Er hatte sechs US-amerikanische Präsidenten vor der Linse. In den letzten dreissig Tagen ist er für Termine dreimal über den Atlantik geflogen. Als wir Marco Grob vergangenen Donnerstag in einem Oltner Café trafen, hatte er am Vortag ein Shooting mit den beiden Schauspielern Al Pacino und Robert De Niro. Der Fotograf, der 2008 nach mehreren Wanderjahren seine Heimatstadt endgültig Richtung New York verliess, hat es bis in den Olymp der Fotografenszene geschafft. «Manchmal kann ich es selbst nicht glauben, was gerade passiert», sagt er. Trotzdem gibt er sich bescheiden. Wenn er nach einem Fototermin von einem Star eingeladen wird, muss die Initiative immer von der anderen Seite kommen. Die Schweizer Zurückhaltung drückt auch in den Staaten noch durch.

In den vergangenen Jahren hat sich der heute 54-Jährige ein grosses Netzwerk in der Fotografenszene geschaffen. Davon profitiert sein International Photo Festival, dass er mit seinem Team nächste Woche zum zweiten Mal in seiner Heimatstadt organisiert. Unter anderem wird die 89-jährige Fotografenlegende Harry Benson einen Vortrag halten. «Das ist, wie wenn die Rolling Stones nach Olten kommen würden.» Der Schotte hat die Beatles auf der ersten Amerika-Tour 1964 begleitet, Michael Jackson auf seiner Neverland-Ranch fotografiert und er stand neben Robert F. Kennedy, als dieser 1968 erschossen wurde. «Ich habe mit Harry eine Flasche Wein in seiner Wohnung getrunken und er sagte danach zu – ohne Honorar.» Auch mit den anderen Fotografen, die ans Festival kommen, hat er eine persönliche Verbindung – und vergütet ihnen nur die Spesen.

Wieso machen sie das? Gemäss Grob ist das Engagement für die Nachwuchsförderung wichtig, auch den Stars der Szene. Sie wollen so etwas zurückgeben. Grob selbst wird zwei unterschiedliche Workshops halten und im Stadttheater vor Schülern von seiner Berufskarriere erzählen. Er zeige den jungen Leuten, dass das Leben nicht unbedingt linear verlaufe und ohne Mut nichts gehe. «Was man als unmöglich anschaut, ist vielleicht nur ein Mangel an Vorstellungsvermögen.» Man spürt seinen Enthusiasmus, seine Leidenschaft, wenn er erwähnt, dass er sich auf seine Referate sehr gut vorbereitet. «Aufmerksamkeit ist ein rares Gut, das man mit Respekt nutzen muss.»

US-Kriegsfotograf James Nachtwey sagte ab

Bei der zweiten Auflage wird der Festivalcharakter noch stärker betont. In der Kirchgasse wird neu ein Zelt aufgestellt, wo Besucher und Fotografen bei Speis und Trank ins Gespräch kommen können. Ebenfalls zum Verkauf steht dort eine Auswahl an Fotobüchern. Im Kunstmuseum und in der Stadtkirche werden zwei Ausstellungen gezeigt (siehe Box).

Am Startanlass mit geladenen Gästen am Mittwochabend sind auch ein paar nationale Promis wie der Musiker Seven und SRF-Moderator Nik Hartmann dabei, mit denen Grob zum Teil schon zusammengearbeitet hat. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Der bereits vor Wochen angekündigte US-Kriegsfotograf James Nachtwey kommt nicht nach Olten. Er wäre nur für seinen Vortrag angereist. Grob: «James wäre sehr gerne gekommen, hat aber gemerkt, dass es zeitlich nicht reicht.»