Oltner Nachrichten

Der Katholische Presseverein feiert sein 125-Jahr-Jubiläum

So sah die erste Druckerei der Oltner Nachrichten aus.

So sah die erste Druckerei der Oltner Nachrichten aus.

Vor 125 Jahren wurde der Katholische Presseverein als Herausgeber einer Tageszeitung in Olten gegründet. Der KPO verlor seine ursprüngliche Zweckbestimmung blieb aber als Verein bestehen. Er finanziert zum Beispiel kirchliche Gastseiten in anderen Tageszeitungen.

Am 28. März 1895 – also vor 125 Jahren – erschienen erstmals die «Oltner Nachrichten». Diese katholisch-konservative Zeitung erreichte eine Startauflage von 2400 Exemplaren und brachte mit «schwarz» eine neue Farbe in die Oltner Zeitungslandschaft, welche von christ-katholischen Blättern der alt liberalen «grauen» und freisinnig-demokratischen «roten» Richtung geprägt war. Als Herausgeber der «Oltner Nachrichten» zeichnete ein neuer Verein, der Katholische Presseverein Olten (KPO).

Der KPO war Anfang desselben Jahrs durch römisch-katholische Geistliche und Lokalpolitiker aus den Bezirken Olten, Gösgen und Gäu gegründet worden. Als erster Präsident fungierte Josef Lack, Offizier in fremden Kriegsdiensten, Teilnehmer am Sonderbundskrieg 1847 und Gemeindeammann von Rickenbach. Vizepräsident war Richard Büttiker aus Olten.

Büttiker übernahm das Amt des Redaktors und stellte sein Vaterhaus, das Bauernhaus an der Solothurnerstrasse 84 im Oltner Hammerquartier, dem KPO zur Verfügung. Die Redaktion, Setzerei und Druckmaschinen waren in einer einzigen Bauernstube untergebracht. Bis Ende Jahr gewann das wöchentlich drei Mal erscheinende Blatt 1500 Abonnenten.

Der Gründungsredaktor verstarb 57-jährig

Büttiker wurde am 21. November 1854 als Sohn des Lederhändlers Johann Baptist und der Apollonia Büttiker-Grolimund in Olten-Hammer geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Solothurn sowie die Industrieschule in Lausanne, anschliessend wirkte er als Lehrer an der Handelsschule in Neuenburg. 1883 verheiratete er sich mit Elisabeth Müller, der Tochter des Aussenmüllers Martin Müller. Das Ehepaar hatte dreizehn Kinder. 1895 übernahm er die Redaktion der «Oltner Nachrichten». 1896 errang er einen Sitz im Solothurner Kantonsparlament. Richard Büttiker verstarb am 3. Oktober 1901 erst 57-jährig.

Im Jahre 1901 konnte der Katholische Presseverein das Haus an der Ecke Ringstrasse/Solothurnerstrasse 22 aus einem Konkurs erwerben. Der KPO verlegte nun Redaktion und Druckerei der «Oltner Nachrichten» vom Haus Büttiker in den näher bei der Martinskirche gelegenen palazzoartigen Bau. Nach dem Tod von Gründungsredaktor Richard Büttiker 1901 übernahm Friedrich Glutz-Büttiker von Rickenbach die Schriftenleitung der katholisch-konservativen Zeitung. Nach drei Jahren realisierte das Unternehmen an der Solothurnerstrasse einen eingeschossigen Annexbau (heutige Vario-Bar) und richtete dort eine neue grössere Druckerei ein. 1906 liess sich Glutz durch den Fulenbach August Jäggi als Hauptredaktor der «Oltner Nachrichten» ablösen. Jäggi war mit Julia Bertha, der drittältesten Tochter von Richard Büttiker, verheiratet. Unter seiner Leitung wurde das Blatt 1911 zur Tageszeitung ausgebaut.

Am 28. März 1895 – also vor 125 Jahren – erschienen erstmals die «Oltner Nachrichten».

Am 28. März 1895 – also vor 125 Jahren – erschienen erstmals die «Oltner Nachrichten».

Ein weiterer wichtiger Einschnitt geschah mitten im Ersten Weltkrieg. Ende 1915 wurde der Mümliswiler Fabrikantensohn Otto Walter in die Kleindruckerei der «Oltner Nachrichten» berufen. 1921 übernahm er die Offizin als «Graphische Anstalt und Verlag Otto Walter AG», den Zeitungstitel änderte er in «Der Morgen». Drei Jahre später zügelte er die Firma samt Redaktion und Druckerei an den Amthausquai. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine Konsolidierungsphase ein, die Zeitung erschien als Kopfblatt des Luzerner «Vaterlands» mit dem Titel «Solothurner Nachrichten» und ging schliesslich 1997 ganz ein.

Zukunft des Vereins mit 90 Mitgliedern ist ungewiss

Der Katholische Presseverein Olten, der als Herausgeber und breite Trägerschaft eines eigenen Oltner Zeitungsorgans gegründet worden war, verlor durch das Ableben der katholischen Tageszeitung zwar seine ursprüngliche Zweckbestimmung. Er blieb jedoch als Verein bestehen. Der KPO finanziert kirchliche Gastseiten in anderen Tageszeitungen, organisiert Vorträge und unterstützt den Druck von Publikationen.

Während vieler Jahre engagierte sich der Oltner Arzt Christoph Fink für den Verein, seit 1981 im Vorstand und seit 1995 als Präsident. Dank ihm blieb der Oltner Presseverein als einer der letzten katholischen Pressevereine der Schweiz aktiv. Seit Finks Tod im Januar 2020 führt Vizepräsident Peter Felber die Vereinsgeschäfte. An der verschobenen Generalversammlung vom 3. September wurden Jahresbericht, Rechnung und Budget gutgeheissen sowie der Vorstand bestätigt. «Noch ist der Verein lebendig», stellte Peter Felber fest. «Wie es mit dem Verein weitergehen soll, werden die rund 90 Mitglieder 2021 entscheiden.»

An der Generalversammlung 2020 wurde auch die eigentlich bereits im Frühjahr erschienene KPO-Publikation präsentiert: Zum Jubiläumsjahr gab der Presseverein unter dem Titel «Olten entdecken» einen Führer zu den Kirchen, Kapellen und Gebäude von kirchennahen Institutionen heraus, von welchem soeben eine zweite Auflage gedruckt wurde.

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