Kai Fehringer, der in der Nähe von Koblenz (Rheinland-Pfalz) gross geworden ist, hat sich mit seinem Partner eingerichtet im christkatholischen Kirchgemeindehaus in Oltens Innenstadt.

In seinem Büro am schönen grossen Holztisch sitzend, die beeindruckende Bücherwand im Rücken, sagt der neue Pfarrer der Christkatholischen Kirchgemeinde Region Olten: «Ja, es ist ganz schön geworden. Ich fühle mich wohl.» Wohl fühlt er sich nicht nur in den Räumlichkeiten an der Kirchgasse, sondern auch in der Region Olten, in seiner Kirchgemeinde – und insbesondere in der christkatholischen Kirche.

2009 konvertierte Fehringer

Der Weg zum christkatholischen Pfarrer war für den Deutschen ein langer und steiniger und führte über Umwege. Obwohl er schon im Kindes- und Jugendalter den Wunsch äusserte, selbst einmal den Pfarrerberuf anzustreben, absolvierte er eine Lehre als Elektromonteur – «eigentlich meinen Eltern zuliebe», wie er erzählt.

Mit 23 Jahren holte er sein Abitur nach und nahm ein Theologiestudium in Angriff. «Ich habe ein Jahr in Rom studiert und lebte im Vatikan. Alle Weichen für eine Karriere in der römisch-katholischen Kirche schienen gestellt», so der 41-Jährige.

Die ursprünglich vorgesehene Karriere geriet jäh ins Stocken – weil es hiess, er könnte homosexuell sein. In Trier verweigerten ihm die Oberen die Priesterweihe, sie hatten seine sexuelle Orientierung erahnt.

Kai Fehringer blieb dennoch in der westdeutschen Stadt und erhielt eine Aufgabe in der Jugendarbeit. Doch der Wunsch, Priester zu werden, blieb. Er liess sich nicht von seinem Weg abbringen. 2004 kam Fehringer als Seelsorger in die Schweiz, nach Allschwil. Religionsunterricht, Beerdigungen oder etwa Trauungen durfte er auch ohne Priesterweihe durchführen.

In Allschwil lebte Kai Fehringer längst mit seinem Lebenspartner zusammen. 2009 wurde er christkatholisch aus Überzeugung. «Priester und Pfarrer kann man in der christkatholischen Kirche auch ohne Doppelleben sein», sagt er.

In der römisch-katholischen Kirche hätte er nie er selber sein können. Authentizität und Freiheit sind für ihn aber gerade äusserst wichtige Werte. «Ich will mich nicht verstellen müssen», sagt er deutlich – und meint damit die Gegenwart genauso wie die Vergangenheit. 2012 wurde er schliesslich in Möhlin zum Priester geweiht. Und seit der stillen Wahl vom vergangenen Wochenende ist er als Pfarrer der Christkatholischen Kirchgemeinde Region Olten bestätigt.

Frei, spontan, offen

Bereits seit dem 1. April 2013 ist Fehringer in Olten als Priester beschäftigt und seit dem 1. April dieses Jahres auch in Olten zu Hause. «Ich bin hier gut aufgenommen worden», sagt er.

Seine Art, Gottesdienst zu feiern, komme bei den Gottesdienstbesuchern gut an. «Ich predige meist frei. Ich lese keinen vorher geschriebenen Text ab», beschreibt er. «Ich glaube, so spüren die Menschen besser, dass es von mir kommt, dass es aus dem Herzen spricht.»

Er könne dadurch auch viel besser und direkter mit den Anwesenden in Kontakt kommen und spontan reagieren. Er hofft, während seiner Amtszeit die Anzahl der Gottesdienstbesucher erhöhen zu können, aber auch die der Kirchgemeindemitglieder. «Ich möchte gemeinsam mit dem Kirchenrat ermöglichen, dass die Kirchgemeinde wächst.»

Kai Fehringer will dafür auch Imagepflege betreiben. «Der christkatholischen Kirche haftet der Ruf an, verstaubt zu sein», so Fehringer. Dem will er in Olten nachhaltig entgegenwirken. Er will mit Offenheit, Farbigkeit und Lebendigkeit neue Denkanstösse geben. Christkatholisch heisst für ihn: «Eine spannende, freie und lebendige Art, heute mündig Christ zu sein.»