Der Biber ist zurückgekehrt. Über Jahrhunderte war er eine Beute der Jäger und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Schweiz vollständig ausgerottet. Noch 1993 gab es im Kanton Solothurn keine dieser Nagetiere, obwohl sie in mehreren Kantonen ausgesetzt worden waren und Familien gegründet hatten.

Erst 2005 bezog ein Biber im Oltner Chessiloch sein Quartier und schloss die Lücke zwischen den Beständen in der Nordost- und Westschweiz. Drei Jahre später wurden im Kanton Solothurn bereits 93 Biber gezählt.

Inzwischen hat sich ihre Zahl verdreifacht, heute leben rund 250 bis 300 Exemplare von «Meister Bockert», wie er in den Tierfabeln genannt wird, in der Aare und ihren Zuflüssen.

Im Jahre 2005 realisierte das Naturmuseum Olten (NMO) zusammen mit dem Naturmuseum des Kantons Thurgau (NMTG) eine Biberausstellung. Anschliessend ging sie auf Reisen. Nun, elf Jahre und fünfzehn Stationen im In- und Ausland später kehrt die Wanderausstellung nach Olten zurück.

Die Ausstellungsmacher Peter Flückiger, Leiter des NMO, und Hannes Geisser, Direktor des NMTG, frischten selbstverständlich die gezeigten Objekte auf und aktualisierten die Texte. Ein Highlight aber ist immer noch der Film über den Biber, der zufällig genau im Jahr der Ausstellungseröffnung 2005 sich in Olten niederliess.

Peter Hohler, ein Naturfilmer aus dem Fricktal (und nicht ein Bruder von Franz Hohler) hielt das nächtliche Treiben des ersten Oltner Bibers auf der verschneiten Aareinsel im Chessiloch mit einer Infrarotkamera fest.

Nachtaktiver Besucher

Der Biber ist nachtaktiv. Deshalb bekommt man ihn selten zu sehen. Sichtbar aber sind seine Spuren. Als der Nager in unsere Gegenden zurückkehrte, waren grosse Teile seines Lebensraumes bereits durch den Menschen besetzt – er traf eine Kulturlandschaft mit intensiver Land- und Forstwirtschaft samt dichtem Verkehrsnetz an.

Der Biber ist Vegetarier. Er frisst Baumblätter und Zweige sowie Rinden von Weiden und Pappeln. Auch verachtet er Früchte wie beispielsweise Äpfel nicht. Zudem benötigt er Äste als Baumaterial. Da der Biber nicht klettern kann, fällt er eben ganze Bäume, um an seine Rohstoffe zu kommen.

Wenn der Pegel seines Wohngewässers schwankt, errichtet er überdies einen Damm, damit die Eingänge in die Bauten unter den Wasserspiegel zu liegen kommen. Die Stauung bewirkt aber Nässe in der Umgebung. Die Schäden am Kulturland und an den benagten Bäumen sind nicht zu übersehen.

Baumeister Biber gehört zu jenen Tieren, welche ihren Lebensraum aktiv gestalten und umbauen. Davon profitieren aber auch zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Die gefällten Bäume geben Licht frei und fördern die Vielfalt am Boden. Die Dämme schaffen Wasserflächen, von denen Libellen, Insekten, Amphibien und sogar Fische leben können.

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Nebst der Freude über die Rückkehr des drolligen Pelztiers birgt seine Anwesenheit Konfliktpotenzial. Das liegt in der Natur der Sache.

Die von uns allen gewünschte «intakte» Umwelt zeichne sich eben vor allem durch eines aus: durch ihre Unkontrollierbarkeit – brachte es Hannes Geisser in der Begrüssungsansprache auf den Punkt. Diese vertrage sich allerdings nur schlecht mit den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen.

Dabei sei gerade diese Unkontrollierbarkeit der Motor von natürlicher Dynamik. Geisser brach eine Lanze für ein breit abgestütztes Bibermanagement mit Verhütung von Schäden oder aber deren Vergütung sowie mit Information wie ebendiese Biberausstellung.

Zeichnungen im Treppenhaus

Im Treppenhaus des Naturmuseums sind wunderbare Zeichnungen des Biber-Illustrators Ueli Iff zu sehen. Die Wappen an der Museumsfassade wurden vom Heilpädagogischen Schulzentrum Olten (HPSZ) unter Leitung von Annelies Elsenberger und Doris Helbling gestaltet.