Olten
Den Traum von mehr Zeit fürs Sozialleben mussten sie vorerst wieder begraben

Den «Gryffe» haben die «Abbasso»-Betreiber ihrem Sozialleben zuliebe abgegeben. Dennoch haben sie nicht mehr Zeit.

Rebecca Rutschi
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Das Wirtepaar Stef Dietschi und Rahel Liebi im Gewölbekeller Abbasso.

Das Wirtepaar Stef Dietschi und Rahel Liebi im Gewölbekeller Abbasso.

Bruno Kissling

Als Stef Dietschi und Rahel Liebi die Geschäftsleitung des «Gryffe» Ende September nach über sieben Jahren abgaben, taten sie dies vor allem darum, um mehr Zeit für sich und ihr Sozialleben zu haben.

Abgesehen davon wollten sie mehr Energie in den Gewölbekeller Abbasso stecken, den sie seit 2016 leiten. «Wir haben das Abbasso immer als unser Stiefkind bezeichnet», erzählt Liebi. Sie hätten sich zwar darum gekümmert, dass der Betrieb läuft, das Hauptaugenmerk lag jedoch immer auf dem «Gryffe». Das sollte sich nun ändern.

Das Problem mit den Schutzauflagen

Die Coronakrise macht dem Wirtepaar nun aber einen Strich durch die guten Vorsätze. Zum einen mussten sie die Chalet-­Saison absagen. Die Bestimmungen von Bund und Kanton verunmöglichten ihnen einen profitablen Betrieb in den Chalets. Die Sperrstunde um 23 Uhr raubt ihnen zusätzlich jedes Wochenende Einnahmen von 7 Stunden. Ein Barbetrieb generiere im Durchschnitt etwa ab 21 Uhr Umsatz, berichtet Dietschi. Am Wochenende sei es oft sogar noch später.

Dass die Barbetriebe nun gezwungen seien, bereits um 23 Uhr abends ihre Pforten zu schliessen, bedeute einen grossen Einschnitt ins Budget. Mit der Platzbeschränkung auf 30 Gäste pro Betrieb dürfen zudem nur die Hälfte der Plätze im «Abbasso» besetzt werden.

Die Fixkosten müssen gesenkt werden

Um das Verlustgeschäft so stark wie möglich einzudämmen, haben Liebi und Dietschi nun einige Massnahmen getroffen. Zum einen haben sie den Start der Wintersaison eine halbe Woche vorverlegt. Anstatt den Gewölbekeller am 4. November zu eröffnen, nutzten sie dazu das schöne Wetter in der letzten Oktoberwoche. Zum andern haben sie nach einer vorgängigen Überschlagsrechnung der Fixkosten eingesehen, dass sie mit den erwarteten Einnahmen im «Abbasso» neben der Miete, dem Warenaufwand und den Nebenkosten keine Löhne zahlen können.

Die beiden Mitarbeiterinnen, die das Wirtepaar bereits im «Gryffe» beschäftigte und nun ins «Abbasso» mitgenommen hätte, mussten sie deswegen gehen lassen. Das tat weh, sei aber nötig gewesen. Nun führen die beiden den Gewölbekeller alleine. Doch auch ohne Angestellte: den Lebensunterhalt verdienen können sie sich damit nicht. Beide haben deswegen tagsüber noch einen anderen Job angenommen.

Dietschi ist mit einem Stellenpensum von 100 Prozent beim Werkhof Olten angestellt, Liebi arbeitet zu einem 50-Prozent-Pensum im Coop City. Damit arbeiten sie beide wieder weitaus mehr als 100 Prozent und müssen ihren Traum – mehr Zeit für ihr Sozialleben zu haben, deswegen sie im «Gryffe» aufgehört haben –, vorerst wieder begraben. Den «Gryffe» abgegeben zu haben, bedauern sie trotzdem keine Sekunde. Es sei eine Erleichterung, nicht mehr für die finanzielle Grundlage mehrerer Angestellter verantwortlich zu sein, sondern nur noch für die eigene.

Zukunftspläne nach der Krise

Doch auch wenn die Normalität nach der Coronakrise irgendwann wieder einkehrt, streben die beiden keinen grossen Konzeptwechsel an. «Die einschneidendste Veränderung für den Betrieb wird sein, dass wir das ganze Jahr über geöffnet haben», sagt Liebi. Damit trage man auf jeden Fall zur weiteren Belebung der Kirchgasse bei, ergänzt ihr Partner.