Olten
Der Verein Pro Kultur kritisiert den Stadtrat wegen «klammheimlicher Kürzungen» bei Kulturinstitutionen

Der Verein Pro Kultur Olten lässt kein gutes Haar an der Oltner Stadtregierung und kritisiert diese wegen «klammheimlicher Kürzungen» beim Theaterstudio und beim Verein Kino Lichtspiele. Der Stadtrat reagiert mit einer grundsätzlichem Stellungnahme.

Fabian Muster
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Das Theaterstudio soll 2021 weniger Geld erhalten. Im Bild Pedro Lenz (links) bei einem Auftritt mit Max Lässer.

Das Theaterstudio soll 2021 weniger Geld erhalten. Im Bild Pedro Lenz (links) bei einem Auftritt mit Max Lässer.

Remo Fröhlicher (13.12.2019

Die Beiträge der Stadt Olten an verschiedene Kulturinstitutionen sorgten vor zwei Wochen für heftige Diskussionen. Weil der Stadtrat zum Teil Beiträge im Vergleich zum Vorjahr kürzte und Korrekturen der ersten Lesung in der finalen Fassung des Budgetberichts gedruckt wurden, kam dies bei Betroffenen gar nicht gut an.

So sollte der Stadtmusik Olten nächstes Jahr noch 10'000 statt wie bisher 19'000 Franken ausbezahlt werden. Das Gemeindeparlament hat den Entscheid des Stadtrats schliesslich korrigiert. Bekannt wurde an der Sitzung auch, dass die Stadtmusik anscheinend nicht vorgängig informiert worden ist.

Dasselbe ist auch beim Theaterstudio Olten und dem Verein Lichtspiele Olten geschehen sein, wie Pro Kultur Olten in einer Mitteilung schreibt. 2021 stehen dem Theaterstudio noch 20'000 statt wie bisher 25'000 Franken zur Verfügung und dem Verein Lichtspiele noch 2'500 statt 5'000 Franken.

Pro Kultur Olten spricht dabei von «klammheimlichen Kulturkürzungen», die unentdeckt geblieben seien, weil für nächstes Jahr nur das Sammelkonto inklusive detaillierte Beiträge angegeben sind. Wer wissen will, welche Organisationen in diesem Jahr wie viel erhalten haben, muss den Budgetbericht fürs Jahr 2020 zu Rate ziehen.

Beim Theaterstudio sei es zudem trotz Corona nur zu unwesentlich weniger Veranstaltungen als in normalen Jahren gekommen. Der auslaufende Leistungsvertrag ist also gemäss Pro Kultur erfüllt worden. Und wie bei der Stadtmusik hat auch Vereinspräsident Andreas Meier keine Information erhalten, dass der Beitrag der Stadt auf nächstes Jahr hin um 20 Prozent gekürzt werden soll.

Auf Anfrage sagt er, dass er aus allen Wolken gefallen sei und zuerst gedacht habe, dass es sich um einen «Druckfehler» handle. Sollte die Kürzung so beibehalten werden, würde es immer schwieriger, die mithilfe von Ehrenamtlichen betriebene Institution aufrecht zu erhalten. Das Theaterstudio hat ein Jahresbudget von rund 140'000 Franken.

Die Interessensgemeinschaft Pro Kultur zeigt sich in der Mitteilung «vom Verhalten des Stadtrats schwer enttäuscht – vor allem aber davon, dass weder der Trägerverein noch das Parlament über die Kürzung ins Bild gesetzt wurden». Pro Kultur erwartet vom Stadtrat, dass die Kürzungen für beide Vereine per Nachtragskredit korrigiert werden und wieder wie bisher ausfallen.

Auf Anfrage sagt Markus Dietler, Leiter der zuständigen Direktion Präsidium, dass der Stadtrat erst nach Ablauf der Referendumsfrist entscheiden werde, ob die beiden erwähnten Institutionen aus dem vom Gemeindeparlament um 17'500 Franken erhöhten Sammelkonto mehr Geld erhielten oder nicht. Er begründet die Kürzungen bei Theaterstudio und Kino Lichtspiele mit der finanzpolitischen Vorgabe, grundsätzlich keine Beiträge zu erhöhen und die bisherigen Mittel gerechter zu verteilen. Vor allem beim Schwager Theater, das ähnlich aufgestellt ist wie das Theaterstudio, sah man gemäss Direktionsleiter Dietler Handlungsbedarf. Und weil neue Beiträge wie an das International Photo Festival dazugekommen seien, gebe es einen «härteren Verteilkampf».

In einer Mitteilung verweist der Oltner Stadtrat grundsätzlich darauf, dass er sich «des hohen Stellenwerts der Kultur für das gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Leben der Stadt und auch für deren Ausstrahlung und Image sehr wohl bewusst ist». Im Kulturförderungskonzept bestimme der Stadtrat die Kulturpolitik als eine der Kernaufgaben der öffentlichen Hand, weshalb er das kulturelle Schaffen in Stadt und Region unterstütze und fördere.

Nächstes Jahr wendet die Stadt rund 4,5 Millionen Franken für die Kultur auf. Zusätzlich vergeben werden im ersten Halbjahr 2021 städtische Kulturpreise, die mit insgesamt 30'000 Franken dotiert sind. Zur Entscheidungsfindung hat der Stadtrat kürzlich eine Jury bestimmt, deren Mitglieder nun angefragt und danach öffentlich bekannt gemacht werden.