Wer eine Lehre zu absolvieren gedenkt, der ist – Hahn im Korb. Denn der «Kampf um Talente», wie sich die Organisatoren der Berufsinformationsmesse (BIM) ausdrücken, ist nicht nur um Fachkräfte, sondern bereits um Schulabgängerinnen und -abgänger entbrannt. Um Vertreterinnen und Vertreter der geburtenschwachen Jahrgänge buhlt die Wirtschaft; und zwar in fast allen Sparten. Der Rückgang an Schulabgehenden wird gemäss Statistiken noch mindestens bis ins Jahr 2018 anhalten. Hochzeit also für alle Schülerinnen und Schüler, die sich für eine Berufslehre interessieren.

Dies sind die äusseren Merkmale, unter denen die gestrige Eröffnung der BIM stand. Rund 7000 Besuchende aus der Region Aareland und dem Oberaargau werden erwartet, wie Urs Blaser von der Wirtschaftsförderung Region Olten gestern meinte. «Die letzte Klasse hat sich erst vor Kurzem erkundigt, ob der Besuch trotz vergessener Anmeldung noch drinliegt», erzählt er. Natürlich liegt er drin. Und auch unter den Ausstellern gibts dem Vernehmen nach immer wieder Spätentschlossene. Blaser nickt. «Auch für diejenigen finden wir Platz», fügt er hinzu.

Mint-Fächer

Zur gestrigen Eröffnung gehörte ein kurzer Vortrag von Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer. «Vor 10 Jahren hätte man sich nicht vorstellen können, dass Betriebe händeringend nach Auszubildenden suchen würden», so Probst. Nun ists so weit. Das Ausmass nehme schon fast bedrohliche Ausmasse an. Allerdings trifft der ausgetrocknete Markt an Auszubildenden nicht für alle Branchen zu. Aber besonders betroffen davon: die Branchen des Maschinenbaus und die Präzisionsindustrie. Die Gründe dafür – unterschiedlichster Art.

Zum einen die demografische Entwicklung, zum andern eine gewisse Vernachlässigung der sogenannten Mint-Facher, ein Initialwort, hinter dem sich die Begriffe Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik verbergen. «Mittlerweile arbeiten wir auch an Projekten, um gut ausbildete Solothurnerinnen und Solothurner wieder nach Hause zu holen», so Probst. Rund die Hälfte der Betriebe im Kanton nämlich würden an Fachkräftemangel leiden. Und um die Berufswelt grundsätzlich zu popularisieren, sei zudem die Aktion «Rent a Boss» ins Leben gerufen worden. «Wichtige Wirtschaftsvertreter kommen dabei in die Klassen und stellen sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler», so Daniel Probst.

Eröffnung durch Remo Ankli

Die Eröffnung der siebten Ausgabe der BIM dann gehörte ins Ressort von Bildungsdirektor Remo Ankli. Allerdings fiel dessen Aufgabe auch in den Kompetenzbereich von Jinn-Bot, einem menschenähnlichen Roboter. «Es kommt noch so weit, dass Regierungsräte durch Roboter ersetzt werden», so ein gut gelaunter Ankli beim Eröffnungsakt. Jinn-Bot übrigens ist das Produkt der erst im August gegründeten Robotik-Firma Jinn-Bot Robotics aus Vogelsang, die sich mit Robotic-Produktionsmethoden, Sensorik und Anwendungen für Ausbildungs- und Experimentierzwecke beschäftigt. Um es ein bisschen einfacher zu machen: «Wir sind so etwas wie die neuzeitliche Auflage von «Fischer Technik», meinte deren CEO Roger Seeberger. An der Messe hofft er vor allem darauf, Kontakte hinsichtlich des Ausbildungs- und Experimentierangebots machen zu können.

Ab heute gehört die BIM aber fast ausschliesslich den künftigen Berufsleuten. «5000 Schülerinnen und Schüler haben sich angemeldet», so Blaser, «2000 weitere Gäste erwarten wir bei den Familienbesuchen, wenn sich Jugendliche in Begleitung ihrer Eltern an der Messe informieren wollen.» Blaser ist mit dem Echo zufrieden. «7000 Besucher, das ist eine schöne Zahl.» Und die Messe bietet jenseits der gängigen Berufsmodelle auch noch Einblick ins Feld der sogenannten Kleinstberufe. Wer Interesse am Küferberuf hat, an der Tätigkeit eines Seilbahnmechatronikers oder dem des Geigenbauers, ist auch im Zeitalter von Jinn-Bot in der Stadthalle nicht am falschen Ort. Über 20 Berufsbilder aus diesem Segment sind in Olten zu Gast.