der Sprache. Im August 2016 wurden die ersten Freiwilligen als Gruppe eingeführt.

Die Begleitung erfolgt während eines Jahres, in dem sich die Co-Piloten und Piloten mindestens zwei Mal im Monat treffen. «Es ist ihnen überlassen, was sie während dieser Zeit unternehmen», sagt Projektleiterin Annette Lüthi. «Der ständige Austausch steht im Vordergrund.» Die Freiwilligen erhalten von Caritas Unterstützung in Form einer Einführung, unterstützender Weiterbildung und Erfahrungsaustausch mit anderen Freiwilligen. «Momentan gibt es 80 solcher Tandems», so Lüthi.

Die Rückmeldungen fallen sehr positiv aus, nur vier Tandems hätten abgebrochen werden müssen, von denen aber zwei bereits wieder hätten vermittelt werden können. «Beide Parteien sind begeistert, viele halten den Kontakt auch nach Ablauf dieses einen Jahres.» Denn schliesslich entstehen nicht nur Kontakte, sondern auch Freundschaften. Am Dienstag, 20. November, findet im Cultibo Olten um 19 Uhr eine Informationsveranstaltung für interessierte Freiwillige statt. (SKU)

Kultur direkt kennenlernen

Weihnachten 2017 sei dafür ausschlaggebend gewesen. «Wir waren bei meiner Mutter in Deutschland, die Flüchtlingen Deutschunterricht gibt», erzählt Lisa Steffen. Bei den Gesprächen am Tisch sei schnell klar geworden, dass es den Flüchtlingen guttue, auch einmal über andere Themen als immer nur den Unterricht oder die Arbeit zu sprechen.

«Wir haben uns über die Freizeit unterhalten, über ihre Kultur und die Unterschiede derer zu unserer», sagt Patrick Steffen. «Junge Menschen haben einen ganz anderen Bezug zu diesen Themen als die ältere Generation.» Die beiden 27-Jährigen haben sich daraufhin darüber informiert, wie man sich auch in der Schweiz für Flüchtlinge engagieren kann. Schliesslich seien sie hier auch sehr grosszügig aufgenommen worden.

So sind sie auf das Projekt von Caritas gestossen und haben sich im Mai zum ersten Mal mit Fitsum Semere getroffen. Der 26-jährige Eritreer nickt zustimmend und fügt an: «Für mich war es wichtig, die Kultur in meiner neuen Heimat kennenzulernen.» Ein bestimmendes Kriterium sei für die Kappeler auch das Gebiet gewesen: «Ich habe geholfen, das Fitnesscenter Basefit in Olten aufzubauen, Lisa ist Physiotherapeutin», erzählt Patrick Steffen. «Wir sind also viel beschäftigt und da Fitsum auch in Olten wohnt, ist es einfacher, sich zu treffen.»

Nach Bedürfnissen richten

Seit Mai treffen sich die drei also regelmässig, ob zum Essen, zum Schwimmen oder einfach zum Plaudern. «Fitsum hat uns auch schon einen Brief mitgebracht, den er nicht verstanden hat. Bei dem haben wir ihm dann geholfen», so Lisa Steffen.

«Die kulturellen Unterschiede sind sehr stark und omnipräsent. Da ist es gut, wenn man jemanden zur Seite hat, den man bei Fragen ansprechen kann.» Die Beziehung ist aber nicht nur rein «beruflich». Mittlerweile sind die drei gut befreundet. «Wir werden uns sicher auch in Zukunft treffen», ist Patrick Steffen überzeugt.

Semere arbeitet seit Anfang August bei der Planzer Transport AG in Härkingen, besucht regelmässig Sprachkurse, fährt ab und an zu seinem Bruder in Zürich. «Im Sommer haben wir uns etwas weniger getroffen», sagt Patrick Steffen. «Das lag auch daran, dass wir noch in den Ferien waren. Im Winter werden die Treffen sicher wieder häufiger.»

Diese richten sich auch nach dem Bedürfnis. Mal finden sie mehrmals, mal nur ein bis zwei Mal im Monat statt. Semere hat dank der beiden Kappeler schon vieles gelernt. Lisa Steffen stupst ihren neuen Freund freundschaftlich an. «In der Zwischenzeit bist du im Dart-Spielen schon fast besser als Patrick.»