«Eingeschränkter Winterdienst»: So heisst es bei gewissen Gemeinden mittlerweile beim Ortseingang, wenn diese nicht mehr alle Strassen auf dem Gemeindegebiet schwarzräumen. In diesem milden Winter könnte man den Ausdruck aber auch ganz anders verstehen: Der Winterdienst ist «eingeschränkt», weil er bisher kaum nötig ist.

Ein Beispiel: In der Stadt Olten ist der Werkhof bisher kein einiges Mal ausgerückt. Das gibt den Mitarbeitern Zeit für andere Arbeiten wie Bäumeschneiden, die in den vergangenen Monaten teilweise liegengeblieben sind: «Es ist bisher ein harmloser Winter für uns», sagt der stellvertretende Werkhof-Chef Erich Leimgruber. Die eingelagerten 240 Tonnen Salz wurden diesen Sommer aber nicht vergebens gekauft. Im Silo gehe die Ware nicht kaputt, so Leimgruber.

Auch private Schneeräumungs-Dienste wie Hubi’s Hauswartungen und Reinigungen GmbH in Wangen konnten den Schneepflug bisher in einer Ecke stehen lassen: «Wir rücken erst ab einer Schneedecke von vier Zentimetern aus», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Dominic Huber. Und Hanspeter Lack von der gleichnamigen Garage in Gunzgen war für die Gemeinde gestern Morgen erstmals im Einsatz diesen Winter – obwohl er ohne ein Aufgebot des Werkhofmitarbeiters wegen der geringen Schneedecke nicht ausgerückt wäre.

Die Bauern als Schneeräumer

Etwas anders sieht es auf den Bauernhöfen oberhalb der Dörfer aus. Roman Nussbaumer vom Wuesthof auf 800 Metern in Hägendorf meldet knapp 15 Zentimeter Schnee. Am Mittwochmorgen musste er bereits zum dritten Mal in diesem Winter ausrücken. Mit seinem eigenen Traktor räumt er die Zufahrtsstrasse zu seinem Hof und drei weitere Quartiere unten im Dorf.

Das Schneepflügen bezeichnet der Bauer als «relativ anspruchsvoll»: Auf Passanten, Schachtdeckel, Zäune oder Autos ist Acht zu gegeben. Nussbaumer muss zudem für einen Stellvertreter besorgt sein, damit die Kühe gemolken werden. Vater und Lehrling springen dann jeweils ein. Auch Ferien liegen nur drin, wenn ein Stellvertreter für den Bereitschaftsdienst vorhanden ist, wie Mathias Anderegg aus Wangen erzählt. «Ohne Ersatzfahrer kann ich keine Ferien planen», sagt der Landwirt.

Die Einsätze sind zwar eine gewisse Belastung für die Bauern, sie bringen aber auch einen willkommenen Zustupf in die Kasse, der in diesem Winter zum Teil ausgeblieben ist. Landwirte, die für die Gemeinde die Schneeräumung übernehmen, erhalten eine Abgeltung für den Pikettdienst von pauschal bis zu 1000 Franken pro Winter.

Rücken sie aus, beträgt der Stundenansatz je nach Art des Fahrzeugs und Einsatzzeit zwischen 100 und 200 Franken. Damit lastet der Landwirt nicht nur den Traktor besser aus, sondern er kann auch den Schneepflug amortisieren, den er oft auf eigene Kosten erstanden hat. Um das Budget zusätzlich aufzubessern, können auch Private von den Räumungsarbeiten der Bauern profitieren. Nussbaumer: «Wir bieten ein Jahresabo für Parkplätze und Hauszufahrten an.»

Anderegg braucht für sein von der Gemeinde zugeteiltes Gebiet rund sechs Stunden, um alles freizuräumen. So kommt er in einem guten Winter schnell einmal auf 100 Stunden oder mehr. Für den Obstbauer in der kalten Jahreszeit eine schöne Abwechslung, weil es auf dem Hof weniger zu tun gibt. Jeder Winter bringt aber auch seine Unwägbarkeiten mit sich: «Ich war auch schon nur vier Stunden auf dem Traktor», sagt der junge Bauer. Solange ihm die Arbeit Spass mache, denke er aber nicht ans Aufhören. Schliesslich ging er schon als kleiner Junge mit, als sein Vater mit dem Schneepflug unterwegs war.