Fasnacht Olten
Der Tambourmajor ist den Seinen immer einen Schritt voraus

Er trägt das stolzeste Kostüm und schwingt als Dirigentenstock den Stab oder – wie man in Fachkreisen sagt – den Tugh. Auch neben der Bühne ist er ein Leader, der immer wieder zum Rechten sieht; nicht nur musikalisch: eine Annäherung an den Tambourmajor.

Urs Huber
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Las Furmiclas: Tambourmajor Christof Bauer geht seiner Truppe mit dem Sujet «Las Furmiclas goes New Orleans… let the good times roll» am Umzug voraus. Bruno Kissling

Las Furmiclas: Tambourmajor Christof Bauer geht seiner Truppe mit dem Sujet «Las Furmiclas goes New Orleans… let the good times roll» am Umzug voraus. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Er ist seiner Truppe stets einen Schritt voraus, von Amtes wegen sozusagen: der Tambourmajor. Und er ist gar nicht so einfach vors Mikrofon zu bekommen. Nach dem Auftritt ist nämlich auch für ihn und seine Gugge vor dem Auftritt. Und einer muss doch zum Rechten schauen.

Eben hat die Guggemusig Aente Büsi ihren Auftritt auf der Kirchgasse beendet. «In fünf Minuten bin ich so weit», ruft Jasmin Kuhn, Tambourmajor des Ensembles. Sie müsse ihren Leuten erst noch sagen, wie das Programm weitergehe. Im vierten Jahr ist die 29-Jährige als musikalische Leiterin dabei. «Man muss schon schauen, dass sich die Gruppe nicht verliert», meint sie später. Zum Amt übrigens ist sie eher zufällig gekommen. «Es hat sich sonst niemand aufgedrängt», lächelt die Primarlehrerin, die als eine der wenigen Leaderinnen jeweils mitspielt und die über ihren Bekanntenkreis zu den Aente Büsi stiess. Eine Geschichte, welche auch andere Tambourmajore teilen. Etwa Reto Ulrich, seit 14 Jahren musikalischer Leiter der Herregäger. «Bei mir hat der familiäre Hintergrund mitgespielt», sagt er. Eine spezielle musikalische Ausbildung hat der 36-Jährige, der Ende Saison den Tugh weglegt, wie viele andere seiner Kollegen, keine. «Getrommelt hab ich früher», blickt der heutige Teamleiter Swisscom zurück.

Motivator und Kommunikator

Von der Brass Band Kappel kommt der musikalische Leiter der Guggi, Stephan von Arb. Seit zwei Jahren führt er die Truppe an. Jenseits des musikalisch-technischen Aspekts sieht er sich hauptsächlich als Kommunikator und Motivator. Eine Guggenmusik treffe sich nicht erst im November zu den Proben, meint der 52-jährige Leiter Unterhalt beim Getränkehersteller Rivella. Da gehöre das Verbreiten von Motivation dazu. Ins selbe Horn stossen auch die beiden andern Tambourmajore, Marketingleiterin Ramona Gloor (Bohème-Musig) und der Gärtner Fachrichtung Baumschule, Christof Bauer (Las Furmiclas). Und, Erfolg gehabt? «Ich bin mit dem Motivationsgrad ganz zufrieden», meint Ramona Gloor und gesteht, dass die Truppe die Auftritte auch eigenständig durchziehen könnte. «Meine Mitspielenden sind da aber anderer Meinung», lacht die 30-Jährige.

«Für gute Laune im Ensemble sorgen.» Das sei tatsächlich auch eine der Hauptaufgaben des Tambourmajors, so Bauer. Der 48-Jährige ist Gründungsmitglied der Las Furmiclas und steckt in seiner dritten Saison als Leiter. Aber: Trotz Bemühen um gute Laune werden viele Guggen von ihren Leadern dazu angehalten, zwischen Schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch nicht zu sehr dem Alkohol zu frönen. Die Auftritte wollen sauber über die Bühne gebracht sein. «So lange alles in Massen geschieht, hat aber niemand was grundsätzlich dagegen», sagt Ulrich.

Wo bleiben die Gassenhauer?

Dass sich die Gesellschaft zunehmend diversifiziert und heterogener wird, das bekommen auch die Guggen zu spüren. Oftmals kritisiert, sie würden heute keine Gassenhauer mehr spielen, meint Ulrich: «Das ist immer wieder ein Thema bei uns. Wir kommen aber stets zum Schluss, dass es den oder die Gassenhauer gar nicht mehr gibt. Die Geschmäcker sind eben verschieden.» Der Meinung schliessen sich die andern vier an. «Die Zusammensetzung einer Gugge ist an sich schon sehr verschieden, alters- wie interessensmässig», sagt von Arb. Da bleibe eine konsequente Linie auf der Strecke. «Irgendwann mal ist auch das Repertoire der Gassenhauer abgespielt» sagt er und fragt: «Was dann?» Die Gugge wolle ja musikalisch nicht stehenbelieben und müsse sich anderer Stücke annehmen. «Natürlich ist es bedauerlich, wenn die Gassenhauer fehlen», meint auch Ramona Gloor. Aber sie sagt: «Wir wenden uns mit unsern Stücken eher an ein jüngeres Publikum. Da kann per se kein Gassenhauer für alle dabei sein.» Eher der Populärmusik verschrieben haben sich dagegen Las Furmiclas und auch Aente Büsi. «Wir versuchens etwa mit Polo Hofers ‹Alperose› oder ‹An der Nordseeküste›», sagt Yasmin Kuhn. Da seien die Leute schnell bereit, mitzu- schunkeln, wie sie feststellt.

Dann gehts auch schon weiter. Der nächste Auftritt wartet. Übers neue Repertoire unterhält man sich dann nach der Sommerpause.

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