Zwischenfall

Der Kakao-Regen von Olten macht auch im Ausland Schlagzeilen

Der Artikel zum «Kakao-Regen im Oltner Industriequartier» löst über 800 Medienbeiträge aus.

Vergangene Woche berichtete diese Zeitung über den «Kakao-Regen im Oltner Industriequartier». Ein Leser meldete sich bei uns, er habe auf seinem Auto vor der Trendsporthalle Momentum eine braune Staubschicht festgestellt. Er vermute, es handle sich um Kakao aus der nahe gelegenen Lindt & Sprüngli-Fabrik. Tatsächlich hat eine nicht korrekt funktionierende Lüftungsanlage mehr Kakao-Partikel an die Umwelt abgegeben als eigentlich üblich, wie eine Anfrage beim Schokoladenhersteller zeigte.

Inzwischen läuft die Anlage wieder normal, doch die Geschichte dazu hat sich inzwischen über die ganze Welt verbreitet und für viel mehr Wirbel gesorgt als die Kakao-Partikel. Über 800 Medienartikel hätte man dazu verzeichnet, heisst es bei Lindt & Sprüngli auf Anfrage. «Direkte Anfragen gab es im Gegenzug jedoch nur vereinzelt.» Man sprach vom «märchenhaften Schoko-Niederschlag» (RTL.de) und verwies dabei auf den guten Ruf der Schweizer Schokolade (Wissen.de).

Auch die Nachrichtenagentur AP nahm den Vorfall in ihre Berichterstattung auf. Darauf bezogen titelte das schwedische «Aftonbladet»: «Deshalb fällt Kakao-Schnee über der Schweiz». Wegen eines «kleinen Defekts» im Kühlsystem in der Ventilation der Fabrik. Wobei von einem Kühlsystem vonseiten Lindt & Sprüngli keine Rede war.

Bei einigen Artikeln war aber eher der Wunsch der Vater des Gedankens: So wird vereinzelt vermeldet, dass es über der ganzen Stadt Schoggi geregnet respektive geschneit hätte («A small swiss town has been covered in chocolate snow», happymag.tv).

Neben dem Umstand, dass Kakao nicht gleich Schokolade ist, sagt der Leser, der uns die vier Fotos seines bedeckten Autos geschickt hat auf Anfrage: «Die Kakao-Partikel waren nur in einem kleinen Umkreis zu erkennen.»  Es sei aber sehr spannend gewesen zu sehen, wie sich die Geschichte entwickelt hätte. «Es wurde ein Klischee der Schweiz aufgeschnappt und die Geschichte aufgeblasen», sagt der Leser, der nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen will. Auch Radioanfragen aus dem Ausland lehnte er ab. «Für mich hat sich die Sache nun erledigt.» Und sein Auto ist inzwischen auch Kakao-frei – er hat es auf eigene Kosten gewaschen.

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