Fussball
Der FC Olten punktet mit Rumpfteam und einem Mann weniger

Nullnummer im Nachtragsspiel zwischen dem FC Olten und der zweiten Mannschaft von YF Juventus. Ein wichtiger Punkt für die arg dezimierten Oltner, welche den Gegner in Tabelle damit auf Distanz halten konnten.

Raphael Wermelinger
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Der Oltner Tunahan Canik (Bildmitte) sah bereits zum zweiten Mal Rot in der Rückrunde.

Der Oltner Tunahan Canik (Bildmitte) sah bereits zum zweiten Mal Rot in der Rückrunde.

Bruno Kissling

Oltens Trainer George Schifferle stand am Mittwochabend vor einer Herkules-Aufgabe. Ihm fehlten nämlich nicht weniger als sechs Stammspieler: Luca Schifferle, Michele Fazari, Thomas Husi, Mario Simic, Getuar Preniqi und Giovanni Gerardi fielen allesamt aus. Und dies bei einer sowieso schon dünnen Personaldecke.

Im Tor der Oltner stand deshalb erstmals in dieser Saison Buntrint Demaj für Thomas Husi. Auf der Aussenbahn absolvierte Xaver Meyer, der eigentlich zum Kader der zweiten Mannschaft gehört, die kompletten neunzig Minuten. Zudem wurden Hasan Osaj und Mario Panzeri reaktiviert, um doch noch eine konkurrenzfähige Elf auf den Platz stellen zu können.

Juventus mit Ballbesitz, Olten mit Abschlüssen

Das auf einem Abstiegsplatz klassierte YF Juventus II hatte in der insgesamt ereignisarmen Startviertelstunde, die durch das obligate Abtasten geprägt war, mehr Ballbesitz. Abschlüsse verzeichneten aber nur die Oltner: Meyer (6.) und Slishani (11.) verfehlten das Tor. Oltens Rezept waren lange Bälle in den Lauf der alleinigen Sturmspitze Canik oder hohe Bälle ins Mittelfeld auf Osaj, der viele Kopfballduelle gewann und den Ball auch am Boden oft behaupten konnte. Seine Ruhe am Ball war extrem wichtig für das Spiel der Gastgeber.

Es war generell beeindruckend, wie ruhig die Oltner in der Defensive auftraten. Die Bälle wurden auch mal kompromisslos ins Out gedroschen oder die Oltner behalfen sich mit einem Foul, hektisch wurde es in der Hintermannschaft aber nie. Die beste Chance verzeichneten die Oltner in der 31. Minute: Goalie Zivanovic antizipierte Caniks Heber-Versuch allerdings. Die beste Möglichkeit der Gäste in den ersten 45 Minuten war ein Geschenk der Oltner. Eine der ganz seltenen Nachlässigkeiten, ein schwacher Rückpass von Innenverteidiger Browne, bügelte Goalie Demaj aufmerksam aus.

Auch noch Golob verletzt

In der Pause dann die nächste Hiobsbotschaft für FCO-Trainer Schifferle: Aussenvertediger Miro Golob musste verletzt raus, für ihn kam Volkan Gülen ins Spiel. Für den ersten Aufreger der zweiten Hälfte sorgte YF Juventus per Freistoss. Mamudis Schuss klatchte an den Pfosten (49.). Praktisch im Gegenzug kam das Heimteam zu einer Hundertprozentigen: Osaj scheiterte nach Vorarbeit von Canik alleine an Zivanovic.

Wenig später hatte Routinier Osaj seinen Job erledigt und wurde in Person von Mario Panzeri durch den nächsten erfahrenen Mann ersetzt (57.). Panzeri ging in die Innenverteidigung, Iandiorio rückte auf Osajs zentrale Position vor.

Canik fliegt wieder vom Platz

So zumindest der Plan, der keine Zeigerumdrehung später über den Haufen geworfen wurde. Nach einem wilden Vierkampf im Mittelfeld ging Gäste-Spieler Selmoni schreiend zu Boden. Der Schiedsrichter zückte Rot gegen Canik: überhartes Einsteigen mit der Sohle nach oben. Im dritten Rückrunden-Spiel war dies der zweite Platzverweis für den Aussenläufer. Canik ist allerdings auch der einzige Oltner Torschütze in diesem Jahr.

Die Oltner verteidigten in der Folge auch mit einem Mann in Unterzahl sehr geschickt. Sie zogen sich zurück und machten die Räume um den eigenen Strafraum eng. Trotzdem, wenn die Gäste mit Schwung kamen, resultierten auch Torchancen. Und zwar dicke: Kolo in der 62. und Mamudi in der 71. schoben den Ball völlig frei am Gehäuse vorbei. In der 78. Minute schoss Ljmani aus etwas sehr spitzem Winkel weit drüber und in der 80. Minute wurde Ljmani wieder vergessen von den Oltnern. Doch der Joker erfüllte seine Aufgabe auch diesmal nicht und verfehlte das Ziel deutlich.

Olten vergibt Lucky Punch

Die Verzweiflung bei den Gästen war immer mehr spür- und vor allem hörbar. Dies führte zu einer mehr als hektischen Schlussviertelstunde mit einigen Scharmützeln. Gefährliche Vorstösse der Gäste kamen allerdings keine mehr. Im Gegenteil, in der Nachspielzeit vergaben die Oltner sogar noch den späten Lucky-Punch.

Es war der aufgerückte Innenverteidiger Browne, der in der 92. Minute zum Matchwinner hätte avancieren können, doch er scheiterte mit seiner Direktabnahme an Zivanovic. Dieser bewahrte sein Team damit vor dem Super-GAU.

Dank des Punktgewinns konnte der FC Olten den achten Platz in der Tabelle halten und die Verfolger in Schach halten. Sechs Punkte beträgt der Vosprung zum ersten Abstiegsplatz. Am 2. April gastiert der FC Olten beim zwölftplatzierten FC Rothrist zum nächsten Sechs-Punkte-Spiel.

Telegramm

Olten – YF Juventus II 0:0

Stadion Kleinholz. – 120 Zuschauer. – SR: Dos Santos.

Olten: Demaj; Krasniqi, Browne, Iandiorio, Golob (46. Gülen); Hügli (86. Banovi), Slishani, Osaj (57. Panzeri), Mirarchi, Meyer; Canik.

YF Juventus II: Zivanovic; Manca, Marra, Dos Santos, Bétrisey; Kolo (72. Ljmani), Selmoni, Mutter, Giansiracusa; Markaj, Mamudi (84. Carneiro).

Rote Karte: Canik (Foul). – 67. Slishani (Foul), 92. Banovi und Dos Santos (beide Unsportlichkeit). – Verwarnungen: Cornerverhältnis: 0:4.