Mit dem Haftantrag wurde publik, dass die deutschen Behörden nicht nur von einer Entführung mit Geiselnahme ausgehen. Die Ermittler haben auch den Verdacht, dass der Junge sexuell missbraucht worden sein könnte.

Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft bestätigt in einer Pressemitteilung, dass Werner C.* sexueller Missbrauch, Freiheitsberaubung, Entziehung Minderjähriger, sowie der Besitz kinderpornographischer Schriften vorgeworfen werden. Heute Montagnachmittag wird der 35-jährige Werner C. dem Haftrichter vorgeführt. 

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft betont, dass noch nicht klar sei, ob der Junge tatsächlich sexuell missbraucht worden sei. In dem Haftantrag würden alle Eventualitäten berücksichtigt. Laut Düsseldorfer Polizeisprecher Markus Niesczery wolle man «allein schon wegen den Umständen» des Verschwindens nichts ausschliessen.

Die Polizei hatte den Knaben in der Nacht auf Sonntag in der Wohnung des Deutschen aufgefunden. Er war äusserlich unversehrt und ist wieder bei seinen Eltern.

Der mutmassliche Entführer ist Deutscher, von Beruf Hilfskoch und lebt seit einigen Jahren in Düsseldorf. Der 35-Jährige wird verdächtigt, für das Verschwinden des Kindes aus Gunzgen vor gut einer Woche verantwortlich zu sein. Werner C. war aufgrund eines von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erwirkten Haftbefehls festgenommen worden, wie ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mitteilte.

Gemäss Medienberichten ist der Mann wegen kleinerer Vermögensdelikte vorbestraft. Wie «Express» meldete, beobachteten Nachbarn, dass der 35-Jährige Kinder mit in seine Wohnung nahm, um «mit ihnen zu spielen».

Der Deutsche Oberstaatsanwalt Alexander Badle sagte gegenüber dieser Zeitung: «Im Moment konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Jungen aus der Schweiz. Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass weitere Kinder betroffen sind.»

Die Düsseldorfer Ermittler müssten jetzt klären, was in der Wohnung passiert sei, sagte der Polizeisprecher Markus Niesczery. Die Solothurner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Entführung.

Zentral ist für die Ermittler nun etwa die Frage, wie der Junge überhaupt nach Deutschland gereist ist. Der Düsseldorfer Polizeisprecher Markus Niesczery bestätigt auf Anfrage: «Wir wissen mittlerweile, wie er nach Düsseldorf kam.» Weil es sich dabei um Täterwissen handelt, könne man dazu nicht mehr sagen. Der mutmassliche Täter Werner C. werde derzeit noch einvernommen. Gemäss Staatsanwaltschaft kam der Knabe über ein Internetspiel mit dem Mann in Kontakt. (az/sva)

 * Name der Redaktion bekannt

(27.06.2018)