Niederamt/Region Olten

Der Kanton strebt zwei neue Grundwasserfassungen an

Alle wichtigen Wasserbauten in der Region: im Zentrum der Planung stehen die beiden neuen Wasserfassungen Aarefeld und Schachen und die davon ausgehende Verbindung zwischen Olten und dem Niederamt

Alle wichtigen Wasserbauten in der Region: im Zentrum der Planung stehen die beiden neuen Wasserfassungen Aarefeld und Schachen und die davon ausgehende Verbindung zwischen Olten und dem Niederamt

Das Wasser in der Region Niederamt und Olten soll für die Zukunft gesichert werden. Dafür will der Kanton zwei neue regionale Grundwasserfassungen bauen.

Wasserhahn auf ... und schon läuft das kühle Nass. An jedem Tag, zu jeder Zeit — eine komfortable Situation. Dank der Aare und der Dünnern hat die Region einen schier unerschöpflichen Vorrat an Grundwasser, mit dem der tägliche Bedarf an Wasser gedeckt wird.

Damit dies auch in Zukunft so einfach bleibt, hat der Kanton den Gemeinden ein neues Konzept zur Vernehmlassung vorgelegt.

Momentan sind von Rickenbach bis Erlinsbach insgesamt zehn Grundwasserfassungen und sieben Quellen dazu da, den täglichen Bedarf an Wasser abzudecken. Der Kanton zeigt nun in seiner Planung auf, wie die Wasserbeschaffung in Zukunft aussehen könnte. Dazu sollen unter anderem zwei neue regionale Grundwasserfassungen gebaut werden, um problematische Wasserfassungen ersetzen zu können.

Warum ist das nötig?

Ein wesentlicher Grund für eine Regionalisierung ist die Tatsache, dass im Falle einer Verunreinigung die Versorgungssicherheit trotz Unmengen an Wasser nicht gewährleistet ist. Denn, um die Wasserversorgung sicherzustellen, braucht es die Möglichkeit, von separaten Orten Wasser zu beziehen, die nicht vom gleichen Grundwasserstrom schöpfen (siehe Kontext).

Dies wird in der Region nicht eingehalten. So beziehen Rickenbach, Wangen, Olten, Starrkirch, Trimbach, Hauenstein-Ifenthal und Wisen ihr Wasser von zwei benachbarten Fassungsstandorten im Dünnernstrom. Einzelne Gemeinden sind gar nahezu vollständig von der Gheidfassung im Dünnernstrom abhängig. Die Niederämter Gemeinden beziehen ihr Wasser aus dem Grundwasserstrom der Aare. Eine Verbindung zwischen diesen beiden Wasser-Regionen gibt es nicht.

Aber auch im Niederamt selbst seien heute nicht alle Wasserversorgungen ausreichend vernetzt, um die Versorgungssicherheit in allen Gemeinden zu gewährleisten, erklärt Rainer Hug vom kantonalen Amt für Umwelt. «Wir wollen einen sinnvollen Ausbau für die Zukunft.»

Wasserversorgungsanlagen hätten jeweils eine Betriebsdauer von gut 80 Jahren, darum sei es entscheidend, dass man vorausschauend die richtigen Schlüsse bei der Planung ziehe. Die Planung des Kantons sieht vor, dass die Räume Olten, Niederamt und Aarau vernetzt werden und dass zwei neue Grundwasserfassungen im Niederamt mit erheblicher Leistungsfähigkeit gebaut werden. Dafür werden vier andere über die Klippe springen müssen.

Massiver Widerstand

Einer, der sich im letzten Jahr, als klar wurde, was der Kanton plant, vehement dagegen gewehrt hat, ist Kurt Henzmann. In der Funktion als Präsident der Gemeindepräsidentenkonferenz zeigte er sich vor einem Jahr gegenüber dieser Zeitung wenig überzeugt vom Projekt. Doch im letzten Jahr ist die Gegnerschaft im Niederamt geschrumpft. Dies auch weil der Kanton im Niederamt nicht mehr nur eine einzige grosse Wasserfassung plant, sondern deren zwei.

Doch Niedergösgens Gemeindepräsident Henzmann ist mit der Stossrichtung des Projektes noch immer nicht zufrieden. «Wir erwarten, dass die Grundlagen nochmals überarbeitet werden», stellt Henzmann klar. Vor allem seien technische Details fragwürdig. So seien bei eigenen Messungen der Fassung Düberten keine Mängel festgestellt worden, wie sie der Kanton nun in seinem Bericht erwähnt.

Stüsslingens Gemeindepräsident Marco Wyss stört sich vor allem daran, dass eine neue Leitung in Richtung Lostorf gebaut werden soll. Diese sei nicht nötig. Man sei bereits über die Verbindung mit Niedergösgen an das System angeschlossen. Zudem sei man über die eigenen Quellen gut versorgt. Der Kanton plant aber, dass die Quellen nicht mehr in die langfristige Planung eingebunden werden. «Es geht nicht darum, die Quellen zu schliessen, sondern darum, die Versorgungssicherheit zu garantieren, auch wenn dereinst die Quellen vielleicht weniger Wasser liefern sollten. Bereits heute können die meisten Quellen am Jurasüdfuss in trockenen Monaten nicht einmal den mittleren Wasserbedarf einer Gemeinde decken», sagt Rainer Hug. Stüsslingen stellt auch die Stossrichtung Regionalisierung infrage: «Kleine Gemeinden haben da meist das Nachsehen.»

Diese Ansicht teilt auch Däniken. «Wir stellen uns klar gegen die Regionalisierung, vor allem, weil wir die berechtigte Angst hegen, dass dadurch der Wasserpreis steigen wird», sagt Gemeindepräsident Gery Meier. Für Däniken ist der Bedarf an Wasser fast gedeckt. Hinzu kommt, dass Däniken mit der Verbindung nach Walterswil bereits an zwei unabhängigen Grundwasserströmen angeschlossen ist.

Anders sieht die Situation in Wangen aus. Dort soll die Grundwasserfassung aufgehoben werden; dies vor allem deshalb, weil die Schutzzone nicht mehr gesetzeskonform ist, weil sich die Fassung mitten im Siedlungsgebiet befindet. Doch Wangen möchte weiter mit der eigenen Wasserfassung fahren. Die Bürgergemeinde als Trägerin der Wasserversorgung möchte ihre Autonomie nicht verlieren. «Eine Regionalisierung ist aus unserer Sicht nicht nötig», sagt Stephan Aregger vom Bürgergemeinderat.

Ein grosses Interesse an der Regionalisierung haben die Städtischen Betriebe Olten, die bereits heute einen grossen Teil der Versorgung des Planungsgebietes übernehmen. Sie würden von der Verbindung insofern profitieren, als die Verbindung ins Niederamt die Versorgungssicherheit verbessern würde. Von der Verbindung der beiden Gebiete würden aber alle Gemeinden und sämtliche Wasserbezüger profitieren, ist Rainer Hug überzeugt.

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