Die Zuhörer lassen sich von dieser spontanen Welle erfassen, die von einem Text erzeugt wird, der von grottig bis grossartig vieles sein kann. Die Welle spült durch den Raum, man selbst spült das Gehörte mit einem kräftigen Schluck Bier runter, johlt, buht, egal: Hauptsache, es geht ab. Ja, der eigentliche Reiz an einem Slam liegt darin, dass Stimmung aufkommt wie an einem Clubkonzert.

Sprachwitz und Witzlosigkeit

Nicht anders war das am 11. «laut & deutlich»-Trilogiefinale in der vollbesetzten Oltner Schützi. Die Band Infinite Hills aus Thun machte im Vorfeld schon gute Laune, die der erste der Poeten noch weiter zu heben wusste: Hanz aus Stuttgart mit seinem «Plädoyer für alternative Lebens- und Liebesformen». Als Freund des Ausspruchs «Drum prüfe, wer sich ewig bindet» mietete er sich in einer Pension gegenüber der Wohnung eines frischvermählten Paars ein. «Um zu schauen, wie lange die Liebe hält.» Sie schmeisst heimlich Swingerpartys, er verschickt Nacktselfies, Hanz’ Fazit: Da haben sich zwei gefunden. 37 von 50 möglichen Punkten gab ihm das Publikum dafür.

Sprachwitz versprühte die Tirade des Heidelbergers Daniel Wagner «gegen die Salamisierung des Abendbrots». Seine Botschaft («Das Brot ist voll!» «Wollt ihr den totalen Brie?»): «dass Faschismus immer Käse ist.» 43 Punkte. Ganz gut eigentlich, folgte nun zur Abwechslung eine sehr moderate Nummer von Team SMS. Das Duo erzählte von einem misslungenen Banküberfall, den es mit den Worten ankündete: «Wir wollten einen gesellschaftskritischen Text schreiben, aber er wurde nur sehr, sehr dumm.» Nun ja, da lagen die beiden wirklich nicht so falsch. Generöse 27 Punkte für einen Text, der nichts konnte.

Schweizer Meister holt Sieg

Unter den Beiträgen der neun Kontrahenten stach auch jener von Remo Zumstein heraus, der mit dem Mitmach-Chorus «aber mer laht d Lüt zersch la usstiege» das Publikum erheiterte. Renato Kaiser holte die höchste Punktzahl (47) des Abends mit einer Abhandlung übers Scheitern beim Parkieren. Tiefschwarz und höchst komisch wurde es bei Patti Basler, der einzigen Frau in der Runde.

Nicht unverdient, aber durchaus nicht ausser Konkurrenz gewann Renato Kaiser den Slam-Abend in der Schützi. Sein Name zählt inzwischen doch zu den bekannteren in der Slam-Szene, das mag in der Bewertung des Publikums eine Rolle gespielt haben. Seine Textsalven wie aus der Pistole geschossen sind zumindest nicht jedermanns Sache. Eigentlicher Sieger des Abends war indes ein anderer: Remo Zumstein, amtierender Schweizer Meister im Poetry Slam, der den Trilogie-Sieg einfuhr.