Berufsweltmeisterschaften
Der «Chief Expert» kommt neuerdings aus Olten

Markus Niederer aus Olten ist zum Chefexperten der Sparte Sanitär- und Heizungsinstallateure gewählt worden. Fortan hat er in der Jury bei unklaren und streitbaren Situationen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Urs Huber
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Markus Niederer im seinem Reich bei der Suissetec in Lostorf

Markus Niederer im seinem Reich bei der Suissetec in Lostorf

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Olten – aufgepasst! Der «Chief Expert Plumbing and Heating» geht durch deine Gassen. Seit gut zehn Tagen ist der Oltner Markus Niederer just mit dieser Funktion betraut: Chefexperte nämlich bei den Berufsweltmeisterschaften in der Sparte Sanitär/Heizung. «Ich habe Respekt vor dieser Verantwortung», sagt der 52-jährige Niederer.

Die Wahl zum «Chief Expert» von den in Leipzig anwesenden 26 Experten aus den Teilnehmerländern Europas wie Kanada, Taiwan, Hongkong, Korea oder dem Iran sei für ihn ein Vertrauensbeweis. «Für mich auch ein Zeichen dafür, dass meine Integrität und mein Fachwissen geschätzt und anerkannt wird», so Niederer, der in seiner künftigen Funktion in der Jury bei unklaren und streitbaren Situationen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat.

Und natürlich sei die Wahl auch eine Ehre, so der gelernte Spengler/Sanitärinstallateur, der seit 2002 als Fachlehrer beim Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband (suissetec) in Lostorf arbeitet und seit 2005 als Trainer des weltmeisterschaftlichen Berufsnachwuchses tätig ist.

Berufsweltmeisterschaften finden seit 1973 im Zweijahresrhythmus statt. In der ersten Juli-Woche trafen sich in Leipzig die besten Fachkräfte unter 23 Jahren, um in 46 offiziellen Disziplinen (Berufen) die Meister zu küren. Mehr als 1000 Berufsfachleute weilten dazu in der Musikstadt mit ihrem berühmten Sohn Richard Wagner, wo einst Johann Sebastian Bach während Jahrzehnten wirkte, Felix Mendelssohn Bartholdy das Gewandhausorchester leitete, das erste «Conservatorium der Musik» gegründet wurde oder etwa Robert und Clara Schumann ihre grossen Erfolge feierten.

Erfolge feierten in der ersten Juliwoche aber andere Berufskategorien: Autolackierer, Landschaftsgärtner, Metallbauer, Köche, Mechatroniker, Floristen, Konditoren oder auch Friseure. Mitten unter diesen ambitionierten Berufsleuten: der Oltner Markus Niederer; nicht als eigentlicher Wettbewerbsteilnehmer, sondern in einer Doppelfunktion. Zum einen als Coach des Schweizer Teilnehmers in der Berufssparte Sanitär-/Heizungsinstallateur und – auch als Experte in dieser Disziplin.

Durch die Wahl zum Chefexperten ändert sich im Grunde genommen für Markus Niederer an seiner bisherigen Aufgabe wenig. Er wird weiterhin den schweizerischen Finalisten coachen, der mit ihm an die nächste Berufsweltmeisterschaft in zwei Jahren nach Brasilien reist. Bis dahin gehen noch zweimal nationale Berufsmeisterschaften über die Bühne: jene in St. Gallen (2013) und die in Bern (2014), wo erstmals schweizweit alle Berufsfelder gleichzeitig ihre Meisterschaften austragen.

«Die Inhaber der Podestplätze aus diesen beiden Meisterschaften kommen in die finale nationale Ausscheidung», erklärt der Oltner. Dabei gehe es weniger um manuelle Fertigkeiten. «Die bringen die Finalisten sowieso mit», sagt Niederer. Nein; gecheckt werden dabei hauptsächlich sogenannte Softskills, also weiche Faktoren, auch soziale Intelligenz genannt.

Wie reagiert ein Teilnehmer auf Stress, auf Ablenkung von aussen, Lärm, Irritationen durch Zeitbeschränkungen, fremde Umgebungen und, und, und. Übrig bleibt schliesslich ein glücklicher Sanitär- oder Heizungsinstallateur oder eine glückliche Sanitär- oder Heizungsinstallateurin. Der oder die fliegt mit Coach und Chefexperte Niederer dann nach Südamerika.

Zuvor aber wird der Finalist oder die Finalistin noch ein spezielles Training unter der Ägide Niederers und gemeinsam mit dem Nationalteam SwissSkills zu absolvieren haben. Nebst dem handwerkliche Geschick werden Ausdauer, Umgang mit Stress, Umgang mit Medien und vieles mehr geschult. Rund drei Monate dauert diese Vorbereitung, wozu auch gemeinsame Trainings mit Kandidaten aus anderen Ländern wie Österreich Italien Deutschland Luxemburg oder Grossbritannien gehören, wie Niederer ausführt.

«Die internationalen Berufsmeisterschaften bieten den jungen Berufsleuten eine geeignete Plattform, um sich in ihren Fähigkeiten mit anderen Teilnehmenden aus aller Welt messen und austauschen zu können» sagt Niederer. In Leipzig hat er den jungen Walliser Alessandro Marino gecoacht, welcher den fünften Schlussrang erreichte. «Die Spitze lag ungemein eng beieinander», weiss Niederer.

Entsprechend stolz ist er auf seinen Schützling, der die Reihe erfolgreicher Schweizer Berufsleute in dieser Sparte fortsetzt. Die Ursache dieses Erfolges macht Niederer übrigens am dualen Bildungssystem fest. «Es erfordert Flexibilität und macht erfolgreich», so der Mann, der in seiner Freizeit den Verein «Haus zur Heimat» in Olten präsidiert und sich als Sammler zeitgenössischer Kunst betätigt. «Ich sammle vor allem Werke von Jungkünstlerinnen und Jungkünstlern», sagt Niederer, der also auch hierin dem Nachwuchs verpflichtet ist.

Zudem reist er gerne, vor allem dorthin, wo er noch nie war, wie der erfolgreiche Berufsmann heiter sagt. «Der asiatische Raum ist so etwas wie ein weisser Fleck auf meiner persönlichen Landkarte», erklärt der Oltner, der übrigens nicht zufällig zum Spengler/Sanitärinstallateur wurde. «Das hat bei Niederers Tradition», sagt er lachend. Jedenfalls waren Vater und Grossvater des frisch erkorenen «Chief Expert Plumbing and Heating» bereits in dieser Branche tätig. Tradition verpflichtet eben, macht flexibel und – erfolgreich.

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