Den Bauunternehmer Willi Sägesser aus Oensingen, verstorben am 8. Dezember im Alter von fast 94 Jahren, haben viele gekannt – sehr viele sogar. Aber wirklich nahe gestanden sind ihm nur ganz wenige. Vielleicht deshalb war auch gar nicht so bekannt, dass Willi Sägesser eine gleichnamige Stiftung gegründet hat. Durch den Hinweis in seiner Todesanzeige wurde man wieder darauf aufmerksam: «Seine philanthropische Gesinnung lebt in seiner Stiftung weiter. Sie ermöglicht, unverschuldet in Not geratene Menschen mit preisgünstigen Wohnungen oder auch finanziell zu unterstützen.»

Er konnte fast nie Nein sagen

Ganz besonders wichtig sei dem Stifter der Hinweis auf «unverschuldet» gewesen, ergänzt Stiftungsrat Werner Hunziker. «Willi Sägesser hat viel und hart gearbeitet und ist dadurch zu Wohlstand gekommen. Das war allgemein bekannt. Allerdings auch, dass er grosszügig war und fast nicht Nein sagen konnte, wenn er um einen Beitrag angegangen wurde.» Privatpersonen, Vereine und Institutionen gehörten gleichermassen zu den Bittstellern. Bei der Stiftung sei nun ganz klar geregelt, wer Unterstützung bekommen soll. In erster Linie kämen Personen von Oensingen infrage.

Warum eine Stiftung?

Gegründet worden ist die Stiftung im Jahr 2001. Willi Sägesser war unverheiratet geblieben, hatte keine Nachkommen und lebte bis ins hohe Alter mit seiner Schwester Lina zusammen in einem Haus an der Hauptstrasse in Oensingen. Die Beiden machten sich Gedanken über den Nachlass, der mit Bargeld und Landbesitz eine beachtliche Grösse erreicht hatte. «Ein Teil davon soll Menschen zugute kommen, die es nicht so gut hatten wie wir», habe Will Sägesser oft gesagt, weiss Hunziker. Und so flossen schliesslich weit über eine Million Franken in die Stiftung ein. Zum Portfolio gehört ein Mehrfamilienhaus in Oensingen mit mehreren Wohnungen, die, wie erwähnt, in Not geratenen Personen zur Verfügung stehen. Eine der Wohnungen ist sogar so komplett ausgerüstet, dass sie jederzeit als Notwohnung benutzt werden kann.

Der Chef packte selbst mit an

Wer war nun aber Willi Sägesser? «Privat lebte er ziemlich zurückgezogen», erzählt Günter Strehlke, Mitglied des Stiftungsrates und langjähriger Weggefährte. «Bereits als junger Mann ging er für damalige Zeiten einen aussergewöhnlichen Weg. Er schloss eine Ausbildung als Baumeister am Technikum Burgdorf ab.» Vom Vater hat Willi Sägesser dann ein Baugeschäft übernommen und weitergeführt. «Aber er war nicht einfach nur der Chef, sondern hat auf der Baustelle selber mit angepackt. Die Büroarbeiten erledigte er abends oder sonntags.

Willi Sägesser brachte das Geschäft zum Blühen», sagt Strehlke. Dabei sei ihm das Wohlergehen seiner Mitarbeiter sehr am Herzen gelegen. Sich selber habe Sägesser natürlich auch etwas gegönnt, dies aber nicht gross gegen aussen gezeigt. Er segelte sowohl über Schweizer Seen als auch in der Nordsee und über den Atlantik. Fasziniert war er von Autos und Motorrädern, er besass eine beachtliche Sammlung von Oldtimern. Und: Willi Sägesser setzte sich gerne mal an seinen Bechstein-Flügel und spielte darauf vorzugsweise klassische Musik. Aber das wussten nur wenige.