Olten
Der Wegzug droht: Pflegeheim Haus zur Heimat wird zum Politikum

Die Gefahr, dass mit dem Haus zur Heimat das einzige Altersheim auf der rechten Oltner Aareseite mit seinen 75 Pflegeplätzen wegzieht, ist gross. Nun wird die Politik aktiv.

Fabian Muster
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Das Haus zur Heimat ist das einzige Alters- und Pflegeheim auf der rechten Aareseite. Zumindest einen Teil der Pflegeplätze will die Politik dort erhalten.

Das Haus zur Heimat ist das einzige Alters- und Pflegeheim auf der rechten Aareseite. Zumindest einen Teil der Pflegeplätze will die Politik dort erhalten.

Bruno Kissling

Der Verein Haus zur Heimat sucht für seine 75 Pflegeplätze eine neue Bleibe. Ein Neubau in Rickenbach kommt nicht mehr infrage: Die Stimmbürger haben dem Ansinnen, dem Oltner Verein Gemeindeland im Baurecht abzugeben, eine Absage erteilt. Die Standortsuche beginnt nun wieder von vorne. In dieser Zeitung hat sich Heimleiter Marco Petruzzi bereits dahingehend geäussert, dass die Trennung zwischen Alterswohnungen mit Spitexleistungen sowie einem Pflegezentrum nicht am alten Standort realisiert werden kann. Die Gefahr besteht, dass 75 Pflegeplätze aus Olten wegziehen und damit die rechte Aareseite, wo zwei Drittel der Oltner Bevölkerung wohnt, ohne entsprechende Infrastruktur dasteht.

Nun regt sich Widerstand. Die Parteien machen sich für einen Verbleib der Pflegeplätze in Olten stark. SP-Gemeinderat Arnold Uebelhart hat kürzlich einen Vorstoss eingereicht, in welchem er fordert, dass die Institution einen Teil der Pflegeplätze am jetzigen Standort belässt. «Die Stadt soll doch die Sache nochmals mit dem Verein anschauen», sagt der Erstunterzeichner Uebelhart auf Anfrage. Auch die CVP hat sich diese Woche in einer Mitteilung zu Wort gemeldet und ermuntert den Verein dazu, «nochmals nach einer Oltner Lösung zu suchen – insbesondere nach dem bevorstehenden Wechsel in der Oltner Sozialdirektion».

Es gehe um den Erhalt von rund hundert Arbeitsplätzen und von Pflegeplätzen in Olten. Auf Anfrage sagt CVP-Co-Präsident Christoph Fink, dass die Partei vor den Kopf gestossen worden sei, als man die Pflegeplätze einfach nach Rickenbach zügeln wollte. «Die Stadt sollte doch Hand bieten für eine Lösung», findet Fink. Auch die FDP fände es schade, wenn die Pflegeplätze auf der rechten Aareseite nicht erhalten werden könnten. «Jedes Umziehen ist mühsam und tut den Leuten nicht gut», sagt Parteipräsidentin Monique Rudolf von Rohr.

Treffen zwischen Stadt und Verein

Tatsächlich tut sich nun was, wie diese Zeitung weiss. Heimleiter Marco Petruzzi und das Stadtpräsidiumsduo Martin Wey und Thomas Marbet haben sich vergangenen Montag erstmals zu einer halbstündigen Aussprache getroffen. Es ging grundsätzlich darum, wie sich die Stadt zum Haus zur Heimat stellt. Laut Vizestadtpräsident Marbet sei es auch der Stadt ein Anliegen, dass die Pflegeplätze in Olten erhalten werden. «Wir konnten dem Verein allerdings keine Brache für den Neubau zur Verfügung stellen, obwohl man über mögliche Standorte sinniert hat», sagt Marbet.

Petruzzi seinerseits wertet das Gespräch als sehr positiv, das auf seine Initiative zustande kam. Er ging nicht davon aus, dass ihm die Stadt gleich ein Grundstück in ähnlicher Grösse wie in Rickenbach – dort waren es rund 9000 m2 – bereitstellen könnte. Petruzzi will allerdings nicht ausschliessen, einen Teil der Pflegeplätze am bisherigen Standort zu bewahren. Um vernünftige Stellenpläne machen zu können, bräuchte es aber rund 25 Pflegeplätze, da es auch um optimale Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter in der Pflege gehe, so Petruzzi. Derzeit würden einzelne Standorte für einen Neubau geprüft.

Auch auf höherer Ebene soll etwas geschehen. Der neue Stadtrat hat in seiner Retraite Ende Juni entschieden, dass das Thema Alterspolitik eine höhere Priorität erhält und ins kommende Regierungsprogramm aufgenommen wird. Bisher gibts ein Altersleitbild, das auf einer A4-Seite Platz hat. Die neue Sozialdirektorin Marion Rauber, welche ab Anfang August im Amt ist, schwebt als Idee eine Politik vor, welche das Zusammenleben aller Generationen in den Fokus stellt. Zunächst soll es allerdings eine Analyse geben, welche Bedürfnisse die Stadt Olten überhaupt hat. Dazu will sie die verschiedenen Player an einen Tisch laden. Danach möchte Rauber die Alterspolitik ausrichten, welche mittelfristig umgesetzt und gelebt werden kann.

Die Haltung der Baudirektion

Der Verein Haus zur Heimat hat immer wieder moniert, dass ein Ausbau des bisherigen Gebäudes auf der rechten Aareseite an den Auflagen der Stadt gescheitert sei. Die Baudirektion wehrt sich allerdings gegen diese Unterstellung. Laut Direktionsleiter Adrian Balz hätte es ein «kooperatives Verfahren» gegeben, um eine Variante auszuarbeiten. Was der Verein wollte, nämlich die Trennung zwischen betreuten Alterswohnungen und einem Pflegezentrum, hätte beim bisherigen Standort gar kein Platz. «Auf den Ausbau des bisherigen Gebäudes zu verzichten, war ein unternehmerischer Entscheid des Vereins und ist nicht an der Stadt Olten gescheitert», stellt Balz klar. Auflagen vonseiten der Stadt habe es nämlich gar keine gegeben.