Mein Olten
Der Quai Cornichon und die herrliche Welt des Lachens

Madeleine Schüpfer
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Jeder Ort, jede Stadt, mag sie noch so klein sein, hat ihre Besonderheiten. Und es ist reizvoll, diesen nachzugehen. So ergeht es mir mit dem Quai Cornichon in Olten, gestaltet zu Ehren von Kabarettisten, Männern und Frauen, die im Rahmen der alljährlichen Oltner Kabarett-Tage zu Gast sind, aber auch bekannten Gruppierungen – alle die sich in irgendeiner Form bei ihren Auftritten ausgezeichnet haben .

Am Amthausquai der Klostermauer entlang entdeckt man die Köpfe, besser gesagt die charaktervollen Gesichter der in Olten zu Gast gewesenen Künstlerinnen und Künstler, ausgezeichnet mit dem Cornichon-Preis für ihr Auftreten auf der Oltner Bühne. Dieser Weg ist eine einmalige Angelegenheit, geschaffen vom Oltner Künstler, Schriftsteller und Karikaturisten Werner Nydegger, dem mit diesen Kreationen etwas Einmaliges gelungen ist. Rund 40 Persönlichkeiten, weibliche und männliche und kleine Gruppierungen, die sich in irgendeiner Form bei einer Aufführung in Olten ausgezeichnet haben, sind auszumachen.

Erstaunlich ist, mit welcher Begabung und künstlerischem Flair Werner Nydegger die einzelnen Gesichter und Köpfe angefertigt hat. Dies aus einer Chromstahlplatte gleich einem Scherenschnitt hat er aufgrund einer Zeichnung das Charakteristische der Gesichter herausgearbeitet. Sie beleben die Klostermauer auf eine einmalige Art und erzählen Geschichten aus dem Leben, humoristische und leicht melancholische. Denn das Lustige wohnt neben dem Traurigen.

Das Wundersame ist, dass hinter der Mauer dem Quai entlang das Kapuzinerkloster lebt, uralt in seiner Tradition. Es erzählt vom Leben und Sterben, von der Freude und Hoffnung, von Erfüllung und Sehnsucht. Und genau die gleichen Emotionen wecken die Charakterköpfe an der Klostermauer draussen. Humor, komische Geschichten und Begebenheiten sind nie nur lustig, sie beinhalten auch eine sanfte Traurigkeit, die darauf aufmerksam macht, dass viele Dinge, die wir kaum wahrnehmen, eigentlich unserem Vorstellungsvermögen schon davon gelaufen sind. Wir hasten Dingen hintennach, und die Komiker bringen sie mit Geist und Witz wieder nach vorne. Wir dürfen für Augenblicke einsteigen in diese herrliche Welt des Lachens und des Sichvergessens. Hinter der Mauer liegt auf eine tröstliche Art der Sinn des Lebens, nämlich der Frage nach dem Sein auf den Grund zu gehen, obwohl man weiss, dass dies nie gelingt.

Der Quai Cornichon ist für Olten eine einmalige Welt des Erkennens, der innerlichen Schönheit, die einen besonderen Sinn hat. Nämlich zu sehen, dass alles vergänglich ist – der Schmerz und die Sehnsucht, das Lachen und die Freude. Und doch spürt man diesen Gesichtern an der Mauer entlang an, dass es etwas Tieferes geben muss, wofür es sich zu leben lohnt. Vielleicht der Humor, das Komische, das man erlebt und nicht definieren kann, weil darin ein Stück Wahrheit ruht. Dies ist auch das Bestreben all dieser grossartigen Künstlerinnen und Künstler. Dass wir das spüren und in ihren Gesichtern lesen können. Werner Nydegger hat dies in diesen Porträts festgehalten mit einer Grossartigkeit, die tief berührt.

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