Am kommenden Samstag trifft sich der Schweizer Alpen-Club (SAC) an seiner Geburtsstätte in Olten zur 156. Abgeordnetenversammlung. Zum letzten Mal ist die Region im 150'000 Mitglieder starken Bergsportverband mit zwei Sektionen vertreten.

Zum dritten Mal in Olten

Nach der Gründung 1863 im Bahnhofbuffet und der Abgeordnetenversammlung 1938 zur 75-Jahr-Feier hält der SAC zum dritten Mal sein Parlament in Olten ab. Der Tagungsort hat erneut das Potenzial, historische Bedeutung zu erlangen. Die 222 im Stadttheater erwarteten Delegierten befinden über die Vorlage Suisse Alpine 2020, welche die Digitalisierung der Führerliteratur und eine innovative Tourenplattform vorsieht. «Es ist das grösste Projekt, das der SAC je in Angriff nahm – in finanzieller und technischer Hinsicht», sagt Stefan Goerre. Während der Präsident der gastgebenden Sektion Olten dem Vorhaben positiv gegenübersteht, ist dem mit Kosten von 7,8 Mio. Franken verbundenen Projekt von fünf wichtigen Sektionen heftige Opposition erwachsen.

Ein Ja gefordert

Die Diskussion erhält durch den Umstand noch mehr Brisanz, dass sich das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) nur dann mit fast 2,7 Mio. Franken an der Finanzierung beteiligt, wenn in Olten ein Ja resultiert.

Folgen die Abgeordneten hingegen dem Zentralvorstand nicht, ist das Geld aus dem Innotour-Fonds, mit dem in erster Linie nationale Projekte, die Innovation, Zusammenarbeit und Wissensaufbau im Tourismus fördern, verloren.

Kommt Suisse Alpine 2020 dagegen zustande, sind 10'000 Routen für Hochtouren, Alpinwandern, Klettern, Ski- und Schneeschuhtouren für Interessierte in Form einer App abrufbar.

Drei Tannen tritt Olten bei

Für Schlagzeilen sorgte 1979 auch eine ausserordentliche Delegiertenversammlung des Schweizerischen Frauen-Alpenclubs (SFAC) in Olten. Bis 1980 gingen nämlich Männer und Frauen im Bergsport offiziell getrennte Wege. Die DV in der Aula der Kantonsschule gab als letzte Instanz grünes Licht zur Fusion und löste so die schon 100 Jahre alte «Frauenfrage» im SAC.

Im Unterschied zu anderen Orten blieb die 1934 ins Leben gerufene Sektion Olten des SFAC im Jahr 1980 trotz des Zusammenschlusses auf nationaler Ebene eigenständig, benannte sich jedoch in Drei Tannen um, um die Sektion Olten nicht zu konkurrenzieren.

Speditiv in die Fusion geführt

«Die Frauen wollten ihre Selbstständigkeit und ihr Geld bewahren. Den Herren, unter denen es einige Hardliner gab, pressierte es auch nicht», schildert Marie-Theres Gubler die Verhältnisse auf dem Platz Olten vor dreieinhalb Jahrzehnten. Die Präsidentin hat die Sektion Drei Tannen, deren Mitgliederzahl durch Überalterung von 100 auf 42 abnahm, nun aber umso speditiver in die Fusion mit der Sektion Olten geführt.

Im September des letzten Jahres fanden erste Gespräche statt, im März 2016 war der Zusammenschluss unter Dach und Fach. Wenn Frauen und Männer offiziell ab 1. Januar 2017 Hand in Hand gehen, vollziehen sie nur nach, was in der Realität schon lange Praxis war. Das sehr gute gegenseitige Verhältnis und einige Doppelmitgliedschaften lassen den Schritt als logisch erscheinen. «Bei uns kamen auch schon vor 1980 Frauen auf Touren mit, waren aber Nichtmitglieder», erzählt Stefan Goerre, dessen Sektion ab nächstem Jahr mit dem Zuwachs an die 1'000 Mitglieder umfasst.

Jetzt nur noch 110 Sektionen

Die Zahl der Sektionen im Schweizer Alpen Club reduziert sich mit der Fusion auf 110, von denen drei (Olten, Weissenstein und Grenchen) im Kanton Solothurn beheimatet sind.