Wangen bei Olten
Der Zerfall als Chance: Neuer Werkhof soll an zentraler Lage entstehen

Das Werkhofgebäude des Kreisbauamtes II in Härkingen wird nicht saniert. Stattdessen soll ab August 2019 in Wangen bei Olten ein neuer Werkhof in Betrieb genommen werden.

Yann Schlegel
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 Die Tage des Kreisbauamt-Standortes in Härkingen sind wohl bald gezählt.
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 Blick nach Westen: Der geplante Werkhof zwischen Dünnern und ERO im Modell.
Kreisbauamt Wangen
 2019 soll ein neuer Werkhof den jetzigen ablösen.
 Für den Bau des neuen Werkhofs muss das Kantonsparlament einen Kredit von 7,8 Millionen Franken sprechen.
 Der 1973 errichtete Werkhof befindet sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand.
 Im Zuge der Entlastungsstrasse Region Olten (ERO) erwarb der Kanton in Wangen Land für einen neuen Werkhof.
 Seit 2014 stehen bereits zwei Salzsilos auf dem Areal. Falls der Kredit gesprochen wird, will der Kanton auf diesem Gelände den Werkhofbetrieb und das Kreisbauamt zusammenführen.

Die Tage des Kreisbauamt-Standortes in Härkingen sind wohl bald gezählt.

Bruno Kissling

Der Kanton hatte es von langer Hand geplant, nun nimmt das Projekt endgültig formen an: Im August 2019 möchte das Kreisbauamt II in Wangen bei Olten einen Werkhof-Neubau in Betrieb nehmen. Er soll den momentan bestehenden Standort Härkingen ablösen.

Den entsprechenden Bericht und Antrag veröffentlichte der Regierungsrat Ende Oktober. Spätestens Anfang Jahr soll das Kantonsparlament das Geschäft behandeln und einen Verpflichtungskredit von 7,8 Millionen Franken sprechen.

Bereits vor über einer Dekade stellte die Finanzkontrolle am Kreisbauamt-Gebäude in Härkingen gravierende Mängel fest. «Die derzeit zur Verfügung stehende Infrastruktur ist seit vielen Jahren sehr baufällig», bestätigt Kantonsingenieur Peter Heiniger auf Anfrage dieser Zeitung. Die Sanierung des 1973 errichteten Werkhofgebäudes lehnt der Kanton aus wirtschaftlichen Überlegungen ab.

Eine grundlegende und nachhaltige Behebung der Mängel sei nicht möglich. Zu schaffen machte dem Kreisbauamt II zusehends der Platzmangel. Als Notlösung stellte es auf dem Areal temporäre Container und Zelte auf. Problematisch wirkt sich zudem aus, dass die Wohnzone stetig näher an den Werkhof Härkingen heranrückt. Lärmimmissionen erschwerten die Situation daher zusätzlich.

Zwei Silos stehen schon da

Verkehrsinfrastruktur

Zur Funktion der Kreisbauämter

Der Kanton Solothurn besitzt ein Kantonsstrassennetz, das rund 610 Kilometer lang ist. Dieses unterhalten drei über den Kanton hinweg verteilte Kreisbauämter, die dem Amt für Verkehr und Tiefbau unterstellt sind.

Die Werkhöfe und Stützpunkte der Kreisbauämter dienen als infrastrukturelle Basis für den Strassenunterhalt. Das Kreisbauamt II in Härkingen beschäftigt derzeit 30 Mitarbeitende.

Im Wissen um die zunehmend unbefriedigenden Bedingungen in Härkingen agierte der Kanton vorausschauend. «Bereits im Zuge der Entlastungsstrasse Region Olten ERO erwarb der Kanton in Wangen Land für einen neuen Werkhof», sagt Heiniger. Die Parzelle liegt zwischen der Oberen Dünnernstrasse und der Entlastungsstrasse West, unimittelbar an der SBB-Linie.

Auf ihr findet das Kreisbauamt II in zwei Jahren ideale Voraussetzungen vor. Als besonders vorzüglich betont der Kanton die verkehrstechnische Lage des neuen Standorts. Da Wangen zentral zwischen den Regionen Thal, Gäu, Olten und Gösgen liegt, stellt dies einen grossen Pluspunkt dar.

Bereits 2014 installierte das Kreisbauamt auf dem Areal zwei Salzsilos. Ermöglicht der Kantonsrat die Umsiedlung des Kreisbauamtes mit einem Verpflichtungskredit von 7,8 Millionen Franken, kommt neben den Silos ein zweigeschossiges Gebäude zu stehen.

Den Freiraum unterhalb und nördlich des ERO-Viadukts, würde das Kreisbauamt für Lagerflächen, Umschlagplätze und Materialboxen (Steine, Holz, Splitt, Kies etc.) nutzen. Am Standort Wangen möchte der Kanton Leitung, Administration und den gesamten Werkhofbetrieb zusammenführen.

Dadurch würde im Amthaus Olten Bürofläche für rund fünf Arbeitsplätze frei. Peter Heiniger sieht zudem einen Mehrwert für den Betrieb: «Wenn Kreisbauamt und Werkhof sich unter demselben Dach befinden, können Synergien genutzt werden.»

Photovoltaik und Wärmepumpe

Der geplante Neubau würde über den Strassenfonds finanziert und entspräche den neusten Standards: Neben einer grossen Einstellhalle bietet er Platz für eine Werkstatt, Büroplätze, Garderoben und die Schlosserei. Eine mit Regenwasser betriebene Fahrzeugwaschanlage ist ebenfalls projektiert. Auf dem Flachdach ist eine Photovoltaikanlage mit einer Fläche von rund 700 Quadratmetern vorgesehen. Die Wärmeerzeugung erfolgt durch eine Wärmepumpe.

Durch diese und weitere bauliche Massnahmen soll das neue Werkhofgebäude dem Minergie-P-Eco-Standard entsprechen. Bei einem Abschreibungszeitraum von vierzig Jahren rechnet der Kanton mit einem jährlichen Nettoaufwand von 305'080 Franken.

Wie der Kanton die heutige Werkhofparzelle in Härkingen nach der Umsiedlung nutzen würde, ist nach wie vor unklar. Es ist davon auszugehen, dass der Kanton für das Grundstück keine Verwendung mehr findet.

Denkbar ist gemäss Heiniger, dass die Parzelle vermietet oder verkauft wird. Der Kanton will im Dialog mit der Gemeinde Härkingen eine ideale Lösung finden, welche auch die laufende Ortsplanungsrevision entsprechend berücksichtigt.