Als gut erreichbarer, zentraler Standort für Firmen aus dem Dienstleistungsbereich ist Olten schon länger bekannt. Die SBB oder Swisscom haben in letzter Zeit ihren Standort am Verkehrsknotenpunkt der Schweiz stark ausgebaut und neue Arbeitsplätze geschaffen. Geht es nach dem Willen des umtriebigen Wirtschaftsförderers Urs Blaser, soll die Stadt ein bedeutendes Standbein für eine weitere Branche werden. «Schon seit längerem sind wir daran, Biotechnologiekompetenz in der Region Olten zu versammeln und zu stärken.»

Ein wichtiger Schritt findet bald statt. Im dritten Quartal dieses Jahres wird das stark wachsende Medizinaltechnikunternehmen Sensile Medical mit derzeit
94 Angestellten ins ehemalige Usego-Areal ziehen, bei dessen Ansiedlung auch Blaser die Finger im Spiel hatte (wir berichteten). Rund um diesen Zuzüger aus Hägendorf sollen sich weitere Firmen ansiedeln, die den Standort Olten in Sachen Biotechnologie und Diagnostik voranbringen. Firmen, die also jenen Forschungszweig der Natur- und Ingenieurwissenschaften beackern, der sich mit den Strukturen und dem Verhalten lebender Organismen beschäftigt.

Korrekturen am Projekt gemacht

Bereits vor drei Jahren startete die Wirtschaftsförderung mit dem Bestreben, einen Innovationspark für Biotechnologie in Olten aufzubauen (wir berichteten). Dazu wurden das Projekt und der Förderverein Swissbiolabs ins Leben gerufen, was auch von der kantonalen Wirtschaftsförderung getragen wird. Als Kompetenzpartner des Projekts trat bereits damals mit der Microstech AG eine Biotechnologie-Firma auf.

Ziel war es, bis 2017 im Gebäude an der Solothurnerstrasse 259 auf dem einstigen Stirnimann-Areal zehn bis zwölf Firmen anzusiedeln. «Das Projekt hat nicht eingeschlagen wie gewünscht», sagt Wirtschaftsförderer Blaser. «Die Idee eines Innovationsparks ist nach wie vor unser Ziel. Wir haben es so bisher allerdings nicht erreicht.» Man habe zu stark auf die Dienstleistung wie Infrastruktur, Beratung oder Experten-Netzwerk fokussiert und dabei die Stärkung der Kompetenz zu wenig im Auge gehabt. «Das haben wir erkannt und setzen nun die Schwerpunkte anders», ergänzt er.

Eine der Korrekturen ist der Swiss Diagnostics Start-up Day, der am 29. Juni an der Oltner Fachhochschule stattfindet. Die Veranstaltung ist der Marketinganlass, um das Thema Life Science einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Neben Branchenführer Roche sind namhafte Firmen wie Omya aus Oftringen sowie weitere Start-ups mit von der Partie. Der Netzwerk-Anlass mit dem etwas umständlichen Namen soll «Start-ups den Zugang zu potenziellen Partnern geben und bestehende Unternehmen sowie Institutionen zu neuen Ideen inspirieren», erklärt Blaser.

Der Name Swissbiolabs taucht dabei erneut auf. Der Förderverein ist nicht nur Organisator des Netzwerk-Anlasses, sondern auch Namensgeber des neuen Preises Swissbiolabs Award, der mit 5000 Franken dotiert ist und den Jungunternehmern im Start-up-Abenteuer finanziell unter die Arme greifen soll. Auch die Microstech AG, jene Firma also, die vor drei Jahren als Kompetenzpartner von Swissbiolabs auftrat und in Olten mittlerweile 12 Leute beschäftigt, ist an dem Anlass vertreten. Der Gründer Patrick Schwarzentruber wird den Gästen die Erfolgsgeschichte seiner Firma vorstellen und mitteilen, worauf es für Start-ups ankommt. Für den Swiss Diagnostics Start-up Day ist die Partnerschaft mit BaselArea.swiss, der Wirtschaftsförderung der drei Kantone Basel-Stadt, Baselland und Jura neu. Damit erhofft sich die Oltner Wirtschaftsförderung einen Zugang zu einem überregionalen Netzwerk, der auch in Olten zur Ansiedlung von grösseren Firmen führen soll.

Bahnhof Olten neu denken

Für den Wirtschaftsförderer Urs Blaser hat Olten sein Potenzial nämlich noch längst nicht ausgeschöpft. So nennt er einige Vorteile neben dem allseits bekannten zentralen Standort mit einem Einzugsgebiet von 1,5 Millionen Arbeitskräften: Es sei günstiger Büroraum vorhanden, bei dem die Firmen schnell operativ tätig werden können, sagt Blaser. «Wir müssen die Geschäftsleitungen überzeugen, dass ihre Unternehmen oder deren Ableger nicht immer nur vom Ballungsraum Zürich oder Basel aus operativ tätig sein müssen.»

In den Augen Blasers auch der Oltner Bahnhof und der Bahnhofplatz, der in den nächsten Jahren neu konzipiert wird. Hätte der Wirtschaftsförderer nämlich einen Wunsch frei, müsste man den vielleicht bekanntesten Umsteigebahnhof der Schweiz «in grossen Dimensionen denken». «Der Bahnhof ist die Visitenkarte von Olten». Man müsse Bahnhof und Bahnhofplatz nicht nur in seiner Funktion als Verkehrsumschlagplatz betrachten, sondern die emotionale Wahrnehmung genauso stark gewichten. «Als Bewohner und als Pendler fühlt man sich einfach nur wohl, hier anzukommen, zu verweilen oder nach einem Zwischenstopp weiterzureisen, wenn Grosszügigkeit und Vielfältigkeit in hoher räumlicher Qualität unseren Bahnhof der Zukunft auszeichnen», beschreibt Blaser seine Vision.