Die insgesamt 24 Zeilen lange Mitteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom 15. Januar mit dem Titel «Nationalbank hebt Mindestkurs auf und senkt Zins auf −0,75 Prozent» liess nicht nur weltweit die Finanzwelt, sondern auch die hiesige Bevölkerung bis hin zum einfachen Büezer aufhorchen. Denn während Importe – insbesondere aus dem europäischen Raum – dadurch schlagartig billiger wurden, profitieren die Verbraucher, die weniger für Autos, Smartphones oder Benzin bezahlen müssen. Auch der Shoppingtourismus in grenznahe Regionen gewann noch einmal mehr an Bedeutung. Umgekehrt stellt die Frankenstärke insbesondere im Schweizer Tourismus und für die Exportwirtschaft eine enorme Belastung dar, werden doch die in der Schweiz produzierten Waren und Dienstleistungen für Konsumenten aus dem Ausland entsprechend teurer.

Doch wie wirkte sich nun der Nationalbankentscheid auf den Detailhandel und Touristik-Dienstleister in der Region aus? Eine Umfrage bei hiesigen Firmen zeigte auf, dass die meisten Umsätze und Verkäufe gegenüber dem Vorjahr gleichwohl gehalten werden konnten – nicht zuletzt dank sofortiger Reaktion und Preisanpassungen durch die Importeure oder Hersteller in der Schweiz. Und im Vergleich zu den früheren Währungsstürzen in den Jahren 2008/2009 und 2010/2011 die Hysterie an der Verkaufsfront doch deutlich kleiner ausfiel.

Vergünstigungen an Kunden weitergeben

«Es geht weiter», meint denn auch Alain Bernheim, Chef des Modehauses Bernheim in Olten und Aarau, der vorderhand viel mehr Konsequenzen für die Exportindustrie sieht als für den eigenen Geschäftsbereich. Die Auswirkungen auf den Detailhandel folgten laut Bernheim immer erst mit Verzögerung. «Wo wir wechselkursbedingte Einkaufsvergünstigungen bekommen oder aushandeln konnten, haben wir diese sofort an die Kundschaft weitergegeben.» Viele Schweizer Importeure hätten leider nur wenig und schleppend reagiert. «Hier mussten wir für tiefere Preise kämpfen, was teils sehr lange dauerte. Gleichwohl geben wir derzeit auch hier pauschal 15 Prozent Euro-Rabatt, ausser auf bereits reduzierte und dem Eurokurs bereits angepasste Kleidung». Denn es könne, findet Bernheim, nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden, wenn die Importeure beim Weitergeben der Währungsgewinne klemmten.

Das aktuelle Euro-Franken-Kursverhältnis habe dazu geführt, dass fast alle Uhrenhersteller umgehend Preiskorrekturen im Euroraum durchgeführt hätten, meint Ernst Adam vom Uhren- und Bijoutiergeschäft Adam in Olten. «Die Preise in der Schweiz sind denn auch mit wenigen Ausnahmen stabil geblieben und das Preisniveau dadurch zum Euroraum wieder ausgeglichen. Ein europaweit einheitliches Preisgefüge ist extrem wichtig, da in der Schweiz Uhren hauptsächlich von ausländischen Touristen gekauft werden», gibt Adam zu bedenken und schiebt nach, dass dies vielleicht nicht für Olten, aber für Touristenorte wie Luzern oder Interlaken von grösster Bedeutung sei.

Beim Schmuck wiederum habe man bei renommierten ausländischen Marken wie Wellendorf oder Pomellato entsprechende Preiskorrekturen durchgeführt. Die ganze Situation habe natürlich zu einer Entwertung des bisherigen Stocks geführt. Nichtsdestotrotz sei im Januar aber gleichwohl der Vorjahres-Umsatz erreicht worden; für den Februar rechnet der Bijoutier aber mit vergleichsweise leicht tieferen Zahlen. Adam zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass die übertriebene anfängliche Überreaktion wieder zu normalem Konsumverhalten zurückfinde. In den letzten paar Jahren habe die Schweiz und auch seine Branche schon mit deutlich grösseren Euro-Kurskorrekturen zu leben gehabt – zwar über einen längeren Zeitraum, aber dafür ohne die aktuellen Überreaktionen.

Währungsrabatte auf Neuwagen

Lobende Worte für die Autoimporteure findet René Bobnar von der Garage M. Bobnar AG in Hägendorf. «Fast alle Autoimporteure haben nach dem 15. Januar umgehend die Neuwagenpreise so gesenkt, dass zusätzliche 10 bis 15 Prozent Währungsrabatt an Neuwagenkäufer gegeben werden konnten», meint der auch als Präsident des Autogewerbeverband des Kantons Solothurn (AGVS) wirkende Geschäftsführer. Umgekehrt sei natürlich gleichzeitig der Preis der Occasionsfahrzeuge ebenfalls gesunken, da diese vielfach im Verhältnis zu Neuwagen zu teuer dastünden. Und als grösste Schwierigkeit nennt Bobnar Leasingfahrzeuge. «Bei diesen Fahrzeugen, die nun wieder zu den Autohändlern zurückkommen, stimmt nun der bei der Leasingbeginn mal vertraglich abgemachter Restverkaufswert – nicht für den Kunden, nun aber für den Garagisten – nicht mehr. Dieses Risiko des Garagisten kann bei teureren Fahrzeugen schnell mal höhere vierstellige Summen ausmachen», so Bobnar. Autohäuser jedenfalls hätten von der Situation im Januar und Februar wohl allzumeist profitiert – auf Käuferseite mit sehr guten Preisen, seitens der Garagen von den angepassten Preisen bei den Occasionen. Gleichwohl würden aber wohl viele Autohändler am Fahrzeugpark nagen, den sie bereits vor dem SNB-Entscheid gehabt hätten und der innert kürzester Frist an Wert verloren hätte.

Nach wie vor zufrieden mit dem Geschäftsgang zeigt sich auch Christine Robert, Mitglied der Geschäftsleitung bei EKOREISEN AG in Olten. Gruppenreisen liefen nach wie vor normal; zumal viele davon für dieses Jahr bereits seit längerem zusammengestellt, gebucht und angezahlt seien. Und bei den Individualreisen würde so oder so – Frankenstärke hin oder her – immer ein bestimmter Prozentsatz im Internet buchen. «Als neutrales Reisebüro können wir auch Preise verschiedener Anbieter vergleichen und je nach Resultat auch auf deutsche Reiseveranstalter zurückgreifen. Diese sind aber überhaupt nicht immer günstiger – auch mit dem derzeitigen Wechselkursverhältnis. Ein guter Schweizer Anbieter mit eng und anders kalkulierten Preisen kann auch jetzt absolut konkurrenzfähig sein.» Dabei rät die Reisefachfrau, auch wirklich Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen. «Das Buchungsverhalten der reisenden Kundschaft ist ohnehin jedes Jahr anders – in diesem Jahr stellen wir in den ersten beiden Monaten bereits sehr viele Buchungen für Sommer- und Herbstferien fest. Richtig Bilanz zu ziehen, wird daher erst Ende Jahr wirklich möglich sein.»