Morgen Freitag um 10 Uhr öffnet der Caritas-Markt Olten an einem neuen Standort: Aus der düsteren Winkelunterführung zieht er in ein oberirdisches Ladenlokal am Bifangplatz (Aarauerstrasse 55, Zugang von der Unterführungsstrasse her).

Anlass zum Umzug war zwar die Kündigung des bisherigen Lokals durch den Vermieter. Aber Regula Kuhn, Geschäftsführerin der Caritas Solothurn, ist darüber nicht unglücklich: «Wir haben ein geeignetes Ladenlokal mit grösseren und helleren Räumen gefunden», meint sie. «Der Standort im Bifangquartier ist für unseren Zweck sehr gut. Wir finden es angebracht, dass unsere Kunden sichtbar sind und nicht mehr im Untergrund einkaufen müssen.»

Nur für Berechtigte mit Karte

Der Caritas-Markt – derjenige in Olten ist einer von 23 in der ganzen Schweiz – ist kein Laden wie jeder andere: Er bietet Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs zu Tiefstpreisen für Armutsbetroffene. Das Sortiment geht von Frischprodukten über Grundnahrungsmittel bis zu Hygieneartikeln.

Die Preise im Caritas-Markt liegen deutlich unter denen der Grossverteiler. Einkaufsberechtigt sind aber nur finanziell Benachteiligte: Personen, die Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen beziehen, die sich in einer Schuldensanierung befinden oder Stipendien erhalten. Dies wird im Laden mit einer Einkaufskarte bestätigt, die auf Antrag von sozialen Fachstellen oder durch die Sozialberatung von Caritas Solothurn ausgestellt wird.

Neu: Secondhand-Kleider für alle

Im neuen Ladenlokal gibt es aber auch eine Neuheit: Ein Secondhand-Corner mit Damen-, Herren- und Kinderkleidern in guter Qualität zu sehr günstigen Preisen. Dafür ist die Einkaufskarte nicht nötig. Im Secondhand-Corner kann jedermann Kleider kaufen, aber auch gut erhaltene und saubere Kleider spenden. Dazu soll eine kleine Bistro-Ecke Begegnungen im Laden ermöglichen.

Der Caritas-Markt in Olten wurde im Jahr 2009 eröffnet. Ladenleiterin ist seit April Manuela Robert. Unterstützt wird sie von einer Verkaufsmitarbeiterin und einer Attest-Lehrtochter, dazu von einem Team mit sechs Freiwilligen. Nach Auffassung von Geschäftsführerin Regula Kuhn ist der Caritas-Markt in Olten ein Bedürfnis; auch im Vergleich zu anderen Caritas-Märkten in der Schweiz laufe er gut. Im letzten Jahr hat der Umsatz nach Angaben von Caritas Solothurn 308 000 Franken betragen, und es wurden knapp 27 000 Kunden und Kundinnen gezählt.

Caritas Solothurn blüht wieder auf

Dass der Caritas-Markt in Olten jetzt quasi aus dem Untergrund ans Tageslicht auftaucht, ist fast schon symbolisch für Caritas Solothurn überhaupt. Nach einem finanziellen Debakel hatte Caritas ihre Geschäftsstelle in Solothurn Ende 2004 geschlossen und ihre professionellen Aktivitäten im Kanton weitgehend eingestellt. Der Verein blieb allerdings auf ehrenamtlicher Basis immer bestehen. Im Februar 2004 feierte er mit der Eröffnung des Caritas-Markts in der Oltner Winkelunterführung ein bescheidenes Comeback.

Jetzt scheint Caritas auf dem Weg, im Kanton Solothurn wieder richtig Fuss zu fassen. Das zeigt sich auch an den zwei neuen Angeboten der freiwilligen Sozialberatung in Solothurn und der KulturLegi.

Zusammengehen mit Aargau

«Bis jetzt lief Caritas Solothurn auf Sparflamme», berichtet Geschäftsführerin Regula Kuhn. Im Rahmen eines Strategieentwicklungsprozesses sei der Bedarf geklärt worden. «Caritas Solothurn arbeitet jetzt eng mit Caritas Aargau zusammen.» Kuhn selbst ist Co-Geschäftsführerin von Caritas Aargau und führt seit Juni 2012 die Caritas Solothurn in einem Mandatsverhältnis.

Aktuell beschäftige Caritas im Kanton Solothurn Personen im Umfang von 2,5 vollen Stellen: Im Caritas-Markt, in der Sozialberatung sowie in Geschäftsleitung und Administration.