Kindesmissbrauch
«Der Junge und sein Umfeld dürfen sich keine Vorwürfe machen»

Werner C. hat gestanden, den 12-jährigen aus dem Kanton Solothurn sexuell missbraucht zu haben. Welche Auswirkungen haben die Taten auf ein Kind?

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Ihre Erlebnisse hat Sandra mit Zeichnungen verarbeitet

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TeleM1

Per Online-Computerspiel Minecraft lockte Werner C. den 12-Jährigen zu sich nach Düsseldorf. In seiner Dachwohnung missbrauchte er den Knaben sexuell. Ende Juni befreite ein Spezialkommando der deutschen Polizei den Jungen.

Der 35-jährige Hilfskoch hat den Missbrauch gestanden. Ob es weitere Opfer gibt, ist noch unklar.

Alexandra, die ihren richtigen Namen nicht nennen will, wurde in ihrer Kindheit selbst sexuell missbraucht – von ihrem Onkel. Sie kann sich noch heute sehr gut daran erinnern. «Gerüche, Berührungen oder anderes. Das kann ich abrufen, als ob es gestern passiert wäre», erzählt sie gegenüber TeleM1.

Zu jener Zeit sei es ein Spiel, ein Geheimnis gewesen. Sie habe es nicht als etwas Schlechtes eingeordnet. Heute ist ihr aber klar, dass es eine Straftat war. Weil die Taten aber verjährten, konnte ihr Onkel nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

«Erster Schritt im Heilungsprozess»

Beim Jungen aus dem Kanton Solothurn sieht das anders aus. Der Täter ist geschnappt. «Er kann seiner Strafe zugeführt werden», meint Missbrauchs-Opfer Alexandra. «Das ist ein erster Schritt im Heilungsprozess, dass er bestraft wird.»

Der Junge selbst und sein Umfeld dürften sich keine Vorwürfe machen, betont Markus Wopmann, Leiter der Kinderschutzgruppe KSB gegenüber dem Regionalsender. «Er ging ja meines Wissens freiwillig dort hin. Die Schuld muss aber dennoch bei den Erwachsenen bleiben und nicht bei ihm.»

Der Junge besucht wieder die Schule. Die Zusammenarbeit mit Fachleuten funktioniert laut der Schule einwandfrei. (ldu)

(21.09.2016)