Olten
Der Krippen-Fürst gibt sich die Ehre

Oswin Fürst baut Krippen aus Naturmaterialien. Und heuer, sagt er, sei ihm die schönste gelungen: Das Maximum vom Maximum. Ein Besuch beim Krippen-Fürst.

Urs Huber
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Oswin Fürst vor seiner Krippe aus Altholzteilen; die Schwarzenberger-Figuren stammen aus der Hand von Fürsts Frau Rösli.

Oswin Fürst vor seiner Krippe aus Altholzteilen; die Schwarzenberger-Figuren stammen aus der Hand von Fürsts Frau Rösli.

Bruno Kissling

85-jährig ist der Mann aus Olten. Und er hat sich eine kindliche und ursprüngliche Freude am Krippenbau erhalten. Er schnitzt sie nicht, er biegt nicht zurecht, er sägt nicht, nagelt nicht – nein. Er stellt zusammen, was in seinen Augen zusammen gehört. Fundholz, Wurzelstöcke, Holzfetzen, Astgabeln. Heuer, sagt er, sei ihm das Maximum gelungen, ja gar «s’Maximum vom Maximum», wie er sich ausdrückt.

Funde von Altholz als Basis

Die Ingredienzien: Holzfunde aus dem Born- und Gunzger Wald, der Teufelsschlucht, dem Engadin. Dort streifte und streift Oswin Fürst durchs Gehölz, fand und findet noch immer. Viele Elemente beherbergt er schon seit Jahren und alljährlich baut er damit die Krippe neu zusammen.

In der guten Stube. «Und sie wird jedes mal anders» meint er. Er freut sich an geglückten Übergängen, die durch geschicktes Zusammenstellen zwei Holzteile elegant verbinden, an den Holzmaserungen und -schattierungen, die er elegant in den Vordergrund zu rücken vermag, an der Wirkung des Ensembles aus einem Guss. «Ich sage immer: Die Natur ist der beste Baumeister. Aber man muss das Auge dafür haben. Und ich habs.» Er macht einen Schritt zurück. Der Krippen-Fürst lächelt.

Eine Woche vor Advent

Eine Woche vor dem 1. Adventssonntag holt Fürst die Teile jeweils hervor, die zur Krippe werden sollen. Eigentlich ist er der Krippenarchitekt, um die Staffage kümmert sich Gattin Rösli. Was den Beobachter erstaunen mag: Bei aller Verbundenheit zu Naturmaterialien scheut sich der Senior nicht im geringsten, die Krippenkonstruktion mit einer elektrisch betriebenen Lichterkette zu drapieren. «Kerzen», meint er, «das wäre uns irgendwie zu heikel. Zudem kann Fürst mithilfe der Lichterkette Krippeninneres und Umland bestens unterschiedlich markieren. «Alles, was innerhalb der Lichterkette anzutreffen ist, deutet das Krippeninnere an, das Umland liegt derweil im Dunkeln oder allenfalls im Halbschatten des fein gestreuten Lichts», meint er.

Die Lichterkette springt per Zeitschalter automatisch an: Kurz nach fünf Uhr abends. Sieben Stunden später löscht das Licht. Derweil sitzt Fürst öfters auf dem Sofa und lässt die Ausstrahlung seines Werks auf sich wirken. «Ich hänge dabei den Gedanken nach und bin zufrieden», beschreibt er diesen Moment der kleinen Glückseligkeit im 10. Stock im Meierhof 4. Dort übrigens zeigt die Leidenschaft des ursprünglichen Gunzgers Wirkung. Mehrere Krippen finden sich im Haus: beim Eingang, in den Wohnungen von Nachbarn, Arrangements aus Altholzfunden auf den Fluren. Fürst ist dort, zumindest in der Adventszeit, allgegenwärtig.

Der Weihnachtsmensch

Fürst ist ein Weihnachtsmensch, wie er von sich behauptet. Angetan vom Schönen, Besinnlichen, Rührenden. Für Aussenstehende mag das ein Mysterium sein, Fürst dagegen geht locker damit um. Er sagt, er schöpfe Kraft aus der Wirkung seiner Krippen. Und im Sommer? Fürst ist um keine Antwort verlegen: «Im Sommer, da hab ichs mit den Sonnenblumen», meint er heiter.

Auch die stellt er her, logisch: aus Holz. Aber vorerst mal schöpft er Kraft aus der Krippe, zumindest bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag. Dann nämlich wird traditionellerweise alles Weihnachtliche wieder weggeräumt, bis bald einmal der Krippen-Fürst vom Sonnenblumen-Fürst abgelöst wird.

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