Olten
Der 1. Mai in Olten – ganz im Zeichen des Mindestlohns

Die Mai Feier in der Oltner Schützi kannte (fast) nur eine Richtung: 4000 Franken im Monat müssen es sein.

Urs Huber
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Der 1.-Mai-Marsch in Olten stand für «Gute Arbeit. Mindestlohn.» und gute Laune.

Der 1.-Mai-Marsch in Olten stand für «Gute Arbeit. Mindestlohn.» und gute Laune.

BRUNO KISSLING 079 6037010

«Junge, du fragst hier die Falschen», sagt der Mann auf der langen Festbank und blinzelt in das fahle Sonnenlicht. Und der Mann hat nicht ganz unrecht.

«Mindestlohninitiative: Ja oder Nein» hatte die Frage geheissen. Von den 30 spontan Befragten bekannten sich 26 zu der Initiative, lediglich ihrer vier antworteten mit einem klaren Nein. Und wo das Ganze? Logisch. In der Schützi, wo die 1.-Mai-Feierlichkeiten über die Bühne gingen.

Beteiligung: wie immer; Thema diesmal: eben die Mindestlohninitiative, für die sich beide Redner nur Minuten zuvor drinnen in der einstigen Turnhalle starkgemacht hatten. Zum einen war da Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin der Gewerkschaft vpod, und andererseits der Soziologe Ueli Mäder.

Während Mäder fast gar zu akademisch blieb, nutzte Prelicz-Huber die Gunst der Stunde. Ihr Auftritt hatte just jenen plakativen Charakter und besass jene Ingredienzen, die nun mal zu Politauftritten gehören: die geschickte Mixtur von Schlagworten und Feindbildern. Kein Wunder, bekam die Frau aus Zürich Applaus auf offener Szene.

Ein Korrekturzeichen

Die Forderungen der Mindestlohninitiative seien weder Unverschämtheit, Wirtschaftskiller noch Lohndiktat der Gewerkschaften, sondern ein kleines «Korrekturzeichen» im Lohndiktat der Wirtschaft, schmetterte die Zürcherin ins Mikrofon.

Die 4000 Franken Mindestlohn bezeichnete sie als Anstandsgrenze, geisselte zum Kontrastprogramm geschickt die Boni-Politik von Grossbanken, ehe sie auf die grundsätzlichen Vorzüge der Initiative zu sprechen kam: «Die Forderung ist ein wirksames Mittel gegen die Lohndiskriminierung der Frauen, bringt mehr Geld in die Kassen von rund 330 000 Arbeitnehmenden, was den Konsum stärkt und die Sozialwerke entlastet.» Einen kleinen Haken habe die Initiative, meinte sie zum Schluss fast ein bisschen lakonisch: Die Gewinne der Betriebe würden dadurch ein bisschen reduziert.

Moderatere Töne schlug Mäder an, der den 1. Mai noch immer als wichtigen und notwendigen Tag im Zeichen sozialer Gerechtigkeit beschrieb. «Je höher die Löhne sind, desto mehr steigen sie auch an», meinte er zum Stichwort Lohnschere und hielt Skeptikern, die sich über zunehmende Aufwände im Sozialbereich den Kopf zerbrechen, entgegen: «Die Sozialkosten sinken – gemessen am Bruttoinlandprodukt – seit Jahren.» Balsam, der rasch einzog.