Den Koloss sieht man schon von der Bahnhofbrücke aus. Aus dem Hardwald ragt seit gestern ein roter Kranturm heraus, weit über den Bäumen. Einer der grössten Laufkatzkrane der Schweiz, heisst es. Das erste Mal wird das neue 70 Meter hohe Konstrukt aufgestellt.

Eine Premiere also für den Hersteller Kaufmann Kranservice GmbH, aber auch für Remo Bächler, den Projektleiter Sanierung der Kantonsschule Olten. Er ist auf dem Platz mit seinem Team von Implenia dafür verantwortlich, dass die 15 Kranbauer ihre 100-Tonnen-Maschine mitten auf dem Schulgelände, genauer im Lichthof, positionieren können. «Bei solchen Dimensionen ist man natürlich schon auch ein bisschen aufgeregt», sagt Bächler.

Grössere Fahrzeuge, grössere Schrauben, grössere Hämmer – bei dieser Baustelle müsse alles grösser sein. Dadurch sind das Risiko und der Schaden bei Unfällen grösser. Den Platz, auf dem der Kran mit bald 80 Meter Radius steht, darf man nur mit Helm betreten. «Bei dieser Höhe kann auch eine herunterfallende kleine Schraube sehr gefährlich werden.»

Bächler schaut hinauf zu den vier Arbeitern, die sich schon auf 70 Meter Höhe befinden. Von unten sieht man, wie sie an einer Metallschnur zerren, sich vor Anstrengung krümmen. Tägliche Arbeit von Kranarbeitern, Höhenangst dürfen sie keine haben. Und für alle Fälle sind die Arbeiter laut Bächler am Kran speziell gesichert.

Um zu realisieren, wie heikel der Einsatz eines solchen Krans ist, reicht ein Blick ins Untergeschoss. Dort sind an etlichen Stellen Metallrohre als zusätzliche Stütze zwischen Boden und Decke fixiert. Direkt unter dem Boden, auf dem die Kranbasis steht, stärken dicke Baustämme die Decke.

Gäbe es diese nicht, könnte bei der aktuellen Belastung und durch die künftige Rotationskraft des Krans die Kanti zusammenbrechen wie ein Legohaus. Dies weil der ganze Bau mit einem Raster von 8,08 und 4,03 Meter durchzogen ist. «Elementbauten wie die Kanti Olten sind zwar ästhetisch schön, aber bei solchen Sanierungsarbeiten statisch gesehen sehr anspruchsvoll», sagt Projektleiter Bächler.

Gleich hinter der Tiefengarage hört man tropfendes Wasser. Dort, wo vorher an der Decke ein Entwässerungskanal war, liegen nun ganze Stränge von Stromkabeln. Jedes faustdick. Damit wird die rote Metallkreatur an der Oberfläche genährt, sobald sie startklar ist. Das Regenwasser gelangt hingegen neu über ein kleines Loch in der Decke auf die Stufe der Tiefgarage.

Obwohl schon am Dienstag, am ersten Tag der Arbeiten, der Kranturm steht und ein Teil des Armes montiert wurde, wird er wegen allen restlichen Einstellungen erst am Donnerstag einsatzbereit sein. «Bis jetzt sind wir sehr gut im Zeitplan», so Bächler. Auch weil die Anlieferung gut geklappt hat.

Zehn Tonnen an der Spitze

Fahrzeuge, die Kranteile transportierten, nutzen den Platz, der kürzlich noch dem Wald gehörte. Ganze 4210 Quadratmeter Wald wurde für den Kranstellplatz, den Warenumschlag, die Parkplätze und die Baustellenzufahrt gerodet. Sieben Anwohner reichten letztes Jahr Beschwerde ein, zogen sie aber unter anderem aus Kostengründen nicht ans Bundesgericht weiter. Immerhin wurde laut Projektleiter bei der Rodung offenbar die Brutzeit der Vögel berücksichtigt.

Ohne den roten Riesenkran, der die nächsten vier Jahre auf dem Areal stehen wird, sei die 86 Millionen teure Sanierung der Kanti, deren Abschluss auf 2022 angesetzt ist, nicht möglich. Die Bauelemente aus Beton, die abmontiert und saniert werden müssen, wiegen zwischen drei und zehn Tonnen. Der Kran kann an der Spitze des Auslegers zirka zehn Tonnen heben, weiter innen einige mehr.

Mitte August, etwa zeitgleich mit dem Schulanfang, wird ein weiterer, leicht kleinerer Kran dazustossen. Dann werden «die gröberen Arbeiten», die Implenia durchführt, voraussichtlich abgeschlossen sein. Abgelöst werden sie vom Fenstermonteur. Vor dem Kran ist ein Zeitplan mit den jeweiligen Aufgaben aufgestellt.

Dahinter erstreckt sich gleich der Koloss, der durch Menschen- und Maschinenkraft immer grösser wird. So gross, dass man die Turmspitze vor dem Schild nur mit Rückenkrümmen sieht.