Olten
«Der Film soll keine Beruhigungstablette sein

Peter Bolliger feiert mit seinem Krimi «Todesfall» am Donnerstag im «Palace» Kinopremiere. Statt Glamour muss sich der Zuschauer auf einen Mix aus Spannung,und eine zünftige Portion Mystik sowie auf Irritationen gefasst machen.

Anja Lanter
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Peter Bolliger und sein «Todesfall» ab Donnerstag im Kino zu sehen.

Peter Bolliger und sein «Todesfall» ab Donnerstag im Kino zu sehen.

BRUNO KISSLING

Nein, leichte Kost sei der Film «Todesfall» keineswegs, betont der Oltner Filmemacher Peter Bolliger und fügt verschmitzt lächelnd hinzu: «Er soll keine Beruhigungstablette sein.» Hollywood und seine schillernde, heile Welt sind also weit weg. Statt auf Glamour muss sich der Zuschauer auf einen Mix aus Spannung und Action, einen regionalen Bezug, eine düstere Stimmung gekoppelt mit einer zünftigen Portion Mystik sowie auf Irritationen gefasst machen – strapazierte Hirnzellen nicht ausgeschlossen.

Tröstlich, dass der Inhalt auch Peter Bolliger selbst zum Nachdenken anregt. «Es werden im Film nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch neue aufgeworfen. Nachdem der Film fertig montiert war, diskutierten mein Regieteam und ich noch zwei Stunden über den Inhalt.» Der da wäre? Eine ums Leben gekommene Person, Geheimnisse, die bis in die Vergangenheit zurückreichen, und eine Sage rund um den Oftringer Looweiher, lautet die von Bolliger aufs Minimum geraffte Handlung.

Strenges Regime am Set

Selbst jetzt, kurz vor der Kinopremiere am 23. Oktober, die innert kurzer Zeit ausverkauft war, möchte Bolliger nicht zu viel verraten. Doch eines wird schnell einmal klar: Im «Todesfall» steckt viel Herzblut – sowohl von Bolliger wie auch vom Regieteam und den insgesamt 25 mitwirkenden Schauspielern. Auf die heterogene Truppe von Laien angesprochen, kommt Bolliger sofort ins Schwärmen: «Ich merkte schnell, dass in allen viel Potenzial steckt. Man musste es nur rauskitzeln.» Dies tat er denn auch vom Zeitpunkt des Drehbeginns Ende Dezember 2013 bis Mai dieses Jahres – und zwar auf eine intensive Art und Weise. Dabei wurde niemand verschont: So musste etwa eine von Kindern gespielte Szene sage und schreibe 47 Mal gedreht werden, bevor sie endlich im Kasten war. Dass die zwei Mädchen danach regelrecht geschafft waren, lässt sich unschwer erahnen. «Es schlauchte sie, aber am Schluss ist die Szene dafür supergut rausgekommen», rechtfertigt Bolliger das strenge Regime am Set.

Ein langer Schnauf war also definitiv Voraussetzung für die Mitwirkung vor und neben der Kamera sowie in der Zeit danach, als das Schneiden angesagt war. Rund zweieinhalb Monate hat sich Peter Bolliger dafür Zeit genommen, die Szenen mit der selbst komponierten Musik ergänzt und dem Film noch den letzten Schliff verpasst. Der Geduldsfaden ist den Mitwirkenden auch dann nicht gerissen, als der Zeitplan der Dreharbeiten überschritten wurde. «Ursprünglich waren 17 oder 18 Drehtage eingeplant. Jedoch habe ich die Kälte unterschätzt, was in einer Verlängerung auf 25 Drehtage resultierte. Alle Mitwirkenden haben glücklicherweise Flexibilität gezeigt und sind mitgezogen», freut sich Bolliger.

Mimik ist Qualitätsmerkmal

Dieses etwas misslungene Zeitmanagement ist mittlerweile Schnee von gestern, viel lieber denkt der Filmemacher an die Highlights der Drehzeit. Im Kopf präsent ist ihm insbesondere die filmische Umsetzung der Vergangenheit (im Streifen existieren mehrere zeitliche Ebenen), die anfangs eine regelrechte Knacknuss war: «Lange hing in der Schwebe, wie wir die Vergangenheit gestalten wollen. Dass diese Szenen schlussendlich mit geeigneten Leuten so stark umgesetzt werden konnten, begeistert mich», schwärmt Bolliger und konkretisiert: «Generell ist die Mimik der Schauspieler im Film exzellent und vergleichbar mit derjenigen von Profis.»

Es sei genau diese Ausdrucksstärke, welche die Leute in den Bann ziehen wird, prophezeit Bolliger, der sich selbst als emotionalen Filmer bezeichnet, wovon auch eine gute Portion in den Film übergeschwappt ist: «Mein emotionaler Stil ist unverkennbar und wird die Leute gefühlsmässig packen.» Kurzum: Der Zuschauer soll während exakt 90 Minuten und 30 Sekunden vollends in die filmische Welt eintauchen und – was denn daraus mitnehmen? «Die Mystik», sagt Bolliger bestimmt.

Ob dies so geschieht, wird sich an der baldigen Premiere zeigen. Bolliger jedenfalls blickt mit Vorfreude besagtem Abend entgegen: «Es ist nun an der Zeit, den Film einem Publikum zu zeigen.» Und dann, wie gehts weiter? Mal schauen, so die lapidare Antwort Bolligers. Wer weiss, wo die auf 90 Minuten komprimierten 900 Stunden Arbeit sowie zahlreichen schlaflosen Nächte noch über die Kinoleinwand flimmern werden.

Der Film läuft ab Donnerstag, 23. Oktober, eine Woche lang im Kino Palace Olten.