Sport
Der Pionier «Knüppelhart» erlebte die Anfänge des Mountainbike-Sports

Erich Uebelhart ist ein Pionier: Als erfolgreicher Leichtathlet feierte er auch bei Mountainbike-Rennen viele Siege. Er war von Anfang an mit dabei, als das Mountainbike noch unbekannt war und belächelt wurde.

Raphael Wermelinger
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Mountainbiker Erich Uebelhart
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Seit bald 15 Jahren hat Erich Uebelhardt in Oensingen sein eigenes Geschäft – natürlich verkauft er Fahrräder.
Den Bike-Marathon Verbier-Grimentz gewann Uebelhardt 1994 und 1996.

Mountainbiker Erich Uebelhart

Im Jahr 1989 fand die erste Europameisterschaft der Mountainbiker statt. Erich Uebelhardt war damals nicht nur schon mit dabei, sondern holte sich gleich die Bronzemedaille. «Bei der ersten Austragung der EM gab es noch mehrere Etappen in Deutschland, Österreich und der Schweiz», erinnert er sich.

Vor allem das Rennen in der Schweiz, welches er gewann, ist auch heute noch sehr präsent: «Fünf bis zehn Kilometer vor dem Ziel renkte ich mir bei einem Sturz den Mittelfinger aus. Die Schmerzen kamen aber erst, als ich das Rennen beendet hatte – mir wurde übel und ich musste mich beim Arzt behandeln lassen.»

Auf die Bronzemedaille folgten in den Jahren 1991 und 1992 zwei Triumphe an der EM mit dem Gewinn der Goldmedaille. «Das Gefühl ist sehr schön, wenn man auf dem Podest steht und die Schweizer Nationalhymne gespielt wird», beschreibt Uebelhardt.

Durch Zufall zum Mountainbiker geworden

Auf den Sport gestossen ist Uebelhardt per Zufall, wie er schildert. Ursprünglich war er ein sehr erfolgreicher Leichtathlet, der auf den Langdistanzen mehrere kantonale Meistertitel errang. Von seinen Kollegen des TV Olten bekam er aufgrund seiner harten Trainings auch den Spitznamen «Knüppelhart» verpasst, der ihm während seiner gesamten Karriere blieb.

Gerade als sich Uebelhardt mit einer hartnäckigen Achillessehnenverletzung herumplagte, schwärmte ihm ein Arbeitskollege vom Mountainbiken vor. «Das ist doch ein Seich», war Uebelhardts erste Reaktion, «wieso soll ich auf dem Velo die Berge rauffahren?» Dennoch lieh er sich ein Bike aus und unternahm mit dem Arbeitskollegen eine Spritztour Richtung Rumpel.

Aufgrund seiner Kraft und Kondition von der Leichtathletik her habe er beim Anstieg gleich sehr gut mithalten können und keine Schmerzen an der Achillessehne verspürt. Nur die erste Abfahrt bereitete ihm Kopfzerbrechen: «Du spinnst, da fahre ich nicht runter», seien damals seine Worte gewesen. Probiert hat er es trotzdem und musste sich eingestehen, «dass es ja doch geht.» Kurz darauf kaufte sich Uebelhardt sein erstes Mountainbike.

Die Rennen wurden erst mit der Zeit professionell

«Das war in Le Landeron», erinnert sich Uebelhardt an sein erstes Rennen. Mit den Jura-Mounties Olten, einem Mountainbike-Klub, den es heute nicht mehr gibt, reiste er damals ans Rennen im Kanton Neuenburg. «Obwohl ich im technischen Bereich noch viel Mühe hatte und deshalb öfters stürzte, war ich gleich vorne mit dabei», blickt Uelbehardt zurück, «um die Technik zu lernen, braucht es viel Zeit, doch dass die Kombination aus Technik und Ausdauer genau mein Ding ist, habe ich sofort gespürt.»

Die Rennen seien in der Anfangszeit des Sports noch viel weniger professionell durchgeführt worden. Die Strecken waren kaum ausgesteckt, die Fahrer mussten extrem achtsam sein – Besichtigungen vor den Rennen gab es noch nicht. «Generell waren die Runden viel länger als heute, so zehn bis fünfzehn Kilometer», vergleicht Uebelhardt, «doch ich finde, die Strecken waren interessanter als die heutigen Singletrails, auf denen die Fahrer einander kaum noch überholen können.»

Angesprochen auf sein damaliges Material muss Uebelhardt lachen. Erste Federgabeln kamen erst 1990 auf, davor seien chronisch entzündete Handgelenke aufgrund von Erschütterungen normal gewesen. «Die Mountainbikes hatten beinahe die Geometrie von Rennvelos – ein tiefes Steuerrohr und ein gerades Oberrohr», erklärt er. Die Rahmen waren noch aus Stahl, die Pneus schlecht und Tempo gedrosselt wurde mit Felgenbremsen. «Aber grundsätzlich gings», meint Uebelhardt rückblickend.

Anfangs der Neunzigerjahre fuhr Uebelhardt drei Jahre lang als Profi, dank der Unterstützung seines Sponsors «Cilo», der Schweizer Fahrradmarke, welche 2002 die Insolvenz anmeldete. «Ich bekam einen Lohn wie ein normaler Arbeiter», so Uebelhardt, «dazu Spesen sowie Prämien. Und ein Auto wurde mir zur Verfügung gestellt.» Sein wöchentlicher Trainingsaufwand belief sich in dieser Zeit auf 15 bis 20 Stunden, im Kalender standen rund 25 Rennen pro Saison.

«Mit dreissig liess die Spritzigkeit nach»

Nach den drei Jahren als Profi konzentrierte sich Erich Uebelhardt vermehrt auf Langdistanz-Rennen. «Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits über dreissig Jahre alt und die Spritzigkeit liess nach», begründet er. Dennoch sammelte er weitere Erfolge: Uebelhardt gewann mehrmals das Swiss Bike Masters und auch die beiden Siege beim Rennen Verbier-Grimentz zählt er als Highlights auf. «Bei den Langdistanz-Rennen muss die Vorbereitung top sein», schildert er das Erfolgsrezept, «das Material und auch die Betreuung müssen stimmen.»

Heute lässt es «Knüppelhart» etwas ruhiger angehen; fünf bis sechs Stunden sitzt er durchschnittlich pro Woche noch auf dem Bike. Doch beruflich dreht sich bei Erich Uebelhardt immer noch alles ums Mountainbike. Seit bald 15 Jahren betreibt er in Oensingen ein Velo-Geschäft. Er verkauft zu 80 Prozent Fahrräder der Marke Scott. «Eine Schweizer Marke, deren Produkte mich zu hundert Prozent überzeugen. Und zwar alle Modelle, von Kindervelos über City-Bikes und Rennvelos bis zu den Mountainbikes», schwärmt Uebelhardt.

Zudem betreibt er in seinem Geschäft einen Rennservice. So rüstet er zum Beispiel das Team TFT (Talent Förderung Triathlon) aus. «Die brauchen viel Material, man muss ihnen etwas entgegenkommen», so Uebelhardt, «für mich ist dies auch ein wenig ein Zurückgeben.»