Balsthal
Der grosse Fussballverein duldet niemanden neben sich

Die Fussballvereine SC Regio und der FC Klus-Balsthal schaffen es nicht, die Anlage Moos gemeinsam zu nutzen. Warum? Laut der Sportkommission soll es zu «beachtlichen und unüberbrückbaren Differenzen» gekommen sein.

Alois Winiger
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Das Zuhause des FC Klus Balsthal in der Sportanlage im Moos. Hier möchte auch der SC Regio Balsthal zu Hause sein. Hanspeter Bärtschi

Das Zuhause des FC Klus Balsthal in der Sportanlage im Moos. Hier möchte auch der SC Regio Balsthal zu Hause sein. Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Es ist ein Fussballduell der besonderen Art, das sich in Balsthal abspielt. Es hat schon viele Runden hinter sich, die neueste läuft derzeit. Der Sportclub (SC) Regio Balsthal wünscht sich nichts sehnlicher, als auf der Sportanlage im Moos trainieren und Meisterschaftsspiele austragen zu können. Doch das wird dem Verein immer wieder verwehrt. Er hat mehrmals bei der zuständigen Sportkommission Antrag auf Mitbenützung gestellt, aber immer wieder abschlägige Antwort bekommen.

Der jüngste Versuch, die Mitbenützung per Anwalt und einer regierungsrätlichen Rüge zu erzwingen, scheiterte wiederum, diesmal am Entscheid des Gemeinderats (siehe Kontext und Ausgabe vom Dienstag, 29. Januar). Der Anwalt macht geltend, es liege ein Fehler im Entscheidungsverfahren vor, was der Regierungsrat bestätigt. Doch der Gemeinderat beruft sich darauf, der Fehler sei ausgebügelt. Wie verlangt, habe nun zuerst die Sportkommission einen klaren Entscheid gefällt. Und auf deren Begründung hin tat der Gemeinderat dasselbe: «Das Gesuch des SC Regio, die Anlage im Moos mitbenutzen zu können, wird abgelehnt.» Die Anlage sei durch den FC Klus-Balsthal (FCKB, 13 Mannschaften, 2 Frauenteams) voll ausgelastet. Auch wenn es noch ein Zeitfenster gebe, so sei die Gefahr doch zu gross, dass die Felder übernutzt würden.

«Man ist gegen uns»

«Das ist eine fadenscheinige Begründung», sagt der Präsident des SC Regio, Christian Spring. «Der grosse FCKB duldet keinen anderen Verein neben sich. Man ist ganz einfach gegen uns, und zwar von Anfang an.» Dieser liegt im Frühling 2008, als Spring als Präsident zusammen mit Renato Brun als Sportchef den SC Regio ins Leben rief. Sie begründeten dies damit, dass sich beim FC Klus-Balsthal nichts mehr bewegen lasse.

Der damals knapp 100-jährige Verein mischte in den 1980er-Jahren in der 1. Liga mit und spielt nun in der 3. Liga. Ein offenes Geheimnis war aber auch – damals wie heute noch –, dass die Vereinsspitzen das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben. Das bestätigen sowohl Spring als auch Rolf Zysset, beim FCKB zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. «Wenn einer daherkommt und nur fordert, aber Abmachungen nicht ein hält, kommts nicht gut.» Ferner pocht Zysset wie der Gemeinderat auf die zu knappen Platzverhältnisse.

«Unüberbrückbare Differenzen»

Der SC Regio trainiert aktuell auf einem Platz im Mühlifeld. Seine Heimspiele jedoch muss der 5.-Liga-Verein in Aarburg austragen, seit das Mühlifeld vom Fussballverband abgeschrieben worden ist. Einige Monate konnte der SC Regio die Anlage im Moos mitbenutzen. Doch es funktionierte nicht. Die Sportkommission schreibt in ihrer Begründung zuhanden des Gemeinderats, es sei zu «beachtlichen und unüberbrückbaren Differenzen» gekommen, dies sowohl im Moos als auch in den Hallen im Wintertraining sowie an Orten, an denen der SC Regio seine Heimspiele ausgetragen hat. Schiedsrichter seien tätlich angegriffen worden, weshalb der Verein Ordnungshüter anstellen musste. Der Fussballverband inspizierte die Spiele, unter anderem, weil nicht berechtigte Spieler eingesetzt worden seien.

Die Sportkommission kommt zum Schluss: «Das Verhalten des SC Regio und die Vorkommnisse in letzter Zeit decken sich einerseits nicht mit dem Fairnessgedanken der Sportkommission.» Anderseits sei ein Nebeneinander auf einer Anlage nicht möglich und auch nicht verantwortbar. Die Kommission befürchtet, der gesamte Betrieb im Moos könnte «im negativen Sinn» tangiert werden, wie auch der Ruf des FC Klus-Balsthal und Balsthal allgemein.

Noch glüht ein wenig Hoffnung

Trotzdem: Die Sportkommission betont, es sei oberstes Ziel, wenn immer möglich allen lokalen Vereinen die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Die Nachfrage sei aber zu gross, Einschränkungen seien unumgänglich, ferner könne es Absagen geben. Im Gemeinderat glüht noch etwas Hoffnung, dass sich doch noch eine Lösung finden lässt. Immerhin sorgt die Gemeinde beim Trainingsfeld des SC Regio freiwillig für mehr Ordnung. Den Anwohnern zuliebe.