Olten

Der Fremde ist nur in der Fremde fremd

Das Café Philo im Quartierzentrum Cultibo ging der Frage nach wo «das Fremde» beginnt.

Das Café Philo im Quartierzentrum Cultibo ging der Frage nach wo «das Fremde» beginnt.

Das Café Philo im Quartierzentrum Cultibo am Bifangplatz versuchte der Frage nachzugehen, wo «das Fremde» beginnt.

Moderiert von Peter Munz, emeritierter Physikprofessor aus Brugg, diskutierten die Gäste im Café Philo gestern Sonntag über das Thema «Wo fängt das Fremde an?» Mit dem «wo» wäre es vorerst eine graduelle Frage der Distanz. Möglicherweise ist uns bereits Solothurn oder Biel, mehr noch Genf, Paris und Peking fremd. Doch es ist ja nicht die Menge an Kilometer, welche die Trennung ausmacht.

Was heisst hier fremd?

Deshalb ging es zuerst darum, die Bedeutung des Wortes «fremd» zu klären und zu schauen, wie es im Alltag benutzt wird. Das Wort bezeichnet zuerst einmal die andere Herkunft; fremde Sprachen oder fremdes Geld sind vor Ort nicht gebräuchlich. Fremd ist auch etwas, das einem nicht gehört wie fremder Besitz. Fremde Gärten darf man nicht betreten, und was einen befremdet, kann man sich nicht zu eigen machen.

Am häufigsten wird das Wort fremd im Sinn von etwas Unbekanntem gebraucht. Wir bereisen fremde Länder und lernen fremde Menschen mit anderen Sitten kennen. Damit verbunden ist die bereichernde Neugier, Fremdes zu entdecken, Südfrüchte und exotische Gewürze zu geniessen oder gar fremdartige Gericht in die heimische Küche zu integrieren.

Allerdings kann uns das unbekannte, ungewohnte Fremde gleichzeitig auch Angst machen, weil es uns nicht vertraut ist. Deshalb braucht es Mut, etwas Fremdes auszuprobieren,doch es kann aber auch sehr bereichernd sein.

Gemeinschaft grenzt sich ab

Wenn wir in die Fremde gehen oder wenn Fremde zu uns kommen, heisst das immer, es wird eine – staatliche, sprachliche, kulturelle – Grenze überschritten. Damit verbunden sind Gefühle. Diese reichen von Faszination und Reiz des Neuen bis zu Angst vor dem Unbekannten.

Die Identität einer Gemeinschaft misst sich an dem, was Besonderes sie gemeinsam hat, sei das die gemeinsame Sprache, die Kultur oder die Geschichte. Dieses gemeinsame Besondere nimmt sie jedoch nur wahr im Vergleich zum abweichend Anderen. Daraus entsteht der Widerspruch, dass die Gemeinschaft sich zwar vom Fremden abgrenzt, das Fremde aber benötigt wird, um sich der eigenen Gemeinschaft zugehörig zu fühlen.

Ausgiebig diskutiert wurde darüber, wie eine Gesellschaft mit den zuwandernden Fremden umgehen soll. Interessant wäre auch ein Perspektivenwechsel. Früher vielleicht mehr als heute, gingen Schweizer in die Fremde, als Reisläufer oder Auswanderer. Es gibt Situationen, wo auch wir in der Rolle des Fremden sind, es gibt Orte und Momente, wo auch wir uns fremd fühlen.

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