Eigentlich war Toulouse, der schwarz-weisse Kater, gar kein Oltner. Ursprünglich stammt er aus Adelboden im Berner Oberland. Im Alter von sechs Monaten holten ihn seine heutigen Besitzer in die Dreitannenstadt. Der Auswärtige wurde zum König von Olten, zur vielleicht berühmtesten Katze der Schweiz.

Nun ist er von uns gegangen. Am vergangenen Freitag fand einer der berühmtesten Oltner den Weg in die ewigen Jagdgründe. Was zunächst nur ein weiteres Gerücht zu sein schien, stellte sich schon bald als Wahrheit heraus. Seine Majestät ist am Freitagmorgen eingeschläfert worden, berichtet Susi Köpfli. Mit stolzen 18 Jahren musste er sich dem Alter und seinen Tücken beugen. «Er fehlt uns sehr», sagt die Besitzerin gestern Nachmittag in ihrer Wohnung.

Durch Capus berühmt geworden

Im Alter von zehn Jahren erlangte Toulouse, der Berner in Olten, grössere Bekanntheit. Autor Alex Capus machte den Kater in seiner Kolumnen-Sammlung zum Titelhelden und zum Kult-Kater. «Vorher», weiss seine Besitzerin, «war er nicht berühmt.» Was nicht heissen soll, dass der Kater, der von klein auf als eigenwilliger Streuner galt, nicht schon damals sein Unwesen in Olten getrieben hat.

«König von Olten» ist tot

Der «König von Olten» ist tot

Der womöglich bekannteste Oltner schleicht nicht mehr im Blumenladen oder im Restaurant herum. Der Stadtkater Toulouse ist mit 17 Jahren gestorben.

Herumgetrieben hat er sich zu Lebzeiten überall. Wo genau, das wird sein Geheimnis bleiben. Sein Zuhause war stets die Altstadt. Auch, als seine Besitzer sowohl ihren Wohnsitz als auch ihre Papeterie schon längst aus der Altstadt verlegt hatten. Den Kater zog es unaufhörlich dorthin zurück. Köpfli hatte einige Male versucht, ihren Kater wieder mit nach Hause zu holen – vergeblich. In der Altstadt fühlte er sich zu wohl: In der Waadtländerhalle stibitzte er Cervelat-Stückchen zwischen am Stammtisch jassenden Herren, im Café Grogg wurden ihm Kaffeerähmli serviert, in Blumenläden und Büroräumen war er ein oft gesehener Gast.

Einmal, so wird erzählt, hatte es sich der Kater in der Stadtbibliothek bequem gemacht. Zu bequem, wie sich herausstellte, wurde er doch darin eingeschlossen und sorgte damit für ein Grossaufgebot der Feuerwehr.

Kater Toulouse ist auch in seinem neuen Zuhause ganz der König.

Kater Toulouse im Februar 2016 in seinem damals neuen Zuhause.

Ein anderes Mal erhielt Susi Köpfli einen Telefonanruf einer Dame aus, richtig, Toulouse. Sie erfragte den Preis, welchen sie für den Kauf des Katers zahlen müsse – vergeblich. Der Name Toulouse stammt nämlich nicht etwa von der gleichnamigen Stadt in Frankreich, sondern ist eine Abkürzung vom Schweizerdeutschen «Du Luuser».

Die letzten drei Jahre verbrachte der Kater nicht mehr in seiner geliebten Altstadt, sondern vor allem in der Wohnung von Susi Köpfli und ihrem Lebenspartner. Er schlief viel, hatte geregelte Esszeiten, durfte jederzeit auf den Balkon, spielte mit seinen Lieblingsplüschtieren und schaute mit seinen Mitbewohnern am Abend Fernsehen. «Manchmal kommt er näher und schaut uns ganz tief in die Augen. Er hat diesen durchdringenden Blick. Es ist, als ob er unsere Gedanken aufnehmen würde», erzählte Köpfli Anfang letzten Jahres zu dieser Zeitung.

Gibt es eine Beerdigung?

«Oje, oje, oje», würde Mani Matter, selig, nun wohl singen. Gleichermassen, wie der Berner Chansonnier seinen Ferdinand liebte, so hegten auch die Oltnerinnen und Oltner starke Gefühle für ihren Toulouse. Die Nachricht über das Ableben des Stadtoriginals schlug in den sozialen Medien ein wie eine Bombe.

Kondolenzbekundungen, Worte des Mitgefühls und des Danks wurden ausgesprochen. Vom Denkmal über Fahnen auf Halbmast bis hin zur Staatstrauer wird alles in die Waagschale geworfen. Und immer wieder mal taucht die Frage auf: Findet eine Beerdigung statt? Auf die Äste hinauswagen will sich Susi Köpfli partout nicht. Ihr ist der ganze Rummel um ihren Kater eh zu viel. «Toulouse hat mir gehört. Und dir und ihm und ihr. Toulouse hat uns allen gehört.»