Olten
Der Urknall zur Erneuerung der Kanti ist ertönt

Schluss mit ausgelatschten Bodenbelägen, schwer gängigen Fenstern und undichten Dächern. Die Kanti Olten wird für 86 Millionen Franken saniert. Das Baufest war Startschuss zum langjährigen Vorhaben.

Urs Huber
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Der Musicalchor der Kantonsschule sorgte vor geladenen Gästen mit afrikanischen Klängen für einen ersten «Urknall» der Erneuerung.

Der Musicalchor der Kantonsschule sorgte vor geladenen Gästen mit afrikanischen Klängen für einen ersten «Urknall» der Erneuerung.

Remo Fröhlicher

Rund 900 Schüler, 170 Personen aus Lehrkörper, Verwaltung und Schulleitung beherbergt die Kantonsschule Olten derzeit. Seit rund zweieinhalb Jahren ist bekannt, dass diese Schulgemeinschaft ein saniertes Zuhause bekommen wird: gut 86 Millionen Franken schwer. Aber dieses muss – bei Gott – erdauert werden.

Die meisten aus der jetzigen «Belegschaft» werden das Bildungshaus längst verlassen haben, wenn die Baute aus den früheren Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in neuem Glanz und zeitgemässer Infrastruktur erstrahlt.

Mit rund sechseinhalb Jahren Bauzeit darf gerechnet werden, wie der solothurnische Baudirektor Roland Fürst vor der Festgemeinde erklärte. Denn vor allem belastende Bauarbeiten müssen irgendwie auf die Schulzeiten beziehungsweise Ferienzeiten abgestimmt sein. Und was der Regierungsrat auch noch verriet: Nach der Sanierung wird der Energiebedarf des Hauses im Vergleich zur Gegenwart um satte zwei Drittel verringert sein.

Na also: «Wenn solches kein Festgrund ist», hat man sich in der Kanti gesagt und ein «Baufest» auf die Beine gestellt. Mit allen Schikanen, neben viel Musik, Theater, Tanz, Architekturführungen und, und und; bis hin zu Kilian Ziegler oder dem Evergreen Irrwisch. Der Urknall zur Erneuerung der Bildungsanstalt oben im Hardwald, deren Standort heute wohl auch aus raumplanerischen Überlegungen nicht mehr infrage käme, hatte viele Gesichter.

Bildung braucht Raum, in mehrfacher Hinsicht; Freiraum und Zwischenraum inklusive. Dies postulierte Rektorin Sibylle Wyss vor der Gästeschar. Der werde nun in den kommenden Jahren geschaffen. Und sie gestand – bei aller Freude auf das Kommende– auch, sich die Bausituation noch nicht richtig vorstellen zu können. Im sogenannten Lichthof, wo der Festakt über die Bühne ging, soll einer der grössten jemals auf dem Platz Olten montierten Krane zu stehen kommen; mit einem 80-metrigen Ausleger notabene. Effektiver Baubeginn wird im Januar 2016 sein, bereits im Spätherbst aber werden die Bauvorbereitungsarbeiten in Angriff genommen.

Ein Heimspiel hatte der ehemalige Stadtarchivar und langjährige Lehrer der Kantonsschule Olten, Peter Heim. Sein gefälliger Rückblick auf die «als links» verschriene Kanti liess so manches einstige Revoluzzer-Herz (von dem allem Anschein nach nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist) höher schlagen und viele vermochten sich noch an die Schülerzeitung «Fröschli» zu erinnern, welche anfänglich noch respektvoll, später provokativ und mit ultimativem politischen Aufforderungscharakter auftrat; zur Empörung des seinerzeitigen Lehrkörpers und (fast) des Rests der Gesellschaft.

Kaum vorstellbar, dass sich heute der Lehrkörper dazu veranlasst sähe, sich offiziell von den Inhalten eines Schülerblattes zu distanzieren. Aber solches geschah in den Siebzigern und Nachwirren des 1968-er Klimas. Tempi passati. Ein kleines Geheimnis lüftete Heim dann auch noch, bevor sich die Festgesellschaft zum geselligen Teil einfand. Er habe auch als linker Lehrer gegolten damals, «aber ein richtiger Linker bin ich nie gewesen.»