Erst fielen ein paar Schneeflocken vom Himmel. Dann das Spettacolo Confetti. Und es hinterliess einen nachhaltigen Eindruck.

Ein beissender Wind weht dem Schiff entgegen, als Obernaar Rahel mit ihrer Entourage und dem Fuko-Rat Kurs auf das Schwanenmätteli nimmt. Von den Balkonen der Altstadt und der alten Holzbrücke winkt das Fasnachtsvolk dem Oberhaupt der fünften Jahreszeit zu. Kaum angelegt, nimmt Rahel auf dem Konfetti-Thron Platz und wird von ihren Leuten Richtung Holzbrücke gestossen. Hier und da nippen die Fasnächtler an den ersten Flaschen oder ziehen an ihren Stumpen. Obernaar Rahel winkt der jubelnden Menge zu und bricht mit ihrem warmen Lachen die klirrende Kälte. Es wird ein buntes Fest.

Die ersten Konfettis sind los. Kaum einer kann sich ihnen entziehen. «Ra-hel, Ra-hel, Ra-hel» skandieren die Fasnächtler auf der zum Bersten gefüllten Holzbrücke. Der Tross zieht in die von Fasnachtslichter erhellte Nacht. Angetrieben vom Takt, den die Pfeifen-Clique vorgibt. Obernaar Rahel tanzt. Und sie lacht.

Eindrücke vom Naarestopf 2018 in Olten mit Obernaar Rahel

Eindrücke vom Naarestopf 2018 in Olten mit Obernaar Rahel

Von fern dröhnen die ersten Guggenklänge herbei. Am Ildefonsplatz steigt die Spannung. Doch Obernaar Rahel lächelt nur. Lampenfieber? «Nei, esch eigentlich okay», sagt sie und zieht los, bahnt sich den Weg durch die dicht gedrängte Menschenmenge. 21.05 Uhr: Obernaar Rahel nimmt nicht wie üblich den Hintereingang zum Turm, sondern besteigt die erste Treppenstufe einer Strickleiter. Das Fasnachtsvolk tobt bei jeder Stufe. Obernaar Rahel dreht sich um, lacht und winkt. «Es sollte ein Spektakel sein», sagt die höchste Fasnächtlerin später. Die Rätschwyber-Zunft hat Wort gehalten.

Es knallt. Der Naarenstopf ist lanciert. «Da aschträngendi Ufschtig – brucht chli Gschick. Entschädige tuet e wunderbare Blick», eröffnet Obernaar Rahel ihre Proklamation. Es folgt eine dramaturgisch gekonnt aufgebaute Rede, in der sie «zauberhaftes Spettacolo» verspricht. Zwischen den Strophen sorgen ihre Trabantinnen mit Tanzeinlagen für Stimmung. Sie werde nach den Sternen greifen. Doch am Ende der Woche sei die Fasnacht doch «z’schnäu verbii». Nach der Melancholie kommt das Liebesbekenntnis: «Eg liebe d’Oltner Fasnacht ond euch mit Liib und Seel.»

Um 21.16 Uhr steigt Obernaar Rahel aufs Geländer der Kanzel und springt, von oben mit Konfettis begossen, in die Menschenmenge. «Genial.» Immer wieder «genial», kann sich ein eingefleischter Fasnächtler vom Spektakel kaum erholen. «Sie müsste nächstes Jahr gleich wieder den Obernaar geben», sagt der eine. «Sie soll es für die nächsten zehn Jahre tun», der andere. Jene, die nicht kostümiert sind, küssen sich und überlassen das Feld den Fasnächtlern.

Obernaar Rahel hat wieder festen Boden unter den Füssen und lacht. «Für mich persönlich war das jetzt fast schon der Höhepunkt der Woche», sagt sie. Lange habe sie «gebibbert», ob es klappen würde. Als ihr die Idee mit der Strickleiter kam, gab sie dem Kletterpark Balmberg ein Telefon und überzeugte sie für ihr Projekt. Sie habe sich gedacht: «Mit diesem Motto kannst du nicht nur predigen.» Ihr kleiner Sohn kommt für ein Abschiedsküsschen. – Obernaar Rahel zieht weiter in die lange Nacht.