Nach einer totalen Restaurierung ist der Musikautomat der Städtischen Volière Olten nach einer fast dreijährigen Abwesenheit am alten Standort wieder in Betrieb. Dies soll am Samstag, 24. August von 14 bis 18 Uhr im Vögeligarten bei einem geselligen Zusammenseins entsprechend gefeiert werden.

Ursprünge der Musikautomaten

Ein Genfer Uhrmachermeister hat 1796 ein Instrument erfunden, das ausschliesslich mechanisch spielte: Mittels einer Stiftwalze wurden gestimmte Stahlzungen in Schwingungen versetzt, die in der Form eines Kamms angeordnet waren. Der Kamm bestand zuerst aus unabhängigen Zungen, die auf einem Messingblock aufgeschraubt waren und kurze Melodien spielten.

Später wurden die Kämme um einiges umfangreicher. Die Walzen wurden stetig verfeinert, bis sie durch Verschieben mehrere Melodien oder durch eine schraubenförmige Anordnung der Stifte ein längeres Musikstück spielen konnten und teilweise gar auswechselbar waren.

Musikautomaten und Eisenbahn

1897 schloss der Fabrikant Auguste Lassueur aus Sainte-Croix einen Vertrag mit der Jura-Simplon-Bahn. Er erhielt die Erlaubnis, in den Wartesälen dieser Linie Musikautomaten aufzustellen, die mit Münzen in Betrieb gesetzt werden konnten. 1903 wurde die Linie an die SBB verkauft, welche die Vereinbarung mit dem Musikautomatenhersteller übernahm. Später übernahm die SBB die Automaten.

Der letzte sich in Betrieb befindliche sogenannte Bahnhofautomat befand sich bis vor wenigen Jahren in Montreux. Heute ist die Sammlung Teil des historischen Erbes der SBB und kann an speziellen Ausstellungen bewundert werden.

Wie der Automat nach Olten kam

Bereits seit Beginn der 50er Jahre, als die exotischen Vögel der Städtischen Volière Olten noch im Rosenbifang zwitscherten, suchte der Ornithologische Verein Olten nach einem geeigneten Spielautomaten. Als die neue Volière hinter der Friedenskirche in Griffnähe rückte, konnte die lang gehegte Idee umgesetzt werden. Im Jahr 1958 wurde der Musikautomat für 850 Franken erworben und in die neue Städtische Volière eingebaut.

Männiglich freute sich fortan an wundersamen Musikklängen bei sich drehenden Puppen. Leider war der Betrieb auch öfters gestört, sei es durch Vandalenakte oder durch Abnutzung des Musikautomaten. Im Jahr 1998 wurde er deshalb erstmals grundsätzlich restauriert.

Zufälle führen zum Ursprung

Einer Oltnerin, die in ihrer Kindheit – wie viele andere Kinder – im Vögeligarten auf dem rechten Aareufer gespielt und den Musikautomaten bewundert hatte, war der zusehende Verfall des Musikautomaten ein Dorn im Auge. Einer ihrer Arbeitskollegen, Physiker, passionierter Restaurator von alten historischen Chilbiorgeln und feinmechanisch versiert, machte sie auf die Bedeutung des Musikautomaten aufmerksam.

Wie gemeinsame Recherchen aufzeigten, wurde dieser Musikautomat Ende des 19. Jahrhunderts von den Gebrüdern Mermod in Sainte-Croix – der Hochburg der ehemaligen Schweizerischen Musikautomatenindustrie – gebaut.

In den darauf folgenden drei Jahren wurde die erneute Restauration des Musikautomaten von den beiden mit grossem persönlichen Engagement geplant und umgesetzt.

Es ist nicht zufällig, dass vermutlich alle Musikautomaten der Schweiz inzwischen in Museen und nicht mehr auf öffentlichen Plätzen zu bewundern sind. Die Musikautomaten gehören zu einem historischen Erbe der Schweiz und der Eisenbahnen zugleich.

Die Rückführung des Musikautomaten war anspruchsvoll und nur dank dem Wohlwollen verschiedener Institutionen möglich. Er sollte dem Zeitgeist entsprechend erfolgen und eine Reihe von Kriterien erfüllen wie: Verbesserte Sicherheit, moderner Münzeinwurf, Verbesserung des Tonaustritts und eine schönere Präsentation insgesamt. Das ehrgeizige Unterfangen scheint gelungen zu sein. Die Eisenbahnerstadt Olten verfügt von nun an im Vögeligarten wieder über eine ganz besondere Sehenswürdigkeit.