«Alle Billette ab Olten vorweisen bitte», tönt eine Stimme durch den Zug. Die Pendler zücken die Generalabonnements, Ausflügler ein Tagesticket und Touristen eine ganze Mappe voller Billetts für alle Verbindungen der nächsten zwei Wochen.

Teilweise müdes Nicken, freundliches Lächeln, oft auch ein «Grüezi» und ein «Danke». Für viele ist der «Kondukteur» einfach Kontrolleur der Fahrausweise, für andere ist er Hilfe in Not.

Während andere wegen des Berufs pendeln, pendelt er als Beruf. Die ganze Schweiz ist sein Arbeitsplatz, der Zwischengang des Zugabteils sein Büro und die Passagiere auch immer ein wenig seine Mitarbeiter.

«Heinz Hunziker — Reisezugbegleiter», steht auf dem Schild des Mannes, der die Billette der Passagiere mit geübten Handgriffen kontrolliert. Der heute 57-Jährige ist froh, dass er vor sieben Jahren beruflich umsatteln und bei den SBB eine Zweitausbildung absolvieren konnte.

Vorher war er im grafischen Bereich als Sachbearbeiter tätig. Nun sei die ganze Schweiz sein Arbeitsplatz und er lerne immer wieder spannende Leute kennen.

Auskunft für Passagiere

Der Tag eines Reisezugbegleiters fängt teilweise früh an. Meistens in Basel, von wo aus der Kappeler startet. Vor der ersten Fahrt begutachtet Hunziker mit seinem Kollegen jeweils den Zug. Dabei werden die Bremsen kontrolliert, die Lampen geprüft und die Batterien gecheckt. Erst nach diesem Durchlauf ist der Zug startklar.

In der ganzen Deutschschweiz und der Romandie ist Hunziker einsetzbar. Nur ins Tessin fahre er nicht. «Man muss halt schon sprachkundig sein», sagt er dazu. Schliesslich bestehe die Arbeit aus mehr, als nur Billetts zu kontrollieren. «Deswegen heisst es auch Zugbegleiter und nicht mehr nur Kondukteur», meint Hunziker schmunzelnd.

Es gehört auch zu seinen Tätigkeiten, Auskunft zu geben und Hilfestellung zu leisten. Deshalb sei es auch wichtig, dass die Passagiere die Begleiter zu Gesicht bekommen. Vor allem am frühen Morgen zu den Stosszeiten sei es teilweise schwierig, alle Reisenden zu kontrollieren. Deshalb werden diese Reisezeiten mit Servicegängen überbrückt. «So wissen die Passagiere immer, an wen sie sich wenden können», erklärt der Kappeler.

Arbeiten wo andere Reisen

Zu den ruhigeren Zeiten kann Hunziker die Pausen in den Zwischengängen der Züge nutzen. Dabei liest er die internen News oder checkt seine E-Mails. Eben das, was andere normalerweise in ihren Büros machen.

Statt eines Bildschirms hat er jedoch sein Smartphone in der Hand. Dieses ist mit vielen technischen Fertigkeiten ausgestattet, um die Fahrt und die Kontrollgänge zu erleichtern. Anhand diesen kann der Zugbegleiter schnell auf Informationen über Zugverbindungen oder Störungen zugreifen. «Je schneller ich die Infos habe, desto schneller haben sie dann auch die Passagiere», sagt Hunziker dazu.

In einer anderen App können die Zugbegleiter auch die Zahl der Pendler in einem Abteil zwischen gewissen Strecken erfassen und womit die Auslastung der Züge im Online-Fahrplan ersichtlich wird.

Mehr als eine Zweckgemeinschaft

Mit diesen pflegt Hunziker teils eine freundliche Beziehung, teils aber auch eine reine Zweckgemeinschaft. «Einige wollen einfach nicht gestört werden», sagt er dazu. «Das muss man zur Kenntnis nehmen.»

Entweder sind die Pendler morgens noch im Halbschlaf oder abends müde von der Arbeit. «Viele Leute hat es zu den Pendlerzeiten sowieso immer», sagt Hunziker lachend. Die Spätschicht habe er aber trotzdem lieber. Er sei ein Nachtmensch. «Dann kann ich den freien Morgen auch nutzen, um Velofahren zu gehen.»

Die Schichten wechseln sich immer ab, obwohl der Kappeler meist einen fixen Ablauf hat. So arbeitet Hunziker teils eine Spätschicht und fährt in Richtung St. Gallen, dann wieder eine Frühschicht in Richtung Chur. Diese Touren werden jeweils für ein ganzes Jahr vorausgeplant.

Weil die Zugbegleiter aber oft auch die gleichen Strecken fahren, sähen sie immer wieder dieselben Pendler. So kämen Zugbegleiter und Passagier ins Gespräch. Hunziker lernt dank seinem Beruf nicht nur die ganze Schweiz, sondern auch seine Passagiere besser kennen.

Nicht alle sind jedoch auf flüchtige Bekanntschaften aus. «Wir grüssen immer freundlich und schauen dabei jedem Passagier in die Augen», erzählt Hunziker weiter. «Da fällt es schon auf, wenn jemand nicht zurückgrüsst oder lächelt.»

Aber das müsse man behandeln wie Göschenen—Airolo, da rein, da wieder raus. «Meistens erhalte ich aber das zurück, was ich aussende.» Und das ist in seinem Fall ein Lächeln für jeden Passagier.