Zehn angesagt, acht gemacht, macht eine Differenz von zwei. Keine schlechte Leistung, wären wir beim Jassen und nicht einen Abend lang den Oltner Bars gefolgt. So aber bleibt ein fahler Nachgeschmack und dies nicht nur wortwörtlich am Morgen danach. Wir haben es nicht in alle Bars geschafft, die auf unserer, zugegeben völlig willkürlichen, Liste standen. Bei einigen konnten wir nichts dafür, weil sie entweder Sommerpause hatten oder aber wie die «Baroque-Bars» neben dem Terminus viel zu früh dichtmachten. Halb zwei ist ja noch keine Zeit. Doch alles schön der Reihe nach.

«Aarebistro» zum Start

Welche Bars muss man in Olten unbedingt besuchen? Welche haben einen guten Ruf, sind aber eigentlich gar nicht das Gelbe vom Ei? Diesen Fragen wollten wir, das heisst sechs Mitglieder der OT-Redaktion, nachgehen. Und zwar gemeinsam und an einem Abend. Da ist klar, dass wir nicht alle Bars berücksichtigen konnten. Dass da einige aus dem Raster fielen, liegt dabei in der Natur der Sache. Entschuldigen wollen wir uns trotzdem bei den Bars, die es nicht in die Kränze geschafft haben. Das hat nichts mit der Qualität der Bars zu tun, mitnichten. Aber acht Bars sind genug für einen Abend.

Wie könnte man einen solchen Abend besser beginnen als mit was Kühlem im «Aarebistro»? Und darum war dies auch unsere erste Station. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass man dort noch etwas zu Beissen bekommt. Und zwar auch für die drei Vegetarier im Bunde, denn die mussten schliesslich auch etwas Boden schaffen für den langen Abend. Also hingesetzt, das erste Bierchen bestellt und etwas gemampft.

Das Redaktionsteam im «Aarebistro». Und ja, es hat geblendet.

Das Redaktionsteam im «Aarebistro». Und ja, es hat geblendet.

Danach gings ab ins nahegelegene «Galicia». Den Lärm der Gäste um uns herum im «Aarebistro» tauschten wir gegen den Strassenlärm an der Aarauerstrasse. Das leckere Drei-Tannen-Bier half, darüber hinwegzusehen. Und wir hätten ja auch reinsitzen können, darum wollen wir hier nicht jammern. Und die Gespräche wurden langsam gehaltvoller: Und was hörten die verwunderten Redaktionsohren aus dem Mund einer Nicht-Vegetarierin? Obergärig sei das eine Bier. Eine Bierconnaisseurin auf der OT-Redaktion? Sachen gibts.

Und Sachen gabs dann auch in der «Mazze-Bar». Dort wo einem der Ostschweizerdialekt vom Chef persönlich um die Ohren geschlagen wird. Dafür bediente er uns auch noch gleich. Empfahl der Weintrinkerin im Bunde einen Schaffhauser Weissen und gab uns noch einen gut gemeinten Rat auf den weiteren Weg: «Trinkt nicht durcheinander. Bleibt beim Alkohol.»

Anstossen mit Oltner Drei Tannen Bier.

Anstossen mit Oltner Drei Tannen Bier.

Dumpfe Bässe und ein Geheimnis

Diese weisen Worte sollten für einen Teil der Redaktionsgruppe das Motto des Abends werden. Im Nachgang gesehen, vielleicht nicht die allerbeste Idee. Da wir an einem Freitag unterwegs waren, der auch noch der Letzte im Monat war, empfingen uns dumpfe Basslaute vor dem «Gryffe». Es war «City Lounge». Und hier konnten wir bei einem weiteren Bierchen ein Geheimnis lüften. Denn den ganzen Abend sind wir praktisch alleine in den Bars rumgesessen, andere Gäste waren kaum zu sehen.

Wo waren denn all die Leute hin? Die Fantastilliarde Menschen vor dem «Gryffe» brachte uns das Vertrauen ins Ausgangsvolk der Stadt Olten wieder zurück. Eine kurze Verbrüderung mit der SVP-Ortsparteispitze später fanden wir uns im «Sisième», hoch über den Dächern der Stadt, wieder. Und hier bestellten wir auch den ersten Cocktail des Abends. Die Gespräche wurden derweil, zumindest in den Köpfen, im Ansatz noch etwas tiefgründiger. Einige dachten sich wohl, dies werde wieder besser, wenn sie sich ein Zwischencocacola gönnen würden. Was natürlich nicht der Fall war.

Ein Stillleben. Morgens um 3 Uhr.

Ein Stillleben. Morgens um 3 Uhr.

Und dann doch noch: Tanzen

Angefixt durch den ersten Cocktail des Abends, wollten wir uns im «Stadtmix» einen weiteren gönnen. Merklich angeheitert, doch durch eine Portion Nachos gestärkt und mit den besten Wünschen des «Stadtmix»-Chefs ging die Odyssee weiter ins «Paraiba». Oder eben nicht, denn die Nachos waren für einige dann doch etwas zu wenig, als dass das kleine Hüngerchen gestillt werden konnte.

Baarkeper in der «Stadtmix»-Bar am Werk

Baarkeper in der «Stadtmix»-Bar am Werk

Also ein kurzer Abstecher in den «Pino», und dann ab ins «Paraiba», wo uns ein süsslicher Duft entgegenwehte. Und drinnen etwas 90er-Mucke. Oder so. Mitgetanzt und -gegrölt wurde alleweil.

In Erinnerungen an die eigenen Kindheits- oder Partyzeiten schmolz die Zeit wie der Schaum auf den irischen Bieren. Das vorher erwähnte Gerüchlein zog offenbar auch die Staatsmacht an. Doch mit uns tanzen wollten die beiden Polizisten, welche das «Paraiba» spätabends (oder wars schon morgens?) in offizieller Mission besuchten, nicht.

Wir liessen uns derweil nicht beirren, trinken ist schliesslich keine Straftat, und tanzten weiter. Leider verloren wir neben der Zeit auch etwas die Trinkdisziplin aus den Augen und so trank ein Teil der Gruppe noch eins, zwei mehr. War aber auch schweisstreibend, dieses Tanzen.

urchgeschwitzt, aber in wohliger Selbstzufriedenheit wollten wir danach noch in die «Baroque Bars» des «Terminus». Die machten aber gerade die Schotten dicht.

Also runter in den Untergrund. Ein letzter Caipi musste drinliegen. Und hier im «Latino» gefiel es nun auch dem Zürcher Redaktionseinkauf endgültig. Bis dorthin waren die Bars der Madame zu wenig speziell – vom «Galicia» mal abgesehen. So sassen wir nun in einer Ecke, bestaunten das Treiben an der Bar, schlürften die Caipis vor uns auf den Tischen und nahmen langsam den Geruch der Plastikpolster in den Kleidern auf. Einige wurden hier dann auch merklich lauter, andere wiederum leiser und so verging die letzte halbe Stunde wie im Flug.

Zwei Tipps für Ausgangswillige

Fazit des Abends: Olten hat an Bars einiges zu bieten. Auch wenn jetzt nicht die grösste Clubdichte der Schweiz vor Ort zu finden ist, die Bars trösten bei weitem darüber hinweg. Und tanzen geht ja auch im «Paraiba» oder bei Mazze. Und wie erwähnt, es gäbe noch andere.

Zwei kleine Tipps noch zum Schluss: Schaut euch an, welche Bar uns am besten gefallen hat, und vielleicht seht ihr davon ab, alle Bars an einem Abend zu besuchen. Euer Kopf wird es euch danken.