«Das tut mir echt weh.» Als Rita Ledermann von dieser Zeitung über den Hinschied von Toulouse erfährt, drücken bei ihr die Tränen durch. Die Wirtin der «Waadtländerhalle» habe in letzter Zeit viel an ihn gedacht. Im Restaurant beim Ildefonsplatz hatte der Kater sein festes Plätzchen auf einem gepolsterten Stuhl, gleich rechts neben dem Eingang. «Sass ein Gast darauf, wurde dieser angefaucht», erzählt Ledermann.

Für Toulouse war die Altstadt-Beiz ein zweites Wohnzimmer: War das Wetter schlecht, durfte er sogar im Säli übernachten. Jeweils am Donnerstag, wenn die Jasser dort halt machten und ihre Fleischplättchen bestellten, sass er auf dem Schoss der Spieler und durfte stibitzen. Ledermann weiss in dieser Hinsicht eine weitere Anekdote zu erzählen: Sie war im Keller und putzte, als sich Toulouse auf der Theke in der Gaststube genüsslich über vakuumierte Cervelats hermachte, die der Metzger vorher dort zurückliess. «Ich weiss, auch nicht, wie er es schaffte, ans Fleisch ranzukommen.»

Die Betroffenheit über den Tod des Stadtoriginals war am Donnerstag in den sozialen Medien gross. Verschiedene User posteten ihre Fotos von Toulouse, darunter auch die gewählte Stadträtin Marion Rauber, die in der Altstadt wohnt. «Toulouse ist eine schöne Identifikationsfigur für Olten, das darf man schon ein bisschen zelebrieren», begründet sie die Aktualisierung ihres Facebook-Profilbilds. «Der Kater machte, was er wollte, hatte aber trotzdem etwas Majestätisches an sich.»

Sie kann sich etwa erinnern, dass bei ihr plötzlich die Wohnungstüre aufgegangen und der Kater einfach reingekommen sei. «Er hat es auf unerklärliche Weise immer wieder geschafft, in unserem Altstadt-Haus rein- und rauszukommen.» Übernachtet habe er bei ihr aber kaum.

«König von Olten» ist tot

Der womöglich bekannteste Oltner schleicht nicht mehr im Blumenladen oder im Restaurant herum. Der Stadtkater Toulouse ist mit 17 Jahren gestorben.

Toulouse als «Familienmitglied»

Wie ein «Familienmitglied» war Toulouse hingegen für Stadtvizepräsident Thomas Marbet und seine Partnerin Sabine Probst. Die beiden nannten ihn «Lüsli». Bis vor einigen Jahren wohnten sie oberhalb der «Suteria». Kamen sie abends von der Arbeit nach Hause, tauchte Toulouse nach kurzem Schütteln des Schlüsselbunds jeweils auf und stieg in den Lift. Er schlief dann meistens auf der Chaiselongue oder dem Gästebett. «Mitten in der Nacht kam er dann oft ans Bett und wollte wieder raus», berichtet Marbet über den «eigensinnigen Kater». Dies hielt das Paar nach dem Wegzug allerdings nicht davon ab, später selbst einen schwarz-weissen Kater anzuschaffen.

Durch den Tag vertrieb sich Toulouse die Zeit oft auch bei Esthy Wyss in ihrem Schuhladen Head over Heels an der Hauptgasse. «Wenn es draussen regnete, sass er manchmal stundenlang auf dem grünen Sofa und machte keinen Wank.» Als sie dann jeweils Mittagspause machen wollte, habe sie ihn fast nicht mehr aus dem Laden gekriegt. Natürlich hat Toulouse jeweils auch seine geliebten Kaffeerähmchen erhalten und bis auf den letzten Tropfen schön ausgeleckt. «Er hat schon gefehlt, als er plötzlich nicht mehr kam.»