Wo wünscht man sie sich hin, die Kabarettisten? Auf die Bühne, logisch. Und manchmal würde man ihnen gern ins Gesicht schauen; so von Mensch zu Mensch, quasi auf der Bühne des Lebens stehend. Aber: geht nicht. Jedenfalls nicht mit Peter Spielbauer, über den die Süddeutsche Zeitung einst schrieb: «Ist Peter Spielbauer nun Komiker, Kabarettist, Poet, Artist oder Philosoph? Nach seinem rund zweistündigen Auftritt am Samstagabend im ausverkauften Dorfener Vereinsheim war vor allem eines klar: Dieser Mann und sein Programm sind einfach genial.»

Also: Mit Spielbauer muss geredet werden, auch wenn er in der Nähe von München zu Hause und derzeit nicht auf Wanderschaft ist. Ein Telefonat muss her, denn ebendieser Peter Spielbauer betritt an den 32. Kabarett-Tagen gleich drei Mal die Bühne. Der Bayer (Herkunft: Bayerischer Wald) zeigt drei Programme: «Alles Bürste!», «dunkHELL», und «YÜBILÄÜM». Er untergräbt in einer tosenden Poesie, wie soll man Peter Spielbauers Produktionen sonst nennen, das Klischee des sonst so hemdsärmelig wirkenden Bajuwaren. Die Trilogie ist denn auch so etwas wie eine Hommage der Kabarett-Tage für Spielbauers Wirken.

Ausschnitte aus Peter Spielbauers Programm «Alles Bürste!»

Im Speckgürtel daheim

Als ihn der terminierte Anruf erreicht, sitzt er in seiner Wohnung, «im Speckgürtel der Stadt München», wie er sagt – und giesst Pflanzen. «Sie wirken etwas vernachlässigt», sagt Spielbauer bedauernd. Er, der in jungen Jahren Gärtner werden wollte, relativiert den Speckgürtel aber sogleich. Er gehöre nicht zu dessen typischer Klientel, meint er, diesmal ohne Bedauern. Was der Garten hergibt: Buschbohnen und halt alles, «was der Mensch so zieht», meint er noch. Warum er dann doch nicht Gärtner wurde, auch nicht ein solcher von biodynamischen Provenienz? Er lächelt kurz hörbar ins Telefon. Damals habe er geglaubt, die Welt durchs Essen bekehren zu können. Davon ist er abgerückt. «Wissen Sie, der Applaus des Lauchs kommt eben schon ziemlich verzögert.»

Es gehört zu den Eigenheiten des 64-Jährigen, bunt aufzutreten. In Gelb, Rot, Schwarz. «Der Anzug muss mich antörnen», sagt er. Gelb, eine seiner Lieblingsfarben, verbindet er mit Pling!, Knallrot ist sowieso selbstredend. Die Farbe des Sakkos wechselt häufiger. Das deutet jeweils auf einen Wechsel des Ambientes hin. Nur Blau, damit hat er nichts am Hut. «Es gibt nichts Blaues in meinem Besitz; nur das Fahrrad drunten im Keller. Das hab’ ich vor Jahren gekauft, weil es so unschlagbar günstig zu haben war.» Er lacht. Die Ursache seiner Farbpräferenzen sei vermutlich die Sonne, sie ist gelb und rot, und ohne sie gehe gar nix.

Dass er drei seiner Programme in Olten spielen kann, findet der Mann wunderbar. Dass sich dafür ein Publikum findet, ebenso. Drei Mal dagegen das gleiche Programm spielen; davon distanziert sich Spielbauer. «En-suite-Vorstellungen mach’ ich schon lang nicht mehr», sagt er. Da werde ihm langweilig. Natürlich muss er sich für die bevorstehende Trilogie vorbereiten, die lässt sich – auch nach all den Jahren – nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln. An Lampenfieber im akuten Sinne – daran werde er nicht leiden, das weiss der Mann. Aber ein Kribbeln in den Fingerspitzen und im Bauch, «das gibts natürlich schon.»

Und «Max»? Das Programm mit dem Performance-Objekt, welches durch seine schiere Grösse und seine, sich auf den ersten Blick nicht erschliessende Nutzlosigkeit überzeugt, bleibt in Olten aussen vor. Nicht weil Spielbauer mit seiner Idee und dem Objekt abgeschlossen hätte. Nein. Der Grund ist ein einfacher: «Ich hab’ mir zur Gewohnheit gemacht, möglichst umweltfreundlich unterwegs zu sein; also mit dem Zug. Und ‹Max› ist dafür einfach zu umständlich.» Natürlich lässt sich Spielbauer jetzt nicht von der Maxime leiten, gute Kunst müsse in der Hosentasche Platz haben. Aber eine Sackkarre – «die beste verfügbare Sackkarre, gewissermassen der Maybach unter den Sackkarren» – wie er sagt für die Requisiten, die dem Kabarettisten in der Vorstellung «Halt geben», wie er sagt, muss heute ausreichen.

Sprachliche Metaphysik

Schenkelklopfer erntet der Bayer mit seinen Programmen eher selten. Spielbauer ist schlichte Liebhaberei, steht für das virtuose Gedankenspiel, ist Garant für die Kontinuität sprachlicher Metaphysik, ist Architekt der labilen Statik menschlichen Seins.

Ob er nie wirklich vorgehabt habe, politischer zu werden, pointierter in seinen Programmen? «Das bin ich geworden», sagt Spielbauer. In «dunkHELL› sei vielleicht ein Viertel des Programms politisch unterlegt. Womöglich nicht auf den ersten Augenschlag zu bemerken. Da habens die Kabarettisten, die sich der Tagespolitik annehmen, einfacher. Aber: «Die Tagespolitik interessiert mich kaum, die lenke nur von den Zusammenhängen ab», sagt Spielbauer. Hintergründe seien ihm wichtiger.

Und jetzt, da Olten zur Hommage des Peter Spielbauer ruft, quält die Frage: Kommt nun das Ende? Spielbauer wehrt ab. «Nein, nein; ich bin an was Neuem dran», sagt er. Dadaistische Elemente werden dabei sein, verrät er. Solches kommt wieder in Mode, gleicht der Dadaismus doch einer Revolte gegen die Kunst vonseiten der Künstler selbst. War Spielbauer nicht immer ein bisschen Dada? Einer allein, umgeben vom Hauch der kabarettistischen Anarchie, mit gut sortierten Gedankenexplosionen, der leisen Revolte gegen das Laute, gegen das Mittelbare, das Vordergründige, das Scheinbare oder die Wahrheit. Und dies alles in der Gewissheit, dass es Letztere nur vermeintlich gibt.